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Verkäufer demonstrieren für höhere Gehälter

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Von: Jonas Wagner

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Auch Ikea-Mitarbeiter beteiligen sich an dem Warnstreik (Symbolfoto).
Auch Ikea-Mitarbeiter beteiligen sich an dem Warnstreik (Symbolfoto). © Russell Boyce (Reuters)

Mitarbeiter von Karstadt, Zara, Primark und Ikea sind bei einem Warnsteik an der Hauptwache in Frankfurt dabei. Sie demonstrieren für höhere Gehälter.

Es ist eine neongelbe Masse, die sich am Freitagmittag durch die Frankfurter Innenstadt bewegt. Mit Warnwesten bekleidete Demonstranten schwenken Fahnen und halten Plakate hoch. Durch Trommeln, Tröten und Trillerpfeifen sind sie ohrenbetäubend laut.

Etwa 400 bis 500 Beschäftigte des Einzelhandels aus dem Rhein-Main-Gebiet sowie aus Süd- und Osthessen sind mit Bussen nach Frankfurt gekommen, um lautstark auf sich und ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Unter ihnen sind Angestellte der Unternehmen Amazon, H&M, Ikea, Karstadt, Kaufland, LS Travel, Metro, Primark, Real, Toys R Us und Zara.

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, heute streiken und demonstrieren die Beschäftigten im Einzelhandel in Hessen“, sagt einer der Demonstranten wiederholt ins Mikrofon. Er läuft im hinteren Teil der Demonstration mit. Weiter vorne trommeln einige Menschen, die Stimmung ist gut, die Lautstärke enorm. Viele Passanten, die zur Mittagszeit in der Stadt unterwegs sind, bleiben stehen und schauen. Verkäufer kommen aus ihren Läden, Cafébesucher drehen neugierig den Kopf ob des Spektakels, das sich ihnen bietet. Smartphones werden gezückt, um den Protest festzuhalten. Die Aufmerksamkeit ist den Streikenden, die von vier Mannschaftswagen der Polizei sowie mehreren Motorrädern mit Blaulicht durch die Stadt eskortiert werden, gewiss.

Zu den Streiks und der Demonstration hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Mit der Parole „Was wollen wir? Einen Euro mehr“ greifen die Demonstranten eine wesentliche Forderung der Gewerkschaft auf: Alle Beschäftigten im Einzelhandel sollen pro Stunde einen Euro mehr Gehalt bekommen. Durch diese Festsetzung will Verdi erreichen, dass vor allem die geringer entlohnten Tätigkeiten besser vergütet werden, was durch eine prozentuale Erhöhung nicht erreicht werden kann. „Denn zwei Prozent von 2500 Euro sind eben weniger als zwei Prozent von 5000 Euro“, erklärt Bernhard Schiederig, Landesbezirksfachbereichsleiter in Hessen, den Zusammenhang auf der Abschlusskundgebung. Man wolle verhindern, dass die Schere zwischen den Gehältern noch weiter auseinander gehe.

Der Schriftzug „Einer für alle, alle für einen - Tarifverträge, die für alle gelten“ weist auf die zweite zentrale Forderung der Streikenden hin: die Allgemeinverbindlichkeit der Branchentarifverträge. Dass den „vielfältigen Formen von prekärer Beschäftigung“ in seinem Unternehmen etwas entgegengesetzt werden müsse, findet auch Matias, Mitarbeiter in einer Ikea-Niederlassung und als Betriebsrat tätig. Er selbst werde zwar nach Tarif entlohnt, erzählt er, aber dennoch gebe es in seiner Firma viele befristete Stellen, Teilzeit- und Aufstockerjobs sowie Leiharbeiter.

Die Erhöhung des Azubi-Lohns ist eine weitere Forderung der Demonstranten. Er soll auf 1000 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr angehoben werden, für jedes weitere Ausbildungsjahr sollen die Arbeitgeber je 100 Euro mehr bezahlen.

An der Hauptwache endet die Demonstration, die um 11.30 am Gewerkschaftshaus gestartet ist und sich über Münchener Straße, Willy-Brandt-Platz und Goetheplatz ihren Weg ins Zentrum gebahnt hat, mit einer Abschlusskundgebung.

Mit den Streiks und der Demonstration wolle man Druck auf die Arbeitgeber ausüben, bevor die Verhandlungen am Dienstag in die zweite Runde gingen, ruft Schiederig den Zuhörern an der Hauptwache zu. Vor der bunt gemischten Menge, in der Menschen jeden Alters vertreten sind, formuliert er noch einmal die Forderungen der Gewerkschaft. Der Vollzeit-Tariflohn, der bei etwa 2500 Euro liegt, sei zwar in Ordnung, jedoch bekomme diesen fast niemand tatsächlich. Durch Teilzeitstellen, die fast 70 Prozent des Sektors ausmachten, und mangelnde Tarifbindung stehe sehr vielen Beschäftigten deutlich weniger Geld zur Verfügung. „Das reicht vielen Familien nicht aus, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“

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