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So soll es sein, keine Autos, aber dafür Fußgänger. Mal gucken, ob das noch mehr werden.

Verkehr

Verbotszone für Autofahrer am nördlichen Mainufer in Frankfurt

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Die Stadt Frankfurt sperrt ab Dienstag für ein Jahr einen Teil des nördlichen Mainufers.

Rund 20 000 Autofahrer müssen sich ab Dienstag eine neue Route durch die Frankfurter Innenstadt überlegen. Der Mainkai als wichtige West-Ost-Verkehrsachse am nördlichen Mainufer wird für den Autoverkehr zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke probeweise für ein Jahr gesperrt. Die Poller, die gleichzeitig auch als Absicherung der Aufbauarbeiten für das Mainfest dienen, werden am Dienstagmorgen gegen 9 Uhr aufgebaut. „Wir wollen den morgendlichen Berufsverkehr noch abwarten“, sagte Gert Stahnke, der Leiter des Straßenverkehrsamts.

Die Sperrung des Mainkais während des Mainfests (2. bis 5. August) ist für Autofahrer nicht neu. Die Sperrung liegt aber immer in den Sommerferien. Wie schwer die Sperrung der nördlichen Uferstraße wiegt, wird sich wohl erst ab dem 12. August zeigen, wenn die hessischen Schulferien zu Ende sind. In den Morgenstunden könnte es dann für Autofahrer, die von der Hanauer Landstraße Richtung Westen unterwegs sind, stressig werden, spätestens ab der Schönen Aussicht. Denn dort ist künftig nur noch das Rechtsabbiegen in die Kurt-Schumacher Straße möglich.

Die FDP im Römer hatte daher beantragt, dort zukünftig auch das Linksabbiegen auf die Alte Brücke zu ermöglichen. Das Straßenverkehrsamt prüfte und lehnte ab. „Wir haben an der Ignaz-Bubis-Brücke eine tolle zweispurige Möglichkeit zum Linksabbiegen“, sagt Amtsleiter Stahnke. Wer in der Kurt-Schumacher-Straße strandet und eigentlich nach Westen will, wird fluchen. Denn an der dann folgenden Berliner Straße ist kein Linksabbiegen möglich. Auch dies hatte die FDP angeregt. „Dieser Verkehrsknotenpunkt verträgt keine zusätzliche Verkehrsbeziehung“, betont Stahnke. Die große Kreuzung teilen sich schon jetzt Autos, Straßenbahn, Busse in einer Mittelspur und Fußgänger. Möglich sein wird aber künftig das Linksabbiegen vom Untermainkai kommend in Richtung Neue Mainzer Straße und von der Untermainbrücke in Richtung Schaumainkai.

Das Straßenverkehrsamt will in den kommenden Monaten genau beobachten, wie sich der Autoverkehr verlagert. Stahnke rechnet mit mehr Verkehr auf dem City-Ring, der Berliner Straße, der Gartenstraße und der Mörfelder Landstraße. Anwohner der schon jetzt stark befahrenen vierspurigen Berliner Straße dürfen sich als Verlierer fühlen. Ende 2017 hatten Ladenbesitzer dort eine Interessengemeinschaft gegründet, um den Verkehr einzudämmen – ohne Erfolg. „Wir haben ein bisschen resigniert“, gesteht Tom Weisbecker von der Goldschmiedewerkstatt „Blattgold“.

Gewinner der Sperrung dürften Anwohner und Gastronomie am Mainkai selbst werden. Wobei noch nicht alle der Sache trauen, so wie Costache Florin, Geschäftsführer des Frankfurter Wirtshauses in bester Lage am Maintor. Seine Terrasse will das Restaurant nicht erweitern. „Das würden wir nur machen, wenn es dauerhaft bei der Sperrung bleibt, aber da glaube ich nicht dran“, so Florin. Zu stark befahren sei der dreispurige Mainkai, als dass sich der Verkehr dort dauerhaft verdrängen ließe. Für die Touristen und Radfahrer hingegen freut sich der Gastronom: „Ich sehe hier täglich zwei Fahrradunfälle, minimum.“ Denn bislang müssen sich die Radler östlich des Eisernen Stegs auf Kopfsteinpflaster zwischen Fußgängern und Straßenbahnschienen ihren Weg bahnen.

Wie genau der Platz zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke bespielt werden soll, ist noch nicht entschieden. Stahnke vom Straßenverkehrsamt verweist auf die Zuständigkeit mehrerer Ämter. Für Restaurants und Cafés besteht die Möglichkeit, weiteres Außenmobiliar zu stellen. Anders als das Frankfurter Wirtshaus will das gegenüberliegende Café Maintor dieses Angebot nutzen. Thomas Feda, Chef der Tourismus- und Kongress GmbH, gibt zu bedenken, dass die Fläche ja während diverser Feste und Veranstaltungen wie etwa dem Ironman, auch wieder gebraucht werde. Bei einer dauerhaften Sperrung des Mainufers könnte sich Feda vorstellen, das Mainfest zeitlich und den Weihnachtsmarkt räumlich auszudehnen. Aber zunächst müssen sich die Autofahrer erstmal ohne den Mainkai bewähren.

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