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Velo: Räder und Zubehör für jede Fantasie

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Von: Stefan Behr

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Kinder passen ins Lastenrad und sind trotzdem keine Last.
Kinder passen ins Lastenrad und sind trotzdem keine Last. © Monika Müller

Wer es bis ins Ausstellungszelt der Fahrradmesse Velo schafft, der kann dort was erleben.

Wer am Wochenende das Ausstellungszelt der Fahrradmesse Velo an der Eissporthalle erreichen will, der wird unweigerlich an den Arcade-Spieleklassiker „Frogger“ erinnert, so er ihn denn kennt. Rund um das Zelt führt nämlich die Teststrecke, auf der Besucher:innen ausgestellte Räder testen können – vom analogen Klapprad bis hin zum elektrowarpverstärkten Sternenzerstörer. Aufgabe von Frogger war es, einen Frosch über eine Straße zu lotsen, auf der Autos in stark unterschiedlichem Tempo entlangbrausen. Eine Zeitlang ging das gut, aber am Ende galt das uralte Spielgesetz: Der arme Frosch verliert immer!

Das muss er auf der Velo nicht zwangsläufig. Aber wer es geschafft hat, durch athletische Sprints und akrobatische Ausweichmanöver sein nacktes Leben ins Zelt zu retten, der wird dort sofort daran erinnert, dass so viel Glück nicht selbstverständlich ist. Der „Airbag für Radfahrer“, der dort an einem Stand feilgeboten wird, zeigt in vier Standbildern eine Frau, die fröhlich einen Salto über ihren Fahrradlenker purzelt und lächelnd auf dem Pflaster aufschlägt. Sie lächelt, weil ihr Halstuch sich während des Saltos in etwas verwandelt hat, das wie die Haube aussieht, die US-amerikanische Hausfrauen in 60er-Jahre-Filmen beim Friseur tragen müssen. Ob der Airbag auch die Frisur richtet, kann man auf den Bildern nicht erkennen, aber bei einem Preis von 300 Euro wohl erwarten.

Der Airbag ist einer von jenen „Ja Herrschaftszeiten, wo gibt’s denn so was?“-Momenten, die die Velo zu bieten hat. Ein anderer wird vom Hersteller eines Autofahrradträgers generiert, der „individuelle Mobilität“ verspricht, und das bei „null Emission“. Offenbar hat dieser Fahrradträger nicht wie viele seiner Vorgänger einen eigenen Verbrennungsmotor, sondern wird allein von der Kraft des Autos bewegt. Sagenhaft! Aber nicht halb so unglaublich wie das E-Bike der Marke Sushi, das keine 1000 Euro kostet, wunderschön anzusehen ist und angeblich nur 15 Kilo wiegt. Ja Herrschaftszeiten, wo gibt’s denn so was?

Auf der Velo jedenfalls nicht so oft. Hier fängt der Spaß eigentlich erst ab 3000 Euro so richtig an. Die Räder haben so klangvolle Namen wie „Mondraker“ und sehen auch so aus. Das „Towny Electra“ etwa erinnert nicht nur von Name, Optik und Volumen her an eine Harley-Davidson-„Electra Glide“, sondern auch preislich. Am Stand der Firma Cube findet sich eine Fahrradarmada, die so aussieht, als könne man mit ihrer Hilfe auch mühelos den Angriff einer Invasionsflotte der Beteigeuze abwehren. Aber so etwas hat natürlich seinen Preis. „Du, die haben jetzt auch einen Laden in Heppenheim aufgemacht“, verrät eine Standbesucherin ihrer Begleiterin. „Ach komm!“, staunt die und wundert sich, was die von der Beteigeuze bloß von den Heppenheimern wollen könnten.

Preise, Zubehörportfolio und kultische Verehrung sind wohl Zeichen dafür, dass das Fahrrad zum Motorrad einer neuen Generation geworden ist. Oder zum neuen Monstertruck. Vor dem Stand einer auf Lastenräder spezialisierten Firma warten zwei Repräsentanten lässig auf Bierkästen sitzend auf Interessent:innen für das „Cargo M“. Das hat in etwa die Abmessungen eines altägyptischen Streitwagens und dürfte auf herkömmlichen Fahrradwegen auch ähnliche Flur- und Kollateralschäden hinterlassen. Na und? „Überall fahren, wo auch Fahrradfahrer fahren“, lockt ein Schild den „King of the Cycle Track“ von morgen, „Keine Fahrerlaubnis nötig!“ Beim Anblick des elektroverstärkten Radweg-Ogers beschleicht einen dann doch wieder dieses ungute Frogger-Gefühl.

Aber zum Glück gibt es auch die guten alten Stände, die Unaufgeregtheit und Langeweile signalisieren wie etwa der Stand der „Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen“. Oder Werbeoasen für Beschaulichkeiten wie das „Erlebnis Werratal“ oder „frankentourismus.de“, wo die Spieß- und Gutbürgerlichkeit den Velo-Besucher oder die -Besucherin wärmt wie ein Kaminfeuer den Eisschwimmer und er zufrieden denkt: „Hier bin ich Frosch, hier darf ich’s sein!“

Warum nicht einfach liegend radeln? Ist doch viel bequemer so.
Warum nicht einfach liegend radeln? Ist doch viel bequemer so. © Monika Müller

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