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Verschimmelte Kunstwerke

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Von: Florian Leclerc

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Schaukästen zeigen Schätze des Ikonenmuseums (Archivbild).
Schaukästen zeigen Schätze des Ikonenmuseums (Archivbild). © Weis

Vor zehn Jahren sind im Ikonen-Museum mindestens zwei Objekte verschimmelt, wie jetzt bekannt wurde. In welchem Zustand sind die Kunstwerke der Sammlung?

Durch das schwere Holzportal des Deutschordenshauses gelangen Besucher ins Ikonen-Museum, das zahlreiche Sakralkunstwerke der Ostkirche ausstellt, darunter viele russische Ikonen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. Den Kern der Sammlung bildet die Schenkung des Königsteiner Arztes Jörgen Schmidt-Voigt, der dem Museum 1988 mehr als 800 Ikonen überließ. Mittlerweile ist die Sammlung auf mehr als tausend Objekte gewachsen.

Auch ein Sammler aus Flörsheim lieh dem Museum vor rund 15 Jahren insgesamt 33 Ikonen dauerhaft. „Als ich sie nach zehn Jahren zurückforderte, waren sie alle verschimmelt“, sagte er jetzt der Frankfurter Rundschau.

In der Sache kam es 2012/2013 zu einem Prozess vor dem Frankfurter Landgericht. Gutachten wurde erstellt. Der Sammler und die Stadt einigten sich auf einen Vergleich. Der Sammler erhielt seine Objekte zurück und ließ sie restaurieren, „unter erheblichen finanziellem Aufwand“, wie er sagte. Er sieht „ein Verschulden durch die Nachlässigkeit und Leichtfertigkeit der Museumsleitung“.

Im Deutschordenshaus in der Brückenstraße ist auch das Kulturdezernat untergebracht, das für die Museen in der Stadt politisch verantwortlich ist. Von dort kommt die Antwort per E-Mail. Das abschließende Gutachten im Verfahren vor dem Landgericht belege, dass „im Wesentlichen zwei der 33 Objekte“ von Schimmel betroffen waren. Es konnte nicht eindeutig festgestellt werden, ob der Schimmelbefall auf die Lagerung im Museum zurückzuführen sei, oder ob die Objekte bereits vor der Leihgabe von Schimmel befallen gewesen seien. Nach dem Vergleich habe der Sammler keine weiteren Forderungen gestellt.

Der Sammler schreibt dem Museum allerdings nun weitere schwere Versäumnisse zu. „Meiner Meinung nach waren nicht nur meine Ikonen, sondern auch andere im Depot befindliche Ikonen betroffen“, sagte er, etwa jene aus dem Sammlung von Jörgen Schmidt-Voigt. Auch sei es „ein Skandal“, dass im September 2016 ein wertvolles Altarkreuz aus dem Museum gestohlen worden sei.

Damals hatte ein Privatmann aus dem nordrhein-westfälischen Düren ein 500 Gramm schweres, russisches Altarkreuz für eine Ausstellung in Erfurt verliehen. Weil das Frankfurter Ikonen-Museum die Erfurter Ausstellung mit dem Titel „Ikonen – Das Sichtbare des unsichtbaren Göttlichen“ mitgestaltet hatte, machte das Altarkreuz in Frankfurt Zwischenstation. Das Kreuz lagerte acht Tage in seiner Transportkiste im Depot, ohne das jemand die Kiste öffnete. Als sie dann geöffnet wurde, war das Objekt, das beim Einpacken nachweislich darin gewesen ist, verschwunden. Polizei und Interpol ermittelten. Die Versicherung entschädigte den Besitzer. Das Objekt hatte einen Wert von rund 18 000 Euro.

„Die Angelegenheit wurde durch die Versicherung der Leihgeberseite mit der Stadt Erfurt abgewickelt“, teilte das Kulturdezernat mit. Alle Objekte in der Sammlung des Ikonen-Museums würden „sachgemäß betreut und im Depot gelagert“. Ihr Zustand werde „laufend überprüft“. Durch Wechselausstellungen und Leihgaben seien die Kunstwerke regelmäßig öffentlich zu sehen.

„Das Sammeln und Bewahren von wertvollen Kulturgütern ist eine zentrale Aufgabe der städtischen Museen“, so das Kulturdezernat. Wer sich die Ikonen in der Ausstellung ansehen will, könne das jederzeit tun. Seit Ende März läuft die Schau „Lieblingsstücke neu entdeckt“, mit russischen, italo-kretischen, griechischen, bulgarischen und äthiopischen Ikonen. Gezeigt werden auch Ausstellungsstücke aus der Sammlung von Jörgen Schmidt-Voigt sowie Dauerleihgaben aus der „Skulpturensammlung und dem Museum für Byzantinische Kunst“ in Berlin und von privaten Leihgebern.

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