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Jugendliche Alkoholkonsumenten auf dem Adlhochplatz in Sachsenhausen.

Alkohol

Verkauf von Alkohol: Verstöße gegen Jugendschutz in Frankfurt

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Noch immer verkaufen Supermärkte, Kioske und Tankstellen in Frankfurt Alkohol an Jugendliche. In 30 Prozent der Fälle wird den minderjährigen Testkäufern Alkohol verkauft.

Auch sechs Jahre nach Beginn der Alkoholtestkäufe durch Jugendliche gibt es noch immer zahlreiche Verstöße. Fast in jedem dritten kontrollierten Betrieb konnten Jugendliche für sie verbotene alkoholische Getränke kaufen. Nach den Testkäufen 2019 resümiert das Ordnungsamt: „positiver Trend, aber weiter Handlungsbedarf.“

Im vergangenen Jahr testeten die Jugendlichen, die im Hintergrund von Mitarbeitern des Ordnungsamts begleitet werden, bei acht Aktionen 150 Supermärkte, Kioske, Tankstellen oder Cafés. 86 der Testkäufe waren Erstkontrollen, 64 Nachkontrollen in Betrieben, in denen zuvor Verstöße registriert worden waren. In 30 Prozent der Fälle erhielten die Jugendlichen ab 14 Jahren widerrechtlich Alkohol. Die gute Nachricht: 2014 waren es mit 47 Prozent deutlich mehr. Die schlechte Nachricht: Der Wert stagniert schon seit 2016 um die 30-Prozent-Marke, auch in Betrieben, die bereits zuvor kontrolliert wurden.

Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sieht daher auch weiterhin Handlungsbedarf: „Eine Beanstandungsquote von 30 Prozent bei Betrieben, die nachweislich bereits in der Vergangenheit widerrechtlich Alkohol an Jugendliche abgaben, ist eindeutig zu hoch.“

Kontrolliert wurden vor allem Supermärkte (71) und Kioske (48). Bei Supermärkten, die betriebliche Qualitätsstandards haben, lag der Anteil der Verstöße mit 34 Prozent sogar höher als bei Kiosken oder Tankstellen. Ein Sprecher des Ordnungsamts: „Das ist erstaunlich und erschließt sich uns nicht wirklich.“ Die Kontrolleure vermuten, dass den Angestellten an der Kasse bei hohem Durchlauf häufiger ein Jugendlicher durchrutscht. So gab es in den vergangenen Jahren Fälle, in denen sich Angestellte an der Kasse von den Testkäufern den Ausweis zeigen ließen und den Alkohol dann doch verkauften.

Dabei müssten die Kassiererinnen und Kassierer ein gesteigertes Interesse daran haben, Verstöße zu verhindern. Denn die Geldbußen müssen sie selbst zahlen und die sind äußerst happig: 480 Euro plus 28,50 Euro Gebühren werden beim ersten Verstoß fällig.

Im sechsten Jahr der Kontrollen hat das Ordnungsamt aber Betriebe ins Visier genommen, die so häufig auffällig geworden waren, dass die Kontrolleure von Versäumnissen bei der Betriebsleitung in der Schulung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgehen. „Wir prüfen, ob wir Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Betriebsleitungen anstrengen“, so der Sprecher des Ordnungsamts.

Bei dem Programm „Testkäufe Alkohol“ werden Jugendliche eingesetzt, die in Lebensmittelmärkten, Kiosken, Tankstellen und sonstigen Verkaufsstellen Alkohol erwerben sollen. Begleitet werden sie dabei von Stadtpolizisten, geschult zuvor durch den Präventionsrat der Stadt.

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