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Eine Tafel erinnert an der Fassade der früheren Adlerwerke im Gallus an die KZ-Außenstelle Katzbach.

Gallus

Verhandlungen über KZ-Gedenkstätte im Gallus kommen voran

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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In dem KZ-Außenlager Katzbach in den Adlerwerken waren 1600 Menschen interniert, von denen nur wenige überlebten. Nach 75 Jahren soll nun ein Erinnerungsort im Gallus entstehen.

Vor mehr als 30 Jahren hat Horst Koch-Panzner mit seinem Kampf begonnen. Es geht um die Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel der Stadt Frankfurt. 1944 war in den Adlerwerken im Gallus das KZ-Außenlager Katzbach eingerichtet worden. 1600 Häftlinge und Zwangsarbeiter waren dort bis März 1945 zusammengepfercht, nur wenige überlebten. Der ehemalige Gewerkschaftssekretär Koch-Panzner gründete Ende der 1980er Jahre einen Verein, der sich für eine Gedenkstätte auf dem Gelände an der Kleyerstraße einsetzt. Jetzt gibt es zum ersten Mal Bewegung: Die Stadt und die Immobilienfirma, der die ehemalige Industriefläche heute gehört, verhandeln über einen Gedenkort.

„Ich kann bestätigen, dass wir in Gesprächen sind, und wir sind auf einem guten Weg“, sagt Jana Kremin, die Sprecherin von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Auch Koch-Panzner will sich nicht weiter äußern, um die Ergebnisse nicht zu gefährden. „Erinnerungsarbeit ist sehr schwierig“, sagt er lediglich. Während die Stadt die Einrichtung der Gedenkstätte vorantreibt, kümmert sich das Fritz-Bauer-Institut um die wissenschaftliche Aufarbeitung. Im Auftrag der Institution zur Erforschung des Holocaust hat die Historikerin Andrea Rudorf aus Berlin eine umfangreiche Studie zum KZ-Außenlager Katzbach recherchiert. „Das Manuskript ist abgeschlossen, das Buch soll Anfang 2021 vorliegen“, sagt Tobias Freimüller, der stellvertretende Direktor des Fritz-Bauer-Instituts.

So wird jetzt endlich der Schleier der Verdrängung von Katzbach weggezogen. Im Erdgeschoss des heutigen Bürokomplexes auf dem Gelände der früheren Adlerwerke stehen 160 Quadratmeter Fläche leer, hier soll die Gedenk- und Bildungsstätte eingerichtet werden. Erinnerungsstücke wie etwa Häftlingskleidung können dort gezeigt werden. Rudorf fand heraus, dass entgegen aller öffentlich geäußerten Einschätzungen noch drei Männer leben, die in dem Lager inhaftiert waren.

Im Februar 2020 war Andrzej Korczak-Branecki mit 90 Jahren in Warschau gestorben. Der Pole war fälschlicherweise als letzter Überlebender angesehen worden.

Er hatte sich jahrzehntelang für die Verständigung von Polen und Deutschen eingesetzt, hatte immer wieder Frankfurt besucht, dort im Historischen Museum, in Schulen gesprochen. Heute schätzt man, dass etwa 100 Männer das Lager überlebt hatten.

Am 13. März 1945 waren etwa 500 sterbende, kranke und marschunfähige Häftlinge in Güterwaggons gezwungen worden, die vom Gallus aus zum KZ Bergen-Belsen fuhren. Von dort begann am 24. März ein Todesmarsch in die Konzentrationslager Buchenwald und Dachau. Rudorf konnte rekonstruieren, aus welchen Staaten die Häftlinge nach Frankfurt gebracht worden waren. Sie sprach mit Überlebenden, einen fand sie in Australien.

Für die Räume muss Miete entrichtet werden. Eine Aufgabe, die der Verein von Horst Koch-Panzner allein nicht übernehmen kann. Die Grünen im Römer drängen auf ein Engagement der Kommune. „Die Stadt steht in der Pflicht, sich zu beteiligen“, urteilt Fraktionsvorsitzender Sebastian Popp. Sie wollen das Thema in der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen einbringen.

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