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12. Oktober 2017: Der Goetheturm brennt vollständig nieder.

Frankfurt

Verzögerung am Goetheturm: Die Edelkastanie ist schuld

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Für die Verwedung des Baustoffs braucht es erst ein Gutachten. Derweil wächst in Sachsenhausen die Sehnsucht nach dem Turm.

Der Vergleich ist gewagt, aber Zoltan Ajkay wählt ihn bewusst. Mit dem Wiederaufbau des Goetheturms sei es wie mit dem Berliner Flughafen: „Solche Projekte ziehen sich und verzögern sich leider immer.“ Nachdem es am Wochenende Meldungen gab, die Arbeiten könnten sich verzögern, fehlt ihm jedenfalls der Glaube, dass der Turm wie geplant im Mai kommenden Jahres wieder stehen wird. Und es stimmt ja: Sonderlich viel Hoffnung können ihm auch die Repräsentanten der Stadt Frankfurt derzeit nicht machen.

Vor ziemlich genau zwei Jahren, in der Nacht zum 12. Oktober 2017, brannte der Goetheturm nieder. Ein Brandstifter hatte das 43 Meter hohe Holzbauwerk im Stadtwald angezündet. Zoltan Ajkay, Besitzer des unweit der Ruine gelegenen „Mühlberglädchens“ im Wendelsweg, reagierte sofort und gründete eine Initiative für den Wiederaufbau. Fortan sammelte er Unterschriften für eine möglichst detailgetreue Rekonstruktion und verkaufte in seinem Laden Devotionalien – etwa Hüllen für Mobiltelefone mit Goetheturm-Motiv.

Polizei löst „AG Holz“ auf

Dass die wichtigsten Frankfurter Politiker noch während der Löscharbeiten versicherten, der Turm werde wieder aufgebaut, freute Ajkay. Dass die Stadtverordneten vor wenigen Wochen die Bau- und Finanzierungsvorlage beschlossen, nahm er wohlwollend zur Kenntnis. Dass nun aber wieder am Zeitplan gerüttelt wird, enttäuscht ihn. „Es ist traurig, dass mit den Arbeiten noch gar nicht begonnen wurde, wir vermissen den Turm“, sagt er: „Aber ich bin kein Politiker.“

Kommt einem bekannt vor: So soll der neue Goetheturm aussehen. 

Baudezernent Jan Schneider ist Politiker. Sein Sprecher Günter Murr schildert im Gespräch mit der FR detailliert, wieso der Zeitplan für den Wiederaufbau ins Wanken gerät. Hintergrund ist der von den Stadtverordneten beschlossene Baustoff. Der neue Goetheturm soll aus Edelkastanien-Holz errichtet werden. Eine gute Wahl, findet Murr, schließlich handele es sich dabei um langlebiges Holz, das jeder Witterung trotze. Einziges Problem: Es wurde bisher nicht allzu oft verwendet. Deshalb muss das Baudezernat dem hessischen Wirtschaftsministerium erst ein Gutachten vorlegen, dass ein Turm aus Edelkastanien-Holz auch sicher ist. Reine Formsache, glaubt Murr, schließlich haben schon andere Bauwerke aus diesem Stoff die Zulassung bekommen. Aber erst das Gutachten, dann die Prüfung durchs Ministerium, dann der Bescheid ... das könne halt dauern. Wie lange genau? Das weiß niemand, mit der Fertigstellung im Mai aber dürfte es eng werden.

Vorher steht auf jeden Fall die Wiedereröffnung des Pavillons im Chinesischen Garten an. Sie ist für Freitag, 25. Oktober, geplant. Auch dieses Bauwerk hatte ein Brandstifter im Jahr 2017 angezündet. Nach wie vor sucht die Polizei den Täter. Doch die „AG Holz“, die vor zwei Jahren im Polizeipräsidium gegründet wurde, ist aufgelöst. Man gehe immer noch Hinweisen nach, sagt Polizeisprecher Alexander Kießling. Er sagt aber auch: „Das Problem ist, dass Spuren bei Brandstiftungen oft verbrennen.“

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