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Die neue Altstadt zwischen Dom und Römer zieht besonders Tagestouristen an.

Tourismus in Frankfurt

So viele Gäste wie nie in Frankfurt

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Die FR beantwortet Fragen zum Touristen- und Hotelboom in Frankfurt

Wie viele Touristen kommen pro Jahr nach Frankfurt?

Das weiß niemand so genau. Fest steht: Die Gäste- und Übernachtungszahlen in den Beherbergungsbetrieben sind im vergangenen Jahr auf den neunten Rekordwert in Folge gestiegen. Erstmals verkauften diese mehr als zehn Millionen Übernachtungen. Seit 2008 wuchs diese Zahl um 87 Prozent. Keine deutsche Großstadt zieht auf die Einwohnerzahl gerechnet so viele Übernachtungsgäste an wie Frankfurt. Dazu kommen immer mehr Tagestouristen. Die aber werden statistisch nicht erfasst.

Was zieht die Reisenden nach Frankfurt?

Die meisten kommen immer noch aus geschäftlichen Gründen in die Stadt, sind etwa Messe- oder Kongressbesucher. Nur rund 30 Prozent sind Privatreisende. In Frankfurt sind, anders als bei typischen Städtereisezielen, die Hotels unter der Woche deutlich besser ausgelastet als am Wochenende. Die absolute Zahl der Privatreisenden, die in Frankfurt übernachten, steigt seit Jahren. Und das, obwohl wegen der verkehrsgünstigen Lage der Stadt viele Menschen, die sich die neue Altstadt und die Museen ansehen oder zu einem der großen Feste in die Stadt kommen, abends wieder heimfahren.

Wo kommen die Übernachtungsgäste her?

Zu 42 Prozent aus dem Ausland. Das ist ein sehr hoher Anteil. Besonders viele Übernachtungen verkaufen die Hoteliers an Gäste aus den Vereinigten Staaten, China und dem Vereinigten Königreich. Immer mehr Touristen oder Geschäftsreisende kommen auch aus Spanien, Italien, Frankreich und Indien in die Stadt.

Geht der Tourismusboom weiter?

Die städtische Tourismus- und Congress-Gesellschaft geht davon aus. Sie rechnet damit, dass die Übernachtungszahlen dieses Jahr drei Prozent über denen des vergangenen Jahres liegen werden.

Überall in der Stadt entstehen neue Hotels. Wieso?

Der Bau von Hotelimmobilien verspricht höhere Renditen als von Büros oder Wohnungen. Große Hotelketten wollen mit ihrem Marken in der stark wachsenden, prosperierenden Stadt vertreten sein. Etwa 300 Beherbergungsbetriebe gibt es inzwischen in der Stadt. Noch scheint für die meisten Hoteliers die Rechnung aufzugehen. Die Auslastungszahlen und Preise sind zumindest stabil.

Wie weit kann das noch gehen?

Hotels mit Hunderten neuen Zimmern sind im Bau oder geplant. Noch wird kräftig investiert. Das Risiko aber könnte steigen. Das Maklerhaus Engel & Völkers hat errechnet, dass schon im Jahr 2021 etwa 11,6 Millionen Übernachtungen verkauft werden müssen, damit die Auslastung nicht sinkt.

Was hat Frankfurt von den Touristen?

Sie lassen nicht zuletzt viel Geld in der Stadt. Nach einer Studie für den Arbeitskreis Tourismus Frankfurt/Rhein-Main geben Übernachtungsgäste in der Metropolregion im Schnitt pro Tag gut 163 Euro aus, Tagestouristen knapp 30 Euro. In Frankfurt dürften die Beträge höher liegen. Besonders stark profitieren das Gastgewerbe und der Einzelhandel. Die neue Tourismusabgabe, die Privatreisende pro Übernachtung zahlen, hat der Stadt im ersten Jahr 6,4 Millionen Euro eingebracht, die sie für touristische Einrichtungen und deren Bewerbung verwenden darf.

Droht die Stadt zu touristisch zu werden?

Schon jetzt schieben sich sehr viele Reisegruppen über den Römerberg und durch die neue Altstadt. Manche Lokale und Läden sind bereits sehr auf Touristen zugeschnitten. Einen „Overtourism“ wie in Venedig, Barcelona oder auch in Bamberg sieht zumindest Tourismuschef Thomas Feda aber noch nicht kommen. Die Reisenden verteilten sich in Frankfurt besser als in anderen Destinationen auf das Stadtgebiet, sagt er.

Zusammengestellt von Christoph Manus

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