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Verweile, Frankfurter Spätsommer, du bist so schön

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Von: Thomas Stillbauer

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Starker Beitrag: Die Auszubildenden Klara Schönmeyer und Angelika Targosz haben unter anderem die Infotafeln gemacht.
Starker Beitrag: Die Auszubildenden Klara Schönmeyer und Angelika Targosz haben unter anderem die Infotafeln gemacht. © Renate Hoyer

Der Palmengarten möchte seine „fünfte Jahreszeit“ noch behalten, aber nachhaltig – und nein, es ist nicht die Fastnacht.

So eine prachtvolle Ausstellung im Palmengarten hat viele Mütter und Väter. Da kommt es auf alle an, auf jede gärtnerische Hand, jede gestalterische Finesse, aber auch auf jeden kräftigen Kiefer. Also die Kiefer von den Löwen. Also von den Blattlauslöwen. Die helfen nämlich auch mit bei der Ausstellung, damit keine schädliche Chemie vonnöten ist. Aber der Reihe nach.

In der Galerie am Palmenhaus blüht es farbenfroh und so satt, wie es nur der Herbst kann – beziehungsweise der Sommer. Weil beide so viel Schönes hervorbringen, hat der Palmengarten seine Traditionsschauen für den Erntedank und für den Herbst einfach zusammengelegt, erklärt Jörg Plaßmann, der Leiter der Freiland- und Galerienabteilung, und das Ganze als „Spätsommer-Blumenschau“ deklariert. Auch wenn es schon Herbst ist. „Es ist unser Abschied vom Sommer“, sagt Plaßmann von der Jahreszeit mit der größten Besucherdichte. Ein wenig Wehmut ist spürbar dabei, durchaus, immerhin habe Kurt Tucholsky den Spätsommer als „fünfte Jahreszeit“ geadelt, hält Kirsten Grote-Baer von der Öffentlichkeits- und Literaturabteilung des Palmengartens fest.

Wo waren wir? Bei Chrysanthemen und Dahlien, bei Sonnenhüten und Indischen Blumenrohren. Herrlich anzusehen, wie Dominik Heukemes und sein Team das alles arrangiert haben, dazu Staketenzäune, ein geräumiges Ecksofa aus Stroh (die „Stroh-Lounge“), ein gedeckter Tisch, ein Arbeitsplatz im Freien, großformatige Fotografien von Gemüse und Gartengerät.

Und Informationstafeln. Es ist nämlich so: Diese Spätsommerausstellung im Herbst, mit Palmen und Granatäpfeln, feiert den Umwelt- und Klimaschutz. „Halt den Sommer fest – aber nachhaltig“ lautet der Untertitel der Veranstaltung. Das heißt: Es gibt nicht die früher üblichen Tische, die sich unter Obst- und Gemüsebergen biegen, um zu zeigen, was die Landwirtschaft kann, nur um die Ernte tags darauf wegzuwerfen, weil sie verdorben ist. „Das erschien uns nicht mehr zeitgemäß“, sagt Plaßmann.

Zu sehen ist daher durchaus Gemüse, aber eingepflanztes, wachsendes und ansonsten ganz viel aus der eigenen Gärtnerei. Wie viel genau? Oje, sagt Palmengarten-Gärtnereichefin Beate Vaupel, und überschlägt kurz: „1500 bis 2000 Töpfe.“

AUSSTELLUNG UND BEGLEITPROGRAMM

Die Spätsommer-Blumenschau „Halt den Sommer fest – aber nachhaltig“ ist im Frankfurter Palmengarten von diesem Donnerstag an bis zum 9. Oktober zu sehen. Sie legt ganz besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und erklärt die Grundlagen mit Informationstafeln. Besucherinnen und Besucher sollen ebenfalls zum umweltbewussten Gärtnern ermutigt werden – und sie erhalten wie stets auch Tipps zur Gartengestaltung.

Die Auszubildenden das Palmengartens haben viel zur Schau beigetragen. Auch über die Möglichkeit, selbst eine Ausbildung dort zu machen, gibt es Informationen in der Galerie.

Das Begleitprogramm während der Ausstellung ist umfangreich. So gibt es etwa ein Familienwochenende vom 1. bis zum 3. Oktober mit Musik, Führungen, Vorträgen, Pflanzenverkauf, Gastronomie und einem Laternenumzug.

Eine Podiumsdiskussion am 1. Oktober behandelt das Thema Biodiversität. Auf dem Podium: Marion Mehring vom Institut für sozial-ökologische Forschung (Isoe), die Biologin und Autorin Frauke Fischer und Palmengartendirektorin Katja Heubach. Anschließend lockt im Musikpavillon ein Science Slam mit Susanne Grube, Sophia Müllner und Christian Benninghaus. Angekündigt ist unter anderem die Antwort auf die Frage: „Wir rettet man die Welt?“ Im Palmengarten, heißt es, seien alle sehr gespannt.

Informationen: www.palmengarten.de

Schautafeln an der Wand erläutern, wie Pflanzen nachhaltig kultiviert werden, etwa mit biologischem Dünger und biologischem Pflanzenschutz. „Alles torffrei“, sagt Fadime Demir, Ausbildungsleiterin für den Pflanzenbau und die Gärtnerei, denn Torfabbau ist bekanntermaßen enorm umweltschädlich.

Und wenn wir gerade bei Schädlichem sind: Blattläuse und andere Desperados haben es auf die Früchte der ehrlichen Arbeit der Palmengärtnerinnen und -gärtner abgesehen. Aber so nicht!, sagt die Verteidigungsabteilung und lässt sich phasenweise alle zwei Wochen einen Schwung Gegenspieler schicken: Nützlinge. Zu ihnen zählen, je nach Jahreszeit, Marienkäferlarven, Raubmilben und Florfliegen, deren Larven landläufig auch, jawohl, als Blattlauslöwen bekannt sind.

Schon stellt man sie sich vor, wie sie tagelang faul in der Serengeti liegen und erst beim Auftreten eines gewissen Hungergefühls einem Rudel Blattläuse nachsetzen, aber so sind sie nicht, die Nützlinge. Sie tun ihre ehrliche Arbeit im Kampf gegen die regelmäßig auftauchenden etwa fünf Schädlingsarten, „manchmal haben wir auch Neuzugänge“, sagt Demir, die wandern dann wieder ab, wenn die Nahrung alle ist.

So darwinmäßig geht es also mitunter im Palmengarten zu. Aber auch kreativ. Das Konzept für die Ausstellung, sagt Heukemes, mache er ein Jahr im Voraus „fünf Minuten vor dem Urlaub mit dem Bleistift“, und dann sei da ganz viel Intuition zwischen seinem Team und ihm. „Das ist hier was Lebendiges, was Organisches“, sagt er. „Ich halte nichts von Planung am Reißbrett.“

Das Resultat wirkt dennoch erstaunlich geordnet, glaubhaft nachhaltig und auch gemütlich bis ins „Bäuerlich-Romantische“. Noch so ein Heukemes-Zitat. Passt.

Gärtnereichefin Beate Vaupel und Galerienchef Jörg Plassmann hinter betörenden Celosien.
Gärtnereichefin Beate Vaupel und Galerienchef Jörg Plassmann hinter betörenden Celosien. © Renate Hoyer
Ein Feuerwerk aus Spinnen-Chrysanthemen.
Ein Feuerwerk aus Spinnen-Chrysanthemen. © Renate Hoyer
Glücklich lächelnder Kürbis an spätsommerlicher Herbsttafel.
Glücklich lächelnder Kürbis an spätsommerlicher Herbsttafel. © Renate Hoyer
Viele liebe Grüße, Ihre Chrysanthemen.
Viele liebe Grüße, Ihre Chrysanthemen. © Renate Hoyer

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