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Eintracht Frankfurt

Verlängerung für Richard Kreß in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Der Eintracht-Held, der heute vor 25 Jahren starb, kann seine letzte Ruhestätte behalten. Das schien lange Zeit unsicher.

Glasgow, Hampden Park. Es ist der 18. Mai 1960. Vor 128 000 Zuschauenden macht Eintracht-Torwart Egon Loy einen weiten Abschlag. Im Mittelfeld holt sich Richard Kreß mit beherztem Einsatz den Ball, gibt ab zu Dieter Lindner, der schickt Erwin Stein auf der rechten Seite steil, und dessen Flanke schießt der flink weitergelaufene Kreß aus kurzer Distanz ins Tor. Eintracht Frankfurt führt im Europapokalfinale der Landesmeister 1:0 gegen Real Madrid. Die Partie wird einige Zeit später zum Spiel des Jahrhunderts gewählt werden.

Und Richard Kreß, der Torschütze und Nationalspieler? Weltstar, Werbeverträge, Experte im Studio bei Fußballübertragungen? Kein Gedanke, das gab es damals alles noch gar nicht, geschweige denn Millionengehälter für die Kicker. Kreß und Gattin Inge lebten nach der Karriere von ihrer Drogerie im Oeder Weg. Und jetzt sah es fast so aus, als würde sein Grab auf dem Hauptfriedhof sang- und klanglos abgeräumt. Aber nur fast.

Dieser Dienstag ist der 25. Todestag des Frankfurter Fußballhelden. Kurz zuvor meldete sich der Eintrachtfan Guido Bee bei der FR und berichtete: Seit einem halben Jahr trägt der Grabstein den Aufkleber „Ablauf des Nutzungsrechtes. Bitte melden Sie sich bei der Friedhofsverwaltung“. Ein Warnsignal – wird keine Verlängerung beantragt, verschwindet das Grab und macht Platz für andere Verstorbene.

Ein Anruf im Umweltdezernat ergab: Witwe Inge Kreß wurde nach ihrem Tod an anderer Stelle bestattet, und sie hatte ihrer Nichte mit auf den Weg gegeben, das Nutzungsrecht des Grabes von Richard Kreß nicht zu verlängern – wohl aus dem Wunsch heraus, niemanden mit der Pflege der Ruhestätte zu belasten. Aber da hatte sie nicht mit dem großen Herz der Eintracht und ihrer Fans gerechnet. „Das Grab wird nicht abgeräumt, es bleibt, wo es ist“, sagt Matthias Thoma, der Leiter des Eintracht-Museums.

Thoma ist schon seit Herbst mit dem Fall beschäftigt, wie er sagt. Gespräche mit der Friedhofsverwaltung seien längst geführt, nur noch nicht zum Abschluss gebracht worden. Jetzt aber stehe fest: „Das Museum übernimmt die Kosten für die Verlängerung, die Eintracht wird Patin.“ Damit wäre dann auch für die Grabpflege gesorgt.

Der Ort ist nicht ganz unwichtig. Das Grab ist Bestandteil von Friedhofsführungen zu den letzten Ruhestätten bekannter Frankfurter Persönlichkeiten, so wie auch die Kreß’sche Drogerie im Nordend oft eine Station auf den beliebten Rundgängen des Museums zu berühmten Eintracht-Orten war.

Und wer weiß, vielleicht ist das Ganze ja ein gutes Omen: 61 Jahre nach der bislang einzigen Teilnahme am höchsten europäischen Fußballturnier könnte die Eintracht in diesem Jahr die Sensation schaffen und in die Champions League einziehen. Es wäre an der Zeit für eine Revanche – das Spiel gegen Real Madrid endete damals 3:7, trotz des herrlichen Tores von Richard Kreß.

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