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Ein Blick in das Studio der Lichtkünstlerin Diana Ninov.

Atelier Frankfurt

Verkauf des Atelierhauses alarmiert Künstler

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Neuer Besitzer ist eine luxemburgische Firma. Die Stadt versichert aber, die Existenz der 140 Arbeitsräume sei für zehn Jahre gewährleistet.

Vor einem Jahr ließen sich Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) dafür feiern, dass sie das Atelier Frankfurt, das größte deutsche Künstlerhaus, gerettet hatten. Jetzt stellt sich heraus: Der damals groß verkündete Kaufvertrag mit dem kulturell affinen Konzern Forte Capital Deutschland ist in Wahrheit nie geschlossen worden. Er hatte die 140 Ateliers auf zehn Jahre sichern sollen.

Der Besitzer des weitläufigen Gebäudekomplexes Schwedlerstraße 1-5 im Frankfurter Ostend, der Immobilienkaufmann Michael Loulakis, hat das Atelierhaus erst jetzt weiterveräußert. Dieser Wechsel wurde den 200 betroffenen Künstlerinnen und Künstlern nun mitgeteilt.

Bei ihnen herrscht große Sorge, dass es sich bei dem neuen Eigentümer um eine „für den Zweck des Kaufs gegründete Briefkastenfirma für Immobilienanlagen“ handele. So heißt es in einem Schreiben an die Frankfurter Rundschau.

Die Stadt zahlt an den Verein Atelier Frankfurt einen jährlichen Zuschuss von 357 000 Euro. Jungen Kreativen sollen dort erschwingliche Räume angeboten werden.

Das frühere Aktenlager umfasst sechs Stockwerke und einen riesigen Keller. Die Galerie AF zeigt derzeit die  Ausstellung „Malen aus Rache“ von Oliver Tüchsen.

Corinna Bimboese, die Direktorin des Atelierhauses, versichert dagegen im Gespräch mit der FR: „Das ist keine Briefkastenfirma, das haben wir geprüft.“ Auch Kulturdezernentin Hartwig betont: „Die Situation für die Künstlerinnen und Künstler ist stabil.“

Als Käufer des Gebäudes nennt Bimboese die Firma Schwedler Sarl. Sie werde die Existenz der Ateliers auf zehn Jahre sichern – das gleiche Versprechen, das schon 2018 gegeben worden war. Es handele sich um eine luxemburgische Firma mit belgischem Eigentümer. Die Stadt mietet das Gebäude weiter vom Eigentümer, das Atelierhaus bleibt Untermieter der Kommune.

In der Firmenauskunft ist zu dem Unternehmen zu erfahren, dass es beim Amtsgericht Luxemburg eingetragen ist. Weiter heißt es in der Kurzbeschreibung: „Das Unternehmen wird derzeit von einem Manager (1xGeschäftsführer) geführt.“ Der Eigentumswechsel breche den zehnjährigen Mietvertrag der Stadt mit dem Atelierhaus nicht, sagt Hartwigs Sprecherin Jana Kremin. 2018 habe Eigentümer Loulakis doch nicht verkaufen wollen – eine Entwicklung, auf die die Stadt keinen Einfluss gehabt habe.

Multimillionär Michael Loulakis, der das Gebäude veräußert hat, ist auf Anfrage der FR nicht zu sprechen. Direktorin Bimboese bestätigt der FR, dass der von Kulturdezernentin Hartwig und Liegenschaftsdezernent Schneider am 21. Mai 2018 verkündete Vertrag mit Forte Capital Deutschland „nicht zustandegekommen“ sei. Zu den Gründen für das Scheitern kann die Kulturmanagerin nichts sagen.

Für die Künstlerinnen und Künstler soll der Eigentümerwechsel Mietsteigerungen von durchschnittlich sechs Prozent mit sich bringen. Ein kleines Atelier von 18 Quadratmetern Größe soll ab 200 Euro im Monat zu bekommen sein. Ein großes Atelier mit bis zu 100 Quadratmetern ist nach Bimboeses Worten für zehn bis 15 Euro pro Quadratmeter zu haben.

Obwohl diese Mieten sicher nicht für alle Künstlerinnen und Künstler erschwinglich sind, versichert Bimboese: „Wir sind sehr ausgelastet.“ Die Direktorin verweist auf die Leistungen des Atelierhauses wie etwa eine Kantine. Zum Programm gehören auch Ausstellungen, Lesungen, Musik und Tanz.

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