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Frankfurter Messen

Viel Textil, aber wenig Rock in Frankfurt

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Die Messelandschaft der Stadt bietet eine Menge und deckt auch überraschende Wirtschaftsgebiete ab, auf die das herkömmliche Publikum gar nicht gekommen wäre.

Was ist das denn jetzt eigentlich: ’ne Messe? Was soll das sein? Was zum Lesen. Logisch. Daher der Name Buchmesse. Aber wenn es früher hieß, die Messe sei gelesen – hatten die Leute dann jedes einzelne Buch auf der Messe gelesen? Oder sollte das doch eher bedeuten, der Markt sei verlaufen? Müsste es womöglich am Ende einer Auto- oder Fahrradmesse korrekt heißen: Die Messe ist gefahren?

Andererseits: Gläubige behaupten (und glauben auch), eine Messe werde gesungen. Kronzeugen sind die Herren Bach, Mozart, Haydn, Beethoven, Schubert, Rossini und weitere Kollegen, die allesamt Messen komponierten. Heutzutage tut das die Messe Frankfurt GmbH unter tätiger Co-Komposition der einzelnen Strömungen und Gattungen.

Auf einer Musikmesse wird beispielsweise Musik dargeboten, auf der Buchmesse, richtig, Bücher. Eine Jobmesse hat Jobs im Angebot und eine internationale Münzenmesse wie die „Numismata“ präsentiert, man sollte es nicht für möglich halten: Münzen. Folglich liefert eine Herbstmesse zuverlässig Herbste und eine Frühjahrsmesse selbstverständlich, äh, Frühjahre? Moment … aber hier: Die Christmas World, also die Weihnachtsmesse, sorgt bereits im Januar dafür, dass der Frust nicht zu lang anhält, weil das Christkind wieder weg ist. Auf der Weihnachtsmesse, ja mei, da is scho wieder Weihnachten.

Aber wenn wir gerade bei der Musikmesse waren: Vor langer, langer Zeit gab es in Frankfurt sogar mal eine Rockmesse. 1991 wurde sie von der Musikerinitiative Kick organisiert, ein grandioses Fest an vielen verschiedenen Orten in der ganzen Stadt, im Sinkkasten, in der guten alten Batschkapp, im Exzess, im Sachsenhäuser Negativ und an weiteren Plätzen.

Es ging bei der Rockmesse vor allem darum, mehr Proberäume zu schaffen und der Politik das Geld für den Kauf der Bunker aus dem Kreuz zu leiern. Eine Woche lang rockte und punkte und tanzte und pogte Frankfurt, es war so schön, man hätte fast religiös werden können. Das Ganze schlief dann leider wieder ein.

Manche der Musikerinnen und Musikfreunde, die das damals miterlebt haben, sagen: Falls die IAA in eine andere Stadt ziehen sollte, können wir ja stattdessen wieder eine regelmäßige Rockmesse machen. Oder ein, zwei Messehallen in Proberäume umwandeln. Diese langen Förderbänder auf dem Gelände würden auch den Transport der Verstärker und Schlagzeugteile enorm erleichtern.

Tunnel bauen

Aber wir schweifen ab. Es gibt viel Karriere und Textil auf der Messe. Die Interwhisky hat Whisky, auf der Fachmesse für Tunnelbau und Tunnelbetrieb („Stuva Expo“) kommen die unzähligen Freunde des Tunnelbaus (und auch des Tunnelblicks) voll auf ihre Kosten. Auf der traditionellen Hochzeitsmesse finden alle ihre Traumpartnerinnen und -partner, und falls doch nicht: Die Messe „Phenomenal Women“ lockt im kommenden Jahr. Es soll sich bei näherem Hinsehen übrigens um eine „Konferenz zur Stärkung der Frau“ handeln.

Unter den 145 (!) Frankfurter Messen sticht die „Abi Zukunft“ heraus, auf der es offenbar Abitur und Zukunft gibt, und natürlich die Babywelt. Wobei sich für die Anschaffung eines Säuglings vielleicht doch eher die herkömmlichen Methoden anbieten.

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