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Probleme

Vereinsarbeit versus Kletterboom

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Der Sektion Frankfurt fehlt es an Mitgliedern, die sich fernab ihres Hobbys engagieren. Eine hohe Fluktuation gibt es bei den Studierenden.

So ein bisschen ist die Kletterhalle für den Alpenverein Fluch und Segen zugleich. Mit dem Bau der Halle 2013 hat sich die Mitgliederzahl der Sektion Frankfurt schlagartig erhöht. Von rund 6000 im Jahr 2012 auf derzeit über 10 000 Mitglieder. Das Durchschnittsalter ging auch deutlich nach unten, denn in der Halle tummeln sich viele Kinder, Schüler, Studierende und sichern so die Zukunft der Sektion. Sollte man meinen.

Doch viele der neuen Mitglieder sind an der Sektion nicht wirklich interessiert, wie auch der Sektionsvorsitzende Daniel Sterner einräumt: „Wir müssen versuchen, mehr Leute aus der Kletterhalle in die aktive Vereinsarbeit rüberzuziehen.“ Denn für Aufgaben fernab des eigenen Hobbys wie etwa den Festausschuss oder die Reinigung der Außenanlage, fänden sich kaum mehr Freiwillige.

Besonders viel Arbeit macht die Organisation der vier Hütten, die der Sektion gehören. Während drei der Hütten an professionelle Hüttenwirte verpachtet sind, organisiert die Sektion Frankfurt den Betrieb der Rauhekopfhütte komplett selbst. Sektionsmitglied Stefan Ernst ist seit über 10 Jahren der Hüttenwart für die älteste Hütte des Deutschen Alpenvereins auf österreichischem Boden. Ernst organisiert den Proviant für die Saison, der mit einem Helikopter nach oben geschafft wird und er teilt die Sektionsmitglieder ein, die sich 14-tägig mit der Bewirtschaftung der Hütte abwechseln. Die Freiwilligen dafür zu finden, ist zum Glück noch kein Problem, sagt Sterner: „Die Rauhekopfhütte hat eine eigene Szene, da ist die Nachfrage eher zu groß. Vielleicht bekommen wir die Probleme in 10 bis 15 Jahren mal.“ Denn während die Kletterabteilung der Sektion sehr jung ist, wird die Wandergruppe „jedes Jahr ein Jahr älter“, wie Sterner einräumt. Die Herausforderung ist, den Nachwuchs aktiver in die Vereinsarbeit zu integrieren. Sterner spricht von vielen „Neumitgliedern, die mit dem klassischen Verein nicht mehr viel zu tun haben“.

Und zur Wahrheit gehört leider auch, dass die Fluktuation recht hoch ist. Viele Studierende, die der Sektion zum Klettern beitreten, zieht es nach dem Studium in andere Städte. „Früher hatten wir 100 Austritte im Jahr, derzeit sind es 600 bis 700“, so Sterner. Das bedeutet auch einen höheren Verwaltungsaufwand und somit zusätzliche Kosten.

Wegen der Kosten für die sehr ambitionierten Sportkletterer gab es zuletzt ohnehin Unmut. Die Cracks bekamen nach Ansicht einiger Mitglieder ein bisschen viel Geld aus der Vereinskasse für die Förderung. Bei der Mitgliederversammlung im März wurde ein Antrag gestellt, die Förderung zu kürzen. Sterner winkt ab. „Der Antrag ist mit 85 Prozent der Stimmen abgelehnt worden.“

Dem Sektionsvorsitzenden ist so eine Denkweise auch nicht visionär genug. Sterner erinnert an seinen legendären Vorgänger Reinhard Sander. Der habe ihn seinerzeit daran erinnert, dass es gelte, den nachkommenden Generationen schöne Erinnerungen zu verschaffen, so wie sie heute schöne Erinnerungen an das Haus des Alpenvereins im Taunus hätten. Das Kletterzentrum sei daher für die schönen Erinnerungen der zukünftigen Generationen verantwortlich und ist für diese sicherlich ein Segen.

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