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Der Rebstockpark wurde bewusst als Volkspark gestaltet. Fußballspielen auf der Wiese ist gewünscht, nicht verboten.

Frankfurt - Gallus

Viel Veränderung rund um den Rebstock

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Eine Park-Tour zeigt, wie enorm sich das Areal rund um den Rebstock verändert hat. Hunderte Wohnungen sind entstanden, aber auch viel neues Grün.

Kaum ein Teil Frankfurts hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten so stark verändert wie das Areal am Rebstock: Wo einst Tausende Autos parkten, mal ein Versuchsreaktor stand, Güterzugtrassen verliefen, im städtebaulichen Niemandsland zwischen der Hellerhofsiedlung, der Kuhwaldsiedlung und der A648, sind viele Hundert Wohnungen, ja ganze Viertel, entstanden. Und noch ist die Entwicklung im Europaviertel und am Rebstock längst nicht abgeschlossen. Tausende Menschen werden hier noch zuziehen, werden all die Pläne umgesetzt, die Stadt und Projektentwickler hegen.

Wie gleichzeitig neue Parks und wichtige grüne Wegeverbindungen durch dieses Areal der Stadt entstanden sind, macht Gartenbauingenieur Ingo Bohl am Donnerstagmittag bei einer Führung im Auftrag des Frankfurter Grünflächenamts deutlich. Den etwa 35 Teilnehmern der Tour hat er nicht weniger versprochen, als gemeinsam durch mehrere Jahrhunderte zu gehen. Dabei handelt es sich selbst beim ältesten Park in diesem Teil der Stadt, dem alten Rebstockpark, um eine Nachkriegsgründung. Doch Bohl weist darauf hin, wie dieses 1954 bis 1958 bewusst als Volkspark entstandene Grün Elemente englischer Landschaftsgärten aufgreift. Er weist auf den künstlichen Teich hin, den den Park umgebenden Gürtel von Bäumen, die Baumgruppen.

Auf dem Weg in den nach Plänen von Stararchitekt Peter Eisenman entstandenen neuen Rebstockpark pfeift die historische Eisenbahn vorbei, Jogger sind unterwegs, Kinder spielen Fußball. Ganz hinten sieht man die Eingangstürme zum Europaviertel, die Wohnhochhäuser Axis und Westside Tower. Bohl nennt den in den 90ern geplanten und 2005 eröffneten Park einen Meilenstein in der Landschaftsarchitektur der Moderne. Erläutert, wie dessen Gestaltung von Philosophen wie Jacques Derrida inspiriert wurde.

Vorbei geht es an der das Areal auf 400 Metern Länge durchziehenden Trockengracht, einen von mehreren schmalen Brücken überspannten zwei bis drei Meter tiefen Wiesengraben, in den bei Starkregen das Wasser sickern soll. Bohl zeigt, wie der Park und das angrenzende Wohngebiet in Zusammenhang gedacht wurden, wie sich das Grün regelrecht in die zum Park hin offene, weil hufeisenförmige Gebäudekomplexe schiebt. Weist darauf hin, dass nicht nur die Wege in diesem Teil des Rebstockareals alles andere als gerade, nämlich schief verlaufen, sondern dass auch die Grundrisse der Häuser am Park bewusst nicht rechtwinklig, sondern ziemlich schräg sind.

Durch den Zeppelinpark und den Gleisfeldpark gelangt die Gruppe zum Eurogarten, ganz im Westen des Europaviertels. Kilometerweit fällt der Blick über die überbreite Achse der früheren Güterbahntrasse auf die Türme im Frankfurter Bankenviertel. Selbst der Grand Tower, bald fertig und dann Deutschlands höchster Wohnturm, wirkt weit weg. Der Garten selbst ist groß und ziemlich leer. Und das liegt nicht nur an der überschaubaren Zahl der Bäume. Nach wie vor sind die Grünflächen mit Gittern abgesperrt. Weil nach Ansicht des Grünflächenamts noch immer nicht genug Fläche mit Rasen bewachsen ist, will es den Park so nicht übernehmen. Er bleibt vorerst weiter geschlossen.

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