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Die „Fridays for Future“-Bewegung in Frankfurt setzt sich auch dafür ein, dass Frankfurt aus dem Kohlestrom aussteigt.

Verkehr

Frankfurt: VGF fährt weiter mit Kohlestrom

Eine Entscheidung zum Ausstieg hat das Verkehrsunternehmen noch immer nicht gefällt.

Rund die Hälfte der Bahnen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) fahren seit mehreren Jahren mit Kohlestrom. Ein halbes Jahr vor Auslaufen des Vertrags mit dem Energiekonzern Mainova ist noch völlig offen, ob die VGF wieder auf Ökostrom aus erneuerbaren Energien umsteigt oder nicht.

Noch sei keine Entscheidung getroffen worden, sagte VGF-Sprecher Bernd Conrads. Die VGF sei beim Thema noch in der Entscheidungsfindung, Sie prüfe in Abstimmung mit dem Verkehrsdezernat unterschiedliche Varianten. Welche Varianten das sind, wurde nicht bekannt.

Kohle aus den USA und Russland

Derzeit fahren 55 Prozent der Straßenbahnen und U-Bahnen mit Strom aus der Steinkohleverbrennung. Der Strom wird im Heizkraftwerk West im Gutleut erzeugt. Dort hat die VGF seit 1. Januar 2015 eine Kraftwerksscheibe gepachtet. Ihren Strom stellt die VGF im Kraftwerk also selbst her. Verbrannt wird nach Angaben von Mainova importierte Kohle aus den Vereinigten Staaten und Russland sowie Heizöl als Hilfsbrennstoff. Zuvor fuhr die VGF von 2011 bis 2014 mit zertifiziertem Ökostrom der Mainova.

Auf sein Öko-Engagement wies der Energiekonzern Mainova auf einer Eintracht-Frankfurt-Straßenbahn des Verkehrsunternehmens hin. „Natürlich zur Eintracht! Klimaneutral hin, mittendrin und zurück“, war zu lesen. Auf einer weiteren U-Bahn stand der Slogan „Ich fahre mit Mainova-Ökostrom aus Wasserkraft“. Das ist passé.

Die Verantwortung für den Umstieg von Öko- auf Kohlestrom tragen der damalige Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) sowie der frühere Aufsichtsrat des Verkehrsunternehmens. Heute ist Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) Aufsichtsratsvorsitzender der VGF. Er halte an seiner Ankündigung fest, die VGF solle aus dem Kohlestrom aussteigen, sagte er auf Anfrage. Wann diese Entscheidung getroffen werde, stehe noch nicht fest.

Einen Ausstieg aus der Steinkohleverbrennung nennt auch der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht der VGF als Ziel. Laut Bericht produzierte die VGF im Jahr 2018 rund 70 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2). Kohlendioxid ist ein unsichtbares und geruchloses Gas. Es ist empfänglich für Wärmestrahlung, absorbiert sie und gibt sie wieder ab. Zu viel Kohlendioxid in der Atmosphäre verhindert, dass Wärme ins Weltall entweichen kann. Das Treibhausgas ist damit Haupttreiber des Klimawandels, der Artensterben, Polkappenschmelzen, Wüstenbildung und in der Folge Migrationsbewegungen verursacht. Jeden Freitag demonstrieren Schüler und Erwachsene bei „Fridays for Future“ dafür, dass die Politik dem Klimawandel entgegenwirkt. Damit ist auch die Frankfurter Stadtpolitik gemeint.

„Sobald der Vertrag der VGF zum Kohlestrombezug ausläuft, sollte die VGF komplett auf Ökostrom umsteigen und nach Möglichkeit auf den höchsten ökologischen Standard setzen“, forderte eine Sprecherin von Klimattac Frankfurt. Idealerweise sollte der Energiekonzern Mainova die VGF-Stromversorgung mit dem Umstieg auf Erneuerbare Energien verknüpfen. Die Linke im Römer fordert ebenfalls, dass Frankfurt so schnell wie möglich aus der Kohleverbrennung im Heizkraftwerk West aussteigt. Die Koalition aus CDU, SPD und Grünen im Römer plant den Ausstieg bis 2030.

Unterdessen steht der Ausbau der U-Bahn ins Europaviertel kurz bevor. Am Freitag wurde ein 72 Tonnen schweres Schneidrad in die Baugrube an der Europa-Allee gehoben. Im Spätsommer sollen die Arbeiten beginnen. Die ersten U-Bahnen sollen im Laufe des Jahres 2024 fahren.

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