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Viel mehr als Haxe und Weißwurst

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Gastwirt Thomas Studanski lädt ins Alt-Oberurseler Brauhaus mit seinem Biergarten ein. Niklas Müller
Gastwirt Thomas Studanski lädt ins Alt-Oberurseler Brauhaus mit seinem Biergarten ein. Niklas Müller © Niklas Müller

Regionale Kultur, Kulinarik und Tradition: Dorfgasthäuser sind Stätten der Begegnung - Ein Besuch im Taunus, wo seit Jahrhunderten Bier gebraut wird.

Zum zweiten Mal haben die Landesregierung und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in einem Wettbewerb die besten Dorfgasthäuser in Hessen ausgezeichnet. Aus den 175 Bewerbungen wählte eine Fachjury die 50 besten aus. Auch das Alt-Oberurseler Brauhaus konnte sich bereits über diese Auszeichnung freuen.

Gasthäuser sind mehr als nur Stätten, an denen gegessen und getrunken wird. Sie sind vielmehr Treffpunkte, an denen sich Einheimische und Fremde begegnen. Als solche stellen sie einen sichtbaren Teil hessischer Tradition dar, ein Bindeglied zwischen den Generationen.

„Ein Gasthaus ist das öffentliche Wohnzimmer“, fasst Annerose Steiger von der Dehoga Hessen die Bedeutung der Dorfgasthäuser zusammen. Diese seien Treffpunkte für Bürger und Vereine, es würden dort Familienfeste, Hochzeiten, Beerdigungen, aber auch kulturelle Veranstaltungen gefeiert. So bereichert ein Gasthaus das Leben der Menschen vor Ort und begleitet diese oft ein ganzes Leben. Entsprechend wichtig ist der Dehoga-Jury das Engagement der Wirtshäuser für das gesellschaftliche Zusammenleben.

Die Präsentation des Betriebes, das Konzept und die Nachhaltigkeit. Auch der regionale Ursprung der Lebensmitteln, die dort serviert werden, und ihre Verarbeitung sind laut Annerose Steiger weitere Kriterien, nach denen die Gasthäuser bewertet werden.

Es verwundert also nicht, dass das Alt-Oberurseler Brauhaus bereits die begehrte Auszeichnung erhielt, hat es doch nicht nur Tradition, sondern auch eine wechselnde Auswahl an selbst gebrautem Bier, eine regional verankerte, gutbürgerliche Küche und bietet eine Vielzahl an Veranstaltungen für Jung und Alt.

Thomas Studanski, der neben dem Brauhaus auch das Café Waltraud im Taunus als Informationszentrum betreibt, hat im Laufe der Jahre neben Essen und Trinken ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm in seinem Gasthaus angeboten. Er kann auf über 20 Jahre Branchenerfahrung zurückblicken.

Schon am frühen Mittag herrscht Betriebsamkeit auf dem Gelände des Brauhauses, die ersten Gäste werden in Kürze erwartet. Viele kommen auch nur, um einige Flaschen des selbst gebrauten Bieres abzuholen oder Kästen mit Leergut zurückzubringen.

Das Bier sei mit ein wesentlicher Grund für den regen Betrieb, weiß Studanski. Es wird in zwei kupferfarbenen Kesseln direkt in der rustikal eingerichteten Gaststube gebraut. Etwa 500 bis 750 Gäste täglich lassen sich hier bewirten. Dafür arbeitet Studanski mit zwei Jägern und einer Schlachterei zusammen. So kann der Gastwirt auch Fleisch vom Wild aus dem Taunus servieren. Und von den insgesamt 17 Biersorten werden in der Regel im Sommer nur zwei, im Winter bis zu drei, selten auch mal vier gleichzeitig angeboten. Der Grund dafür liegt auf der Hand: „Die Tanks geben einfach nicht mehr her.“

Im Gegensatz zu industriellen Bieren wird selbst gebrautes Bier nicht filtriert. „Unser Bier ist ein frisches Lebensmittel mit Mikroorganismen, die noch arbeiten“, erklärt Studanski. In anderen Worten: Es übersteht nur schlecht Temperaturwechsel, grelles Licht oder lange Standzeiten, ohne sauer zu werden. Der frische Geschmack kommt bei den Gästen gut an. „Vor Corona haben wir 170 000 bis 180 000 Liter Bier im Jahr verkauft“, sagt der Wirt. Während der Pandemie sei vor allem der Verkauf von Flaschen- und Fassbier angestiegen, bis heute. „Die Leute wollten frisches Bier auch zu Hause haben. Und das setzt sich bis jetzt fort.“

Unbeschwertes Beisammensein falle heute vielen Gästen nicht mehr so leicht. Daher will Studanski seinen Gästen vermehrt abseits von kulinarischen Angeboten attraktive Unterhaltung bieten, damit der Spaß und die Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Seine neueste Idee: das Krimidinner. Dabei wird den Besuchern nicht nur Speis und Trank aufgetragen, sondern auch ein professionelles und interaktives Schauspiel geboten. Mitmachen erwünscht. „Eine echte Gaudi“, sagt Studanski.

Eine Gaudi im herkömmlichen Sinne dürfen die Gäste dann im Herbst erwarten. Denn dann gibt es im Alt-Oberurseler Haxen-Abende mit bayerischer Musik. „Wie ein kleines Oktoberfest“, so Studanski. Zusammen mit dem Blindenbund Hessen sei außerdem das sogenannte „Dunkeldinner“ in Planung, bei dem die Besucher ihre Mahlzeit in vollkommener Dunkelheit zu sich nehmen, um ein Gefühl zu entwickeln, wie blinde Menschen mit dieser Situation umgehen. Die Bierliebhaber dürfen sich vor allem auf Brauhaus-Seminare und Mitternachtsbrauen freuen -Events, die auf dem Brauhaus-Programm natürlich nicht fehlen dürfen.

Und wer hier den vielleicht schönsten Tag im Leben verbringen möchte, kann sich in der Alt-Oberurseler Schenke auch das Jawort geben. Als einzige Gasthausbrauerei in Hessen verfügt sie über ein eigenes Standesamt. Nach der Trauung wartet auf das Hochzeitspaar natürlich ein frisch gezapftes Bier. Der Festsaal im Barockstil bietet anschließend den entsprechenden Rahmen, das Ereignis mit der gesamten Hochzeitsgesellschaft gebührend zu feiern.

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