_MG_7817_230920
+
Irina Lagutova (li.) und Andrea Ulrich sind neue Geschäftsführerinnen bei Berami.

Unterstützung

Im Tandem für Integration

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
    schließen

Der Verein Bermami, der vorwiegend Frauen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Integration unterstützt, wird 30 und bekommt neue Chefinnen.

Irina Lagutova ist das beste Beispiel dafür, dass die Programme von Berami zum Erfolg führen können. Die 46-Jährige ist eine der neuen Geschäftsführerinnen des Vereins, der vorwiegend Frauen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Integration unterstützt. Lagutova kam selbst als junge Erwachsene aus der Ukraine nach Deutschland, ohne Job und die Sprache zu beherrschen. Glücklicherweise habe sie dann von Berami erfahren und machte dort eine Umschulung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel, berichtet sie am Dienstag anlässlich des 30-jährigen Bestehens. Auf ihre Ausbildung setzte Lagutova noch ein Studium der Wirtschaftspädagogik und kehrte 2008 zu Berami zurück, arbeitete erst als Dozentin und später als Projektleiterin.

Seit 1. September teilt sie sich den Chefposten im Tandem mit Andrea Ulrich. Die 33-Jährige begann 2012 als Praktikantin bei Berami und leitete seit 2015 die Anerkennung- und Qualifizierungsberatung. Die Mütter von insgesamt vier Kindern haben ein Team hinter sich, das in „holakritischen Strukturen“ arbeitet. Das bedeute, es habe eine große Eigenverantwortlichkeit und komme ohne weitere Managementebene aus, erklärt Ulrich.

Die beiden lösen Rosina Walter, geschäftsführende Vorständin und Sigrid Becker-Feils, stellvertretende Geschäftsführerin, ab, die Ende des Jahres in den Ruhestand gehen. Walter gründete den Verein vor 30 Jahren mit. „Unser Ziel war es damals, Migrantinnen nachhaltig bei ihrer beruflichen Perspektive zu unterstützen,“ damit diese eine finanzielle Unabhängigkeit und gesellschaftliche Teilhabe erreichen. Denn gerade Frauen blieben oft trotz Qualifikation zurück, arbeiteten als Putzfrau oder Lagerarbeiterin.

Viele Krisen gab es zu bewältigen

Viele Krisen gab es zu bewältigen, aber die Mitarbeiterinnen ließen sich nicht entmutigen. Auch dann nicht, als der Verein 2004 Insolvenz anmelden musste. Es bleibe eine große Herausforderung, sicherzustellen, dass die Förderung der Projekte bestehen bleibt und auch die Stellen nicht befristet sind. Politische Themen wie Chancengleichheit und Frauenförderung, sie leiten den Verein bis heute.

Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie seien die Positionen aktueller denn je finden die Leiterinnen: Der Roll-Back von Frauen in alte Muster vollziehe sich unter der Belastung von Homeoffice, Homeschooling, Kinderbetreuung und Hausarbeit, sagt Walter. Gerade jetzt benötigten Frauen vielfältige Unterstützung. Berami bot schon vor dem „Shot Down“ digitales Lernen an, die Teilnehmer können sich etwa von Daheim in den Unterricht dazuschalten. Und der Verein plant solche Angebote auszubauen.

Heute arbeiten für den Verein 46 Frauen und zwei Männer, mehr als die Hälfte hat einen Migrationshintergrund. Rund 30 Angebote werden aktuell realisiert. Im vergangenen Jahr wandten sich rund 3700 Ratsuchende an Berami, 1040 nahmen an einer Qualifizierung teil, mittlerweile auch punktuell Männer mit Migrationserfahrung.

Informationen auf berami.de oder unter Telefon 913 010 0.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare