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300 Frauen und auch einige Männer beteiligten sich an der Menschenkette .

Gewalt gegen Frauen

Viel Wut im Bauch

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Eine Menschenkette am südlichen Mainufer, eine Demonstration durch die Innenstadt. In Frankfurt protestieren Hunderte am Tag gegen Gewalt an Frauen.

Günay U. wird nur 24 Jahre alt. Ihr Ex-Partner tötet sie am 10. Oktober 2019 mit einem Messer in Bornheim. Sana A. flüchtet vor ihrem Mann in ein Frauenhaus in Limburg. Er findet heraus, wo das Frauenhaus ist, setzt sich in ein Auto und fährt sie in der Nähe des Limburger Bahnhofs an. Danach tötet er sie mit Axt und Beil. Sana A. hinterlässt zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren.

Diese und weitere Namen von getöteten Frauen haben Aktivistinnen am Mittwochabend an den Liebfrauenberg-Brunnen geklebt. Den Platz benannten sie kurzer Hand in Ni-Una-Menos Platz (auf Deutsch: Nicht eine weniger) um. Der Begriff stammt aus der feministischen Bewegung aus Argentinien. In Deutschland versucht jeden Tag ein Mann seine Partnerin oder Expartnerin umzubringen. Jeden dritten Tag „gelingt“ ein solches Verbrechen.

Um auf eben jene Femizide und andere Gewalttaten von Männern an Frauen zu erinnern, nahmen 300 Menschen laut Polizei am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen an einer Demonstration teil. Ihr Protest richtet sich gegen die patriarchale Gewalt, von der nicht nur Frauen betroffen sind, sondern etwa auch Inter- und Trans*personen. „Patriarchale Gewalt richtet sich gegen alle, die in der Frage der Identität und des Begehrens von der zweigeschlechtlichen Norm abweichen“, sagt eine der Rednerinnen am Opernplatz, bevor der Demozug sich in Gang setzte. „Wir kämpfen dafür, dass wir uns überall frei bewegen können. Wir wollen laut und wir wollen wütend sein“, ruft die Rednerin den Teilnehmenden zu.

Bei der Demonstration sind auch Luise Busch und Milena Böhm. Die beiden Studentinnen wohnen erst seit kurzem in Frankfurt. Böhm hat selbst sexualisierte Gewalt erlebt, so, wie ihre Mutter auch, erzählt die 23-Jährige. „Jede siebte Frau in Deutschland wurde Opfer von sexualisierter Gewalt. Ich bin eine von ihnen“, sagt sie. Es fehle an Aufklärung, etwa in der Schule. Auch die Hilfsangebote für Opfer seien nicht ausreichend vorhanden. „Ich musste lange auf einen Termin bei einer Therapeutin warten“, sagt Böhm.

Ihre Freundin hat den Eindruck, dass in Deutschland niemand über Gewalt an Frauen reden möchte. „Das passiert fast täglich, aber es ändert sich einfach nichts“, sagt Busch. Seit sieben Jahren steigen die Zahlen von Gewalt gegen Frauen in der Partnerschaft an. Für 2020 gibt es noch keine Zahlen. Doch Frauenhäuser gehen von einer Verschärfung der häuslichen Konflikte und einer hohen Dunkelziffer aus. „Die Zahlen werden uns aus den Socken hauen“, sagt Busch.

Im Hintergrund der beiden Frauen ist die in orangener Farbe angeleuchtete Alte Oper zu sehen. Mehrere Gebäude wie die Paulskirche, das Historische Museum oder die EZB sind in Orange getaucht. Mit der weltweiten Beleuchtungsaktion „Orange your City“ soll jedes Jahr auf den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht werden. Mit orangefarbenen Gummibändern halten sich 300 Frauen und auch einige Männer fest. Sie symbolisieren eine Menschenkette und halten dadurch auch den nötigen Abstand ein. Sie stehen am südlichen Mainufer zwischen Eisernem Steg und Holbeinsteg. Organisiert und unterstützt wird die Aktion vor allem vom Bündnis Frankfurt für Frauenrechte.

Eine der Teilnehmenden ist die Leiterin der Integrativen Drogenhilfe, Gabi Becker. „Es ist ein gutes Zeichen, dass Menschen weltweit für eine Sache auf die Straßen gehen, die nicht sein darf“, sagt sie. Es sei erstaunlich, wie viele Fälle es auch in Frankfurt gebe. „Ich weiß auch, wie viele Frauen Gewalt im Bahnhofsviertel erleben. Es ist an der Zeit, dass sich endlich etwas ändert“, sagt sie.

Auch Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) beteiligt sich an der Aktion. „Wir setzen heute ein wichtiges Signal“, sagt sie. Und richtet eine klare Ansage gegen prügelnde Männer: „Wer schlägt, der geht. Nicht die Frau muss ins Frauenhaus gehen. Der Mann muss weg.“

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