Eine Polizeibeamtin trägt ihre Dienstwaffe am Gürtel.
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Ein Video zeigt Polizeigewalt bei einem Einsatz in Frankfurt-Sachsenhausen.

Polizeigewalt

Video zeigt Polizeigewalt in Sachsenhausen

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Beamte treten bei Einsatz in Frankfurt-Sachsenhausen auf einen am Boden liegenden Mann ein. Die Reaktionen in den sozialen Medien fallen heftig aus.

Polizisten treten auf einen am Boden liegenden Mann ein: Das Video, das eine Festnahme in Frankfurt-Sachsenhausen zeigt, sorgt seit dem späten Sonntagabend in den sozialen Medien für große Aufregung. Zahlreiche Nutzer werfen den Beamten massive Polizeigewalt vor. Das Polizeipräsidium Frankfurt kündigte Ermittlungen an – auch gegen einen der eingesetzten Beamten. Gegen ihn seien bereits „dienstrechtliche Maßnahmen“ ergriffen worden.

Auf dem recht verwackelten Handy-Video, das gegen 5.30 Uhr aus einer Wohnung an der Dreieichstraße heraus aufgenommen wurde, ist ein Mann zu sehen, der auf der Fahrbahn liegt und offenbar von den Polizisten fixiert wurde. Zunächst tritt einer der Beamten, der wie seine Kollegen schwarze Einsatzmontur trägt, dem Festgenommenen zweimal in den Rücken. Etwa eine Minute später betritt ein weiterer Polizist die Szenerie und tritt auf den Mann ein – in der Höhe, in der sich der Kopf des Opfers befinden müsste. Anschließend wird dieser Polizist von einem Kollegen weggeschubst, einen Moment später kommt ein weiterer Beamter hinzu und scheint den Treter beruhigen zu wollen. Zwischendrin sind in dem Video immer wieder Schreie zu hören. Zahlreiche Polizisten versuchen, Umstehende von der Szenerie fernzuhalten. Dabei setzen sie offenbar auch Pfefferspray ein.

Die Polizei äußerte sich am Montagmittag zu dem Einsatz. Bei dem Festgenommenen handele es sich um einen 29 Jahre alten Mann. Er habe sich in einer Gruppe von alkoholisierten Passanten befunden, die die Polizisten beleidigt hätten. Der 29-Jährige soll zudem Polizisten ins Gesicht gespuckt haben. „Der folgenden Festnahme in der Dreieichstraße widersetzte er sich, so dass er zu Boden gebracht wurde und sein Widerstand gebrochen werden musste“, teilte die Polizei mit.

Gegen einen Beamten werde wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt, so die Behörde. Der Einsatzleiter sei während der Festnahme eingeschritten, habe einen Beamten zur Seite genommen und den Vorfall später intern gemeldet.

Auf Twitter und Instagram gab es scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei. Viele User zeigten sich fassungslos über den Einsatz, andere zogen Parallelen zum Fall George Floyd, der bei seiner Festnahme getötet wurde.

Linke fordert Suspendierung

Der Frankfurter Stadtverordnete Nico Wehnemann (Die Partei) schüttete am Montag Hohn und Spott über die Polizei aus. Er twitterte: „Ist halt ein bedauerlicher Einzelfall. Es sind keine Probleme bei der Polizei Frankfurt bekannt. Sagen alle: Gab es noch nie.“ Wehnemann hatte zuletzt die Reaktion der Frankfurter Polizei auf die Krawalle am Opernplatz kritisiert und der Polizeiführung vorgeworfen, sie wolle mit wehleidigem Klagen über leicht verletzte Beamte Stimmung machen.

Die Linke im Landtag forderte, die eingesetzten Beamten sofort zu suspendieren. Der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Hermann Schaus, erklärte, er sei „fassungslos“, dass nur zwei der Polizisten gegen ihre tretenden Kollegen eingeschritten seien.

Hochgeladen wurde das Video unter anderem vom Frankfurter Ableger der Initiative Fridays for Future. Die Gruppe hatte über ihre Kanäle zuletzt immer wieder Polizeigewalt und Racial Profiling kritisiert. Anlass war unter anderem eine Kontrolle bei einem großen Klima-Aktionstag auf der Zeil, nach der ein 15-Jähriger öffentlich beklagte, er sei von der Polizei unter Druck gesetzt worden.

„Wir verurteilen das brutale Vorgehen der Polizei aufs Schärfste“, sagte Asuka Kähler, einer der Aktivisten von Fridays for Future in Frankfurt, im Gespräch mit der FR. Der Fall in Sachsenhausen sei nur „ein Beispiel von völlig unnötiger Polizeigewalt“. Diese richte sich vor allem gegen Menschen mit Migrationshintergrund, die zudem besonders häufig kontrolliert würden, beklagte Kähler.

Am Montagnachmittag richtete die Polizei einen Server im Internet ein. Dort können Videos und Fotos des Einsatzes hochgeladen werden. Die Adresse lautet: https://polizei-hinweise.de/ alt-sachsenhausen

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