Diskussion über Ethik der Mobilität

Verzichten heißt die Umwelt schonen

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Vertreter von Fridays for Future, Forscher und weitere Gäste diskutieren über Ethik der Mobilität.

Die Schüler Jesko Treiber und Felix Quartier, Mitorganisatoren von Fridays for Future in Freiburg, zeigten mustergültig, wie ethische Mobilität aussieht. Sie üben Verzicht. „In Freiburg brauche ich keinen Führerschein, deswegen habe ich keinen gemacht“, sagt Jesko Treiber. Wenn er reise, fahre er Zug.

„Wir sollten überlegen, wie wir leben wollen, und das Gesamtbild betrachten“, sagte Felix Quartier. Das heiße auch, weniger Produkte zu konsumieren, die um die halbe Welt gefahren seien. Er ernähre sich seit Jahren vegetarisch, berichtete Jesko Treiber.

Zu der Diskussion über Ethik der Mobilität am Mittwochabende hatte das House of Logistics and Mobility (Holm) eingeladen. 150 Besucher hörten, wie der Philosoph Michael Bongardt die ethischen Grundsätze definierte, mit Bezug auf Hans Jonas. Der Philosoph hatte vor 40 Jahren sein Hauptwerk „Das Prinzip Verantwortung“ vorgelegt und dabei einen neuen kategorischen Imperativ formuliert: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“

Weil der Satz so schwierig ist, sagte Bongardt ihn zweimal auf und erläuterte: Der Mensch sei verantwortlich für alles, worauf er Einfluss habe. Die Technik habe den Einfluss erheblich vergrößert. Der Mensch könne kraft der Technik das Leben auf der Erde unmöglich machen. Den schlimmstmöglichen Fall vor Augen solle ein Verzicht abgeleitet werden.

„Ich besitze kein eigenes Auto“, sagte Manager Dirk Kannacher von der GLS-Bank. Er schränkte ein, die Bank stelle ihm eine Bahncard 100 und ein elektrisches Carsharingauto bereit. „Wir müssen vielleicht bereit sein, ein Stück weit auf Luxus zu verzichten, doch dafür brauchen wir Rahmenbedingungen, die stimmen“, sagte er. Der Nahverkehr müsse auf dem Land attraktiver werden, forderte Treiber.

Moderator Jürgen Schultheis vom Holm führte aus, dass der Verkehr in Deutschland zu 94 Prozent mit fossilen Brennstoffen angetrieben werde. Diese Zahl hatte das Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt. Der Gebäudesektor verantworte 40 Prozent des CO2-Ausstoßes, die Gebäude im Bestand davon wiederum 90 Prozent, ergänzte die Bauingenieurin Lamia Messari-Becker. Um das zu ändern, müsse der Bestand saniert werden. Messari-Becker schlug günstigere als die bestehenden Kredite der KfW-Bank vor, für die sich die Bundesregierung einsetzen müsse. „Die Politik muss ehrlich fördern, sonst lohnt es sich für Gebäudebesitzer nicht.“ Das Musterbeispiel eines umweltfreundlichen Hauses stehe in Frankfurt. Das Aktiv-Stadthaus in der Speicherstraße erzeuge über Photovoltaikanlagen mehr Energie, als die Bewohner verbrauchten.

Nüchtern betrachtete der Physiker Michael Schreckenberg die Situation. Die Mobilität werde zunehmen, sagte er, gleichzeitig müssten Straßen und Brücken saniert werden. „In den nächsten 15 Jahren werden sich die Staus drastisch verschärfen.“ Abhilfe könne der Nahverkehr schaffen. Doch Planungszyklen für dessen Ausbau dauerten 10 bis 15 Jahre. „Wir werden eine Verschlimmerung der Zustände erleben.“ Seinen Vorschlag eines bundesweit kostenlosen Nahverkehrs, der zwölf Milliarden Euro für Betrieb und weitere zwölf Milliarden Euro für Infrastruktur pro Jahr kosten würde, habe die Politik abgelehnt.

Volker Angres, der die ZDF-Sendung „planet e.“ leitet, schlug vor, klimaneutrales Reisen zu fördern und die Mehrwertsteuer für „Blaue Engel“-Produkte abzuschaffen. Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr sollten steuerlich absetzbar sein.

Auch heute würden bei der Planung noch Fehler gemacht, sagte die Bauingenieurin Messari-Becker, und nannte den Stadtteil Gateway Gardens, in dem das Holm liegt. Der Stadtteil sei nur schlecht mit dem Rad oder zu Fuß erreichbar. Die S-Bahn soll allerdings ab Dezember dort halten.

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