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Pandemie

Viele Eltern verzweifeln gerade wieder

Kranke Kinder, kranke Erzieherinnen und feste Betreuungsgruppen. In vielen Einrichtungen geht die Corona-Angst um.

Eltern von kleinen Kindern können sich noch gut daran erinnern. Denn es ist noch nicht lange her, dass die Öffnungszeiten der Krabbelstuben und Kindergärten pandemiebedingt auf sieben Stunden reduziert wurden – für berufstätige Väter und Mutter kaum zu stemmen. Dies droht jetzt wieder.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) hat in einem Brief an Eltern von Kindern, die in hessischen Kindertageseinrichtungen oder von Kindertagespflegepersonen betreut werden, angekündigt, dass „angesichts der verschärften pandemischen Lage“ die Einrichtungen erneut aufgefordert werden, „die Betreuung in konstanten Gruppen durchzuführen“. Soll heißen: Offene und teiloffene Konzepte in Krabbelstuben und Kindergärten sind nicht mehr möglich. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Maßnahme wirksam dazu beiträgt, die Ausbreitung des Virus einzudämmen“, schreibt der Minister.

„Wenn die Maßnahme jetzt umgesetzt wird, können die Einrichtungen eigentlich gleich komplett geschlossen werden“, fürchtet die Frankfurterin Ronja Walter von der Initiative Familie. Schon jetzt würden sich viele Väter und Mütter von Kita-Kindern wie während des Lockdowns fühlen, weil die Kleinsten eigentlich ständig zu Hause sind: Entweder sind die Kinder krank, oder es sind zu viele Erzieherinnen krank, weshalb die Eltern gebeten werden, die Kleinen früher abzuholen oder gleich selbst zu betreuen. Oder die Einrichtungen sind wegen eines Corona-Falls geschlossen.

„Es herrscht derzeit einfach nur noch Chaos“, sagt Ronja Walter. Ihr Sohn besucht eine Krabbelstube, ihre Tochter ist im Kindergartenalter. „Wir wissen eigentlich jeden Morgen aufs Neue nicht, ob unsere Kinder betreut werden.“ Husten, Schnupfen, Fieber, Magen-Darm, Hand-Mund-Fuß – all diese Krankheiten verbreiten sich derzeit in Windeseile in Kindertagesstätten. Die Mediziner:innen sind sich einig, woran es liegt: An den Lockdowns in den vergangenen eineinhalb Jahren und den damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen. „Das Training des Immunsystems hat darunter gelitten“, erklärt der Frankfurter Kinderarzt Burkhard Voigt. Das schlage jetzt mit voller Wucht durch.

Das Problem für die Eltern: „In vielen Einrichtungen geht wieder die Corona-Angst um“, sagt Thomas Krohn, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats (GEB) der städtischen Kindertagesstätten. „Jeder Husten, jeder Schnupfen wird wieder kritischer beäugt.“ Da könne es durchaus wieder vorkommen – wie schon im vergangenen Jahr –, dass Kinder mit laufender Nase oder leichtem Husten nach Hause geschickt werden. „Das ist eine Zusatzbelastung für die Familien“, weiß Krohn.

Das Hygienekonzept des Landes sieht jedoch erst dann ein Betretungsverbot für die Kita vor, wenn Kinder oder Erwachsene hohes Fieber, trockenen Husten, Geschmacks- oder Geruchsverlust haben. Ein „leichter oder gelegentlicher Husten“ sowie ein „einfacher Schnupfen ohne weitere Krankheitsanzeichen“ führe zu keinem automatischen Ausschluss, heißt es auf der Internetseite des Sozialministeriums. Minister Klose stellt in seinem Elternbrief aber klar: „Kranke Kinder gehören nicht in die Kita.“ Daran habe sich mit der Pandemie nichts geändert.

Das Frankfurter Bildungsdezernat begrüßt die Maßnahme der Landesregierung, dass die Kita-Kinder wieder in festen Gruppen betreut werden sollen. „Das ist sinnvoll, um dem Gesundheitsschutz gerecht zu werden und gleichzeitig die Betreuungseinrichtungen offen zu halten“, teilt Jan Pasternack, Sprecher von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), auf Anfrage mit. Aufgrund der hohen Impfquote unter den Erzieherinnen und Erziehern sowie der 3G-Regel am Arbeitsplatz sei dies auch vertretbar. Eine allgemeine Kürzung der Öffnungszeiten sieht das Dezernat derzeit aber nicht als notwendig an, da man sich nach Dienstschluss ablösen und im Krankheitsfall vertreten könne. „Unabhängig davon haben wir in den Kitas aktuell jedoch einen hohen Krankenstand, vor allem durch gewöhnliche saisonale Erkältungs- und Virenkrankheiten“, so Pasternack. „Einzelne Kitas können darum zur Aufrechterhaltung ihres Angebots die Betreuungszeiten einschränken oder in die Notbetreuung wechseln. Dazu sind sie auch befugt.“

Sozialminister Klose appelliert an die Eltern durchzuhalten. Die Entscheidung, in den Kitas zu den geschlossenen Gruppen zurückzukehren, sei der Landesregierung nicht leichtgefallen. Klose: „Sie dient aber dem Schutz der Jüngsten unserer Gesellschaft.“(Julia Lorenz)

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