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Bei Milena lernen geflüchtete Mädchen und Frauen Deutsch.
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Bei Milena lernen geflüchtete Mädchen und Frauen Deutsch.

Bockenheim

Gut vernetzt im Flüchtlingscafé

  • Nadine Benedix
    VonNadine Benedix
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Der Verein Milena erhält heute für sein vorbildliches Engagement im Kaisersaal den Bürgerpreis der Stadt Frankfurt.

Jeden Morgen ein gemeinsames Frühstück, gezielter Deutschunterricht und Betreuung für Kinder: Der Verein Milena bietet geflüchteten Frauen in der Rödelheimer Landstraße 13 seit zwei Jahren einen privaten Schutz- und Lernraum. Für seine vorbildliche Netzwerkarbeit wird er am heutigen Mittwoch von der Stadt Frankfurt und der Stiftung der Frankfurter Sparkasse mit dem Bürgerpreis der Stadt ausgezeichnet.

„Das ist eine schöne Auszeichnung für unsere ehrenamtliche Arbeit“, findet Vorstandsvorsitzender Dieter Müller-Nöhring. „Wir wollen gerade Müttern, die häufig keine Zeit für Deutschkurse haben, die Möglichkeit geben, die Sprache zu lernen und darüber hinaus in Frankfurt anzukommen“, erklärt er. Rund 30 Frauen nutzen dieses Angebot mittlerweile regelmäßig.

Verliehen wird der Preis heute im Kaisersaal des Römers. Ein Grund für die Ehrung der Stadt sei die gute Vernetzung zwischen Ehrenamtlichen und geflüchteten Frauen, sagt Müller-Nöhring. „Wir haben viele digitale Kommunikationskanäle aufgebaut, wie zum Beispiel gemeinsame Whatsapp-Gruppen.“ Das schaffe mehr Nähe zwischen den Ehrenamtlichen und den Frauen, die unter der Woche in das Café in der Rödelheimer Landstraße 13 kommen können.

Entstanden ist Milena aus einer Initiative des Mädchenbüros Bockenheim. Das Büro bietet seit mehr als zehn Jahren Bildungs-, Freizeit- und Berufsfindungsprojekte für Mädchen ab zehn Jahren an. „Als dann 2015 viele Geflüchtete in Frankfurt ankamen, beschlossen die Mädchen aus dem Büro, auch neu angekommene Gleichaltrige einzuladen“, erzählt Müller-Nöhring. Die brachten ihre Mütter mit zu den Treffen. Daraus entstand dann das Flüchtlingscafé, das mittlerweile ein eigener Verein geworden ist.

Ausbildung zur Tagesmutter

Neben einem täglichen Treff mit Sprachkursen will das Team des Flüchtlingscafés Frauen anbieten, sie zu Tagesmüttern auszubilden. „Zunächst können die Frauen Hospitanzen absolvieren und gezielt das notwendige Vokabular lernen“, berichtet Anna Wegmann, die als Ehrenamtliche das Ausbildungsprogramm koordiniert.

Unterstützt wird das Flüchtlingscafé von der Alt-Katholischen Gemeinde in Bockenheim. Über die Diakoniebeauftragte der Gemeinde, Karin Reinhard, konnten bereits zwei Hospitanzstellen bei Tagesmüttern und im Kindergarten vermittelt werden. Die Alt-Katholische Gemeinde unterstützt Milena überdies mit Geldspenden in Höhe von 1000 Euro. „Unserer Gemeinde ist die Hilfe für Menschen außerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft wichtig“, erklärt Karin Reinhard.

Die Alt-Katholiken wollen außerdem den interreligiösen Austausch fördern. „Die Frauen von Milena haben schon häufiger unsere Gottesdienste besucht“, berichtet Karin Reinhard. „Es ist wirklich toll zu sehen, wie Christinnen und Musliminnen gemeinsam beten und feiern können.“ Karin Reinhard selbst arbeitet als Heilpraktikerin und hat sich der Traumabewältigung verschrieben. „Ich bin Tochter einer vertriebenen Sudetendeutschen und kenne das Gefühl der Entwurzelung sehr gut“, erläutert sie.

Künftig will sie ihre Erfahrungen und Kenntnisse bei Milena einsetzen. In Zusammenarbeit mit einer Psychotherapeutin will sie beim Verarbeiten von Fluchterfahrungen helfen. „Wir haben den Eindruck, dass viele Frauen mit dem Verlust ihrer Heimat und dem Ungewissen, was auf sie zukommt, zu kämpfen haben.“

Reinhard will eine Ansprechpartnerin sein. „Wir wollen sehr behutsam und langsam vorgehen, es gibt keinen Zwang“, sagt sie. „Wenn die Frauen von sich aus Interesse haben, über ihre Erfahrungen zu sprechen, stehe ich für ein Gespräch bereit“, sagt die Heilpraktikerin. Denn der Dialog stehe bei Milena an erster Stelle.

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