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Nadine Maletzki ist Betreiberin des Laufhauses Sex Inn im Frankfurter Bahnhofsviertel.Sie hatte sich seit Monaten auf die Wiedereröffnung der Bordelle mit einem Hygienekonzept vorbereitet. Am Eingang können sich die Kunden per App oder Kontaktbogen eintragen. Foto: Renate Hoyer
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Nadine Maletzki ist Betreiberin des Laufhauses Sex Inn im Frankfurter Bahnhofsviertel. Sie hatte sich seit Monaten auf die Wiedereröffnung der Bordelle mit einem Hygienekonzept vorbereitet. Am Eingang können sich die Kunden per App oder Kontaktbogen eintragen.

Frankfurter Bahnhofsviertel

Viel Zulauf in den Bordellen im Frankfurter Bahnhofsviertel nach Wiedereröffnung

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Seit Freitag sind in Hessen die Bordelle wieder geöffnet. Der Zulauf ist groß, auch in Frankfurt. Aber der Eintritt wird nur unter bestimmten Bedingungen gewährt.

Frankfurt - Ein Herr im Hawaiihemd steht vor dem Laufhaus Sex Inn in der Taunusstraße, hinten in der Jeanstasche hat er sein Corona-Schnelltestergebnis in einer blauen Schutzhülle. Er fragt den Mitarbeiter am Eingang: „Ich habe nur einen Papiertest, okay?“ Ist okay.

Die Kunden geben sich am Freitagabend gegenseitig Tipps, wenn einer vergessen hat, noch einen Test zu machen, wo denn das nächste Testcenter im Frankfurter Bahnhofsviertel ist. Gewissenhaft trägt ein Mann mit dem Kuli seine Kontaktdaten am Eingang ein. Junge Männercliquen, ältere Männer, Männer mit E-Zigarette stellen sich an. Es ist ein ständiges Rein- und Rauslaufen am Tag eins der Wiedereröffnung der Bordelle in Frankfurt. 15 Monate lang waren sie pandemiebedingt in Hessen geschlossen.

„Ich bin in Freudentränen ausgebrochen, als ich erfuhr, dass die Bordelle endlich wieder öffnen dürfen“, erzählt Nadine Maletzki. Die 45-Jährige ist Betreiberin des Laufhauses Sex Inn, das gegenüber dem Roten Haus steht, wo ebenfalls noch vor Anbruch der Dunkelheit viele Männer reingehen. Maletzki sagt, sie hätten schon seit der Schließung im März 2020 die Wiedereröffnung mit einem Hygienekonzept vorbereitet. „So bereit wie ich ist kein Laufhaus in Frankfurt“, sagt sie. Und ihr Fazit für das erste Wochenende. „Es lief besser als erwartet, es war unfassbar viel los.“

Frankfurt Bahnhofsviertel: Schon morgens um 10 Uhr stehen die ersten Männer vor dem Laufhaus

Bis zum Betreten der Zimmer im Sex Inn gilt Maskenpflicht im Eingangsbereich und den Fluren. „Auch die Frauen müssen, solange sie an ihrer geöffneten Zimmertür stehen, Maske tragen“, berichtet Maletzki. Bereits am Donnerstag hat sie Desinfektionsspender im ganzen Haus anbringen lassen. 41 Zimmer hat sie, die sie, wie sie betont, nur an selbstständige Prostituierte vermietet.

Schon um 10 Uhr öffnet sie am Freitag die Türen. Besonders am Anfang seien viel mehr Männer da gewesen als Prostituierte. „In den ersten Stunden war nur eine Frau hier. Sie hat noch nie so früh ihre Miete zahlen können“, so Maletzki. Viele Männer habe sie bitten müssen, später am Tag wiederzukommen, aber im Laufe des Abends, hätten mehr Prostituierte gearbeitet. „Diese Frauen haben ein Schweinegeld verdient.“

Bahnhofsviertel in Frankfurt: Die meisten Freier wollen ihre Kontaktdaten lieber handschriftlich hinterlassen

Es gelten wie überall bis zum Zimmer die Abstandsregeln. Ein Mitarbeiter kontrolliert als Erstes am Eingang die Nachweise der Kunden. „Man muss geimpft, genesen oder getestet sein, um ins Bordell zu dürfen“, so Maletzki. Tests vor Ort biete sie nicht an, dazu sei der Eingangsbereich zu eng, der Aufwand zu groß. Sie akzeptiere nur die Ergebnisse von Testcentern. Und ja, auch hier müssten die Freier ihren Namen und Kontaktdaten hinterlassen und es werde festgehalten, wann und wie lange der Kunde bleibe. „Es gibt einen QR-Code für die Luca-App und die Corona-App.“ Die meisten wollten aber lieber handschriftlich die Kontaktdaten ausfüllen. „Sie sagten: ,Ich vertraue dir als Bordellbetreiberin mehr, wie du mit meinen Daten umgehst, als einer App.‘“ Allein am Samstag hätte sie 600 Kontaktbögen gesammelt. „Zu 99 Prozent geben die Männer ohne Murren ihre Kontaktdaten.“

„Es lief besser als erwartet, es war unfassbar viel los“, sagt Betreiberin des Laufhauses Sex Inn Nadine Maletzki.

Aber nicht überall ist so viel los. Schräg gegenüber vom Sex Inn sitzen Animierdamen auf einem Barhocker am Eingang und gähnen. Ein Laufhaus hat noch gar nicht geöffnet. Erst am Dienstag hatte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Öffnung der Bordelle verkündet. „Da waren viele nicht vorbereitet“, so Maletzki. „Ich habe mir die Auflagen viel schlimmer vorgestellt. Man muss nicht wie in anderen Bundesländern Termine vorab buchen. Geschlechtsverkehr ist erlaubt. Das sind realistische Auflagen.“ In Hamburg hingegen sei Oralverkehr wegen der Maskenpflicht nicht erlaubt. Und auch „während der Erbringung der Dienstleistungen muss eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden“.

Einmal die Woche müssen sich die Prostituierten in Hessen auf Covid-19 testen lassen

Laut hessischer Verordnung müssen sich die Prostituierten mindestens einmal die Woche testen lassen. „Ich will, dass sie sich zweimal die Woche testen lassen, ich biete auch Selbsttests an und notiere alles“, sagt Maletzki. In Städten wie Hamburg müssen sich Prostituierte sogar täglich auf Covid-19 testen lassen. Wie das Gesundheitsamt am Freitag mitteilte, sieht die Stadt Frankfurt zum jetzigen Zeitpunkt keinen Bedarf für Regelungen, die über die Landesverordnung hinausgehen.

Bis zum Abend der Wiedereröffnung wusste Maletzki nicht, wie viele Frauen tatsächlich bei íhr ein Zimmer mieten würden. Es seien weniger Frauen als vor der Pandemie. Sie befürchtet, dass viele Frauen nicht mehr in die Bordelle zurückkehrten, sondern weiter in Hotels arbeiteten. Denn die Prostitution lief auch während der Schließung der Bordelle wenig versteckt illegal weiter. Vor den Bordellen im Bahnhofsviertel warben die Frauen die Freier auch tagsüber an, nahmen sie mit in umliegende Hotels. Einige erzählen, dass sie eben ansonsten kein Geld zum Essen gehabt hätten, sie ihre Familien in Rumänien oder Bulgarien ernähren müssten. In der ersten Nacht sieht man immer noch Frauen auf der Straße stehen und manche mit Männern ins Hotel verschwinden.

Prostituierte arbeiten weiter auf dem illegelaen Straßenstrich im Bahnhofsviertel Frankfurt

„Es ist nun spannend, ob die Hotels von der Polizei weiter kontrolliert werden, dort hat ja bislang illegal Prostitution stattgefunden. Das waren Frauen, die vorher auf dem Straßenstrich waren, aber auch Frauen, die vorher im Bordell gearbeitet haben“, sagt Maletzki. Seit dem Wochenende stünden die Frauen zwar nicht mehr vor den Bordellen, aber der Straßenstrich habe sich in die umliegenden Straßen verteilt. Dabei ist in Frankfurt der Straßenstrich nur in der Toleranzzone der Theodor-Heusss-Allee erlaubt, nicht im Bahnhofsviertel.

Encarni Ramírez Vega, die stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins „Frauenrecht ist Menschenrecht“ (FIM), sagt: „Die Prostitution wurde während der pandemiebedingten Schließung ins Illegale verdrängt. Natürlich wünschen wir uns sicherere Arbeitsbedingungen für die Frauen. Für einige Frauen bedeutet dies eben, in einem Laufhaus arbeiten zu können. Daher finden wir es gut, dass die Bordelle und Laufhäuser wieder öffnen. In den Häusern sind die Frauen in einem geschützteren Raum, es gibt Hygieneauflagen und die Frauen müssen sich nicht mehr auf der Straße exponieren.“

Sie betont, dass Frauen, die schon vor der Schließung in den Laufhäusern im Bahnhofsviertel gearbeitet hätten, den Mitarbeiterinnen des Vereins schon lange gesagt: „Wir wollen wieder ins Laufhaus.“ Denn: „Sie mussten ständig Angst haben, vom Ordnungsamt kontrolliert zu werden und Geldstrafen zu zahlen. Sie flüchteten von einer in die nächste Ecke, das war mit viel Druck verbunden.“ Andere Frauen dagegen würden auch jetzt weiter auf der Straße bleiben. Für sie sei wichtig, dass sie jeden Tag 150 Euro Tagesmiete sparen könnten.

Frankfurt: Hygienekonzept auf Straßenstrich nicht möglich

Noch ein Problem sei, so Maletzki, dass viele Frauen den „Hurenpass“, also die vom Ordnungsamt ausgestellte Anmeldebescheinigung nach dem Prostituiertenschutzgesetz, nicht rechtzeitig verlängert hätten. „Die Polizei sagte mir, dass es okay sei, wenn die Frauen zunächst auch mit den abgelaufenen Papieren arbeiten, wenn sie bald einen Termin vereinbaren. Das kam ja jetzt doch sehr plötzlich und am Wochenende arbeiten die Ämter nicht.“

Und was ist eigentlich mit dem Straßenstrich auf der Theodor-Heuss-Allee? „Ein Hygienekonzept ist bei der Straßenprostitution nicht möglich, es gelten die üblichen Corona-Regelungen“, sagt ein Sprecher des Ordnungsamts. „Also rein theoretisch müssten sie anders als im Bordell mit Hygienekonzept beim Geschlechtsverkehr Maske tragen.“ Praktisch sei das kaum zu kontrollieren. Im Bahnhofsviertel werde die Polizei unangekündigt Hygienekonzepte, aber auch illegale Prostitution in den Hotels kontrollieren.

„Ich hoffe sehr, dass die Polizei den Straßenstrich im Bahnhofsviertel in den Griff bekommt“, sagt Nadine Maletzki. Seit dem Wochenende habe sie sehr viele Zuhälter beobachtet, die demonstrativ in den Straßen verteilt stünden. (Kathrin Rosendorff)

Lesen Sie hierzu auch das FR-Interview „Prostitution zementiert die niedrige Stellung aller Frauen“

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