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Viele Kinder und Jugendliche unter den Flüchtenden

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Von: Jana Ballweber

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Notbetten stehen in einer Frankfurter Sporthalle für ukrainische Kriegsflüchtlinge bereit.
Notbetten stehen in einer Frankfurter Sporthalle für ukrainische Kriegsflüchtlinge bereit. © dpa

Die Stadt Frankfurt bringt schon 1000 Menschen unter. Derzeit werden keine Sachspenden benötigt.

Die Zahl derer, die vor dem russischen Angriffskrieg in Frankfurt Schutz suchen, steigt weiter an. Zwischen 700 und 1000 Menschen seien derzeit vonseiten der Stadt in Notunterkünften, Hotels und bei Privatpersonen untergebracht, berichtet Frankfurts Sozialdezernentin Elke Voitl am Montag auf einer Pressekonferenz. Kinder und Jugendliche machten etwa die Hälfte der Geflüchteten aus. In drei Hallen hat die Stadt 700 Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen. Auch die Kapazitäten in Hotels werden derzeit aufgestockt, so die Dezernentin.

„Wie viele Menschen genau in Frankfurt sind, ist schwierig zu sagen. Viele wollen gar nicht bleiben, sondern ruhen sich hier nur ein oder zwei Tage aus, bevor sie dann zu Verwandten oder Freunden weiterreisen“, erklärt Voitl. Die Menschen kämen auf den unterschiedlichsten Wegen in Frankfurt an, zum Beispiel mit der Bahn oder mit dem Flugzeug, aber auch in ihren eigenen Autos oder in privat organisierten Bussen. Von diesen Menschen erfahre die Stadt erst, wenn sie sich beispielsweise um eine Krankenversicherung oder andere städtische Unterstützung bemühen.

Auch die jüdische Gemeinde hat bislang schon 250 Personen untergebracht, berichtet deren Sozialdezernent Leo Latasch. Seine Gemeinde wisse von etwa 500 Jüdinnen und Juden, die im Laufe der Woche in Frankfurt eintreffen werden: „Dreißig Prozent unserer Gemeindemitglieder haben ukrainische Wurzeln. Viele lotsen nun ihre Angehörigen und Freunde nach Frankfurt.“ Abgesehen von solchen direkten Informationen sei es aber schwierig, die Zahl der Ankommenden vorherzusagen.

„Wir erfahren nicht immer im Voraus von der Ankunft eines Busses. Andere Busse sind angekündigt, kommen dann aber doch nicht“, so Voitl. Man stelle sich aber auf das Schlimmste ein, auch weil ein baldiges Ende des Krieges im Moment nicht in Sicht sei. Zusätzlich bereite die Stadt Kapazitäten zur Versorgung von Verwundeten vor. Frankfurt sei die mit Abstand wichtigste Anlaufstelle für Geflüchtete in Hessen, da es eine große ukrainische Gemeinschaft in der Stadt gebe und Bahnhof und Flughafen wichtige Knotenpunkte im internationalen Reiseverkehr seien.

Voitl fordert mehr Koordination vom Land, um die Menschen möglichst schnell im ganzen Land verteilen zu können: „Nicht alle, die hier ankommen, können in Frankfurt bleiben. Seit heute leiten wir Menschen nach Gießen in die Erstaufnahmeeinrichtung weiter.“ Voitl wünscht sich, die Erstregistrierung und Verteilung der Geflüchteten auch von Frankfurt aus vornehmen zu können, um den oft erschöpften Menschen aus der Ukraine die Weiterreise nach Gießen zu ersparen. Hierfür könne sie dem Land Ressourcen bereitstellen.

Unterstützung erhofft sich die Stadt vor allem von Menschen, die eine Wohnung besitzen, die im Augenblick nicht vermietet ist: „Jetzt ist der Zeitpunkt, um eine Wohnung auf den Markt zu geben“, appelliert Voitl. Michael Frase, Leiter des Diakonischen Werks Frankfurt, berichtet von über 400 Angeboten von Menschen, die Geflüchtete aufnehmen wollen. Nur etwa ein Viertel davon seien aber richtige Wohnungen, der Rest seien Angebote zur Mitnutzung. Wohnraum sei das dringendste Problem, damit die Menschen nicht allzu lang in den Hallen und Gemeinschaftsunterkünften ausharren müsste, so Voitl.

Sachspenden würden hingegen derzeit ausdrücklich nicht benötigt. Sowohl die Caritas als auch das Deutsche Rote Kreuz und die Bahnhofsmission berichten von Lagerproblemen. „Wenn wir etwas Bestimmtes brauchen, dann melden wir uns“, verspricht Caritas-Direktorin Gaby Hagmans.

In den Unterkünften sei für eine psychologische Betreuung der oftmals schwer traumatisierten Menschen gesorgt. Mobile Impfteams bieten den Ankommenden eine Corona-Impfung an. Auch Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt habe man vorbereitet, so Voitl. „Seit 2015 sind die Strukturen zur Versorgung von Geflüchteten gut eingespielt“, lobt Caritas-Direktorin Hagmans. „Auf dieser Basis können wir alle notwendigen Schritte jetzt schnell in Angriff nehmen.“

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