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Verständigung tut not

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Wenn die Politiker von Kernstadt und Region nicht zu einem rationalen Diskurs über die Entwicklung zurückfinden, wird die Lage auf dem Wohnungsmarkt unhaltbar. Ein Kommentar.

Der heftige politische Kampf um einen neuen Stadtteil im Norden Frankfurts wird auf dem Rücken unzähliger Menschen ausgetragen, die im Rhein-Main-Gebiet eine bezahlbare Wohnung suchen. Um diesen Konflikt zu verstehen, muss man in der Geschichte der Region fünf Jahrzehnte zurückgehen.

Der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Walter Möller (SPD) hatte 1971 eine übergreifende „Regionalstadt Frankfurt “ vorgeschlagen, die auch Offenbach und Hanau eingeschlossen hätte. Ausdrücklich ging es nicht um Eingemeindung, sondern nur um eine handlungsfähige politische Einheit für die gesamte Region.

Möller scheiterte, weil schon damals gegen seinen Plan im Umland irrationale Ängste mobilisiert worden waren. Seit dieser Zeit ist es der Rhein-Main-Region höchstens in Ansätzen gelungen, sich zu einem gemeinsamen Handeln aufzuraffen. Der Umlandverband Frankfurt (UVF), der von 1975 bis 2001 existierte, war vor allem ein politisches Sammelbecken für Bestrebungen gegen die Kernstadt Frankfurt.

Heute ist Rhein-Main eine beliebte Wachstumsregion. Zehntausende von Menschen lassen sich hier jedes Jahr nieder. Es wäre die Aufgabe der Politiker von Kernstadt und Region, sich über den Bau von Wohngebieten für diese Neuankömmlinge zu verständigen. Stattdessen nimmt der politische Streit um den geplanten neuen Stadtteil im Frankfurter Norden groteske und irrationale Züge an. Die CDU in der Region, mobilisiert vom ehemaligen Landrat Jürgen Banzer, entgleitet vollends ins Rechtspopulistische und mobilisiert Sternmärsche gegen neue Wohnungen für 30 000 Menschen.

Es ist überfällig, dass die Politiker von Kernstadt und Umland zu einem rationalen Diskurs über die Entwicklung der Region zurückfinden. Denn die Zeit drängt. Wenn es jetzt nicht zu einer Verständigung über neue Wohnquartiere kommt, dann wird die Lage auf dem Wohnungsmarkt im Rhein-Main-Gebiet bald unhaltbar werden.

Der neue Stadtteil beidseits der Autobahn A5 kann noch immer ein Musterquartier werden, das auch den ökologischen Erfordernissen in Zeiten des Klimawandels Rechnung trägt. Die Ökologie aber darf nicht gegen das Soziale ausgespielt werden.

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