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Der venezolanische Regisseur Diego Rísquez war eine eindrucksvolle Persönlichkeit.

Film-Festival

Venezolanisches Requiem

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Das Filmforum Höchst ehrt den verstorbenen Regisseur Diego Rísquez mit einem Festival.

Von Venezuela hört man in Deutschland wenig positives. Das ölreichste Land der Welt, das größere Reserven als Saudi-Arabien besitzt, leidet unter einer katastrophalen Inflation und Korruptionsskandalen, Millionen Bürger flüchten ins Ausland. In solch einer Atmosphäre Filme zu machen, scheint kaum noch möglich.

Doch das Land hat eine erstaunlich lebendige Filmszene, wie das venezolanische Festival „Qué chévere – Venezuela im Film“ seit inzwischen 13 Jahren im Filmforum Höchst in Frankfurt zeigt. Es ist nach Angaben der Organisatoren das einzige seiner Art in Europa und bietet Cineasten die sehr seltene Gelegenheit, einen Blick auf die Produktionen zu werfen. In Deutschland laufe praktisch nie ein Film etwa des sehr prominenten Regisseurs Diego Rísquez im Kino oder gar im Fernsehen, bedauert Ute Evers, eine der Mitgründerinnen des Festivals, „obwohl wir die Sender regelmäßig zu uns einladen“.

Evers hatte den am 13. Januar dieses Jahres nach langer, schweren Krankheit verstorbenen Filmemacher persönlich kennengelernt, als dieser 2013 nach Höchst zum Festival kam. „Er kam mir damals wie ein geistreicher, jugendlicher, neugieriger Mensch vor, der vor nichts halt macht, quirrlig, lebensfroh und sehr interessant.“

Für die Festivalgruppe und das Filmforum Höchst, die „Venezuela im Film“ organisieren, stand schnell fest, dass es dieses Jahr eine Retrospektive des Regisseurs geben müsste. Zu sehen sind nun also Filmexperimente wie sein Filmdebüt „Bolivar, Sinfonia Tropikal“ von 1979, das beim Festival in Cannes Premiere feierte (17.11., 17 Uhr, 19.11., 18.30 Uhr, Achtung, mit französischen Untertiteln), oder der Kassenschlager EI Malquerido von 2015 über das Leben des Bolero-Sängers Felipe Pirela (16. und 18.11., jeweils 20.30 Uhr). „Amerika, Terra Incógnita“ lief auch auf der Berlinale (17.11., 20.30 Uhr, 21.11., 18.30 Uhr).

Risquez gehörte zu den Pionieren des Super-8-Films in Venezuela, wie Evers berichtet. Diese Schmalfilme aus seiner Anfangszeit seien ohne staatliche Finanzierung, nur durch die Zusammenarbeit aller Mitwirkenden entstanden, habe er einmal in einem Gespräch berichtet. Gezeigt wird auch eine kleine Ausstellung mit Porträts von Rísquez, die der Produzent Jorge Mirada aus Caracas gesammelt hat.

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