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Mobilität

Verkehrswende in Frankfurt angehen

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Fachleute fordern Verantwortliche zum Handeln auf.

Drei Tage vor der großen Radfahrdemo für die Mobilitätswende haben Fachleute versucht, Lösungsansätze für die Politik zu finden. Am Anfang der Online-Diskussion stand eine hypothetische Frage: Was würden Sie machen, wenn Sie Bundesverkehrsminister, hessischer Verkehrsminister oder Verkehrsdezernent der Stadt Frankfurt wären? Die Antworten waren nicht sehr aufschlussreich, lieferten aber immerhin die Erkenntnis, dass alle drei auf dem Podium am liebsten Verkehrsdezernent wären, weil es dort den meisten Gestaltungsspielraum gäbe.

André Bruns, Professor für Mobilitätsmanagement und Verkehrsplanung an der Hochschule Rhein-Main, forderte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf, Hessen Mobil dergestalt umzubauen, dass Kommunen besser unterstützt und regionale Verkehrsplanung schlagkräftiger gemacht wird.

Jutta Deffner, die sich am Institut für sozial-ökologische Forschung mit Mobilität und urbanen Räumen beschäftigt, brachte die Motivation der Menschen selbst ins Spiel. Die Haltung einiger Interessengruppen müsse sich ändern weg von „da wird mir was weggenommen“ hin zu, „was bringt die Umgestaltung positives für mich?“

Martin Lanzendorf, Professor für Mobilitätsforschung an der Goethe-Universität, brachte dafür einen radikalen Denkanstoß. Um Menschen zum Umstieg vom Auto auf das Fahrrad zu bewegen, müssten schnelle und direkte Radwege her, gleichzeitig die Autofraktion aber ausgebremst werden. Wer etwa mit dem Auto von Bockenheim nach Bornheim wolle, schaffe das über den Alleenring viel zu schnell und müsse vielleicht ein wenig umgeleitet werden, vielleicht über die Autobahn. Da sollten sich die Verkehrsplaner;innen mal Gedanken machen.

Dann kam die Frage auf, wer mit einem Umdenken überhaupt zu erreichen sei. Lanzendorf verwies auf eine Umfrage der Goethe-Universität in Bornheim. Ein gutes Drittel der Befragten habe gar kein Auto, ein weiteres Drittel habe ein Auto und sei kaum davon wegzubringen, ein Drittel jedoch habe zwar ein Auto, sei aber für Umgestaltungen sehr offen, etwa, Parkplätze zugunsten von Radwegen wegzunehmen.

Die Umfrage zeigt, dass zwei Drittel, also die große Mehrheit, für eine Verkehrswende ist, die Gruppe der Autofahrenden aber immer sehr laut vernehmbar bleibt.

Die Podiumsdiskussion wurde von der Initiative „Scientists for Future“ organisiert und bot auch die Möglichkeit der Interaktion in einem Chat-Forum. Dort ging es manch einem nicht weit genug. Es werde zu sehr der Status quo entschuldigt: „Die Hütte brennt, da muss man viel mutiger Änderungen wollen.“

Bei der Frage, ob Verkehrsplanende einfach mal machen oder erst das ganz große verkehrsplanerische Konzept entwickeln sollten, war die einhellige Antwort der drei Fachleute: Machen! Fehler seien verzeihbar, fand Lanzendorf, viel schlimmer sei es, wertvolle Zeit zu vertrödeln.

Bruns von der Hochschule Rhein-Main forderte die Verantwortlichen auf, ein Bild zu entwerfen, wo sie hinwollen und dies dann anzugehen. Verkehrsplanung sei keine technische Sache, mahnte er, sondern müsse auch individuell gedacht werden und den Leuten Angebote machen, die zu gestresst sind, um selbst umzudenken.

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