Lutz Sikorski war von 2006 bis 2011 Verkehrsdezernent.

Kommunalpolitik

Der Vater der Verkehrswende in Frankfurt

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Lutz Sikorski wäre in diesem Monat 70 geworden. Politiker erinnern sich gerne an ihn.

Es ist Januar, es ist die Zeit, in der sich besonders viele Menschen im Frankfurter Römer an Lutz Sikorski erinnern. Am 2. Januar wäre der Grünen-Politiker 70 Jahre alt geworden. Am 5. Januar 2011 starb er. Über Parteigrenzen hinaus sagen Stadtverordnete und Dezernenten im Römer, wie sehr Sikorski in der Kommunalpolitik fehlt. In diesem Jahr haben die Grünen im Römer eine dreiseitige Pressemitteilung zum Gedenken an Sikorski veröffentlicht. Zitiert ist darin vor allem der Stadtverordnete Wolfgang Siefert. Das passt, Siefert ist wie Sikorski durch und durch Verkehrspolitiker, viele sehen in ihm bereits den Nachfolger von Klaus Oesterling (SPD) als Verkehrsdezernent. Eben diesen Posten bekleidete Sikorski vor seinem Tod.

Viele schrieben sich heutzutage den Begriff Verkehrswende auf die Fahnen, doch es sei Sikorski gewesen, der diese Wende in Frankfurt eingeleitet habe, sagt Siefert und erinnert an den vom Dezernenten aufgestellten Gesamtverkehrsplan 2005–2015. Dieser bestand aus einer großen konzeptionellen Vorlage und rund 60 einzelnen Anträgen, die im Wesentlichen aussagten: Die Zeit der autogerechten Stadt ist vorbei, Frankfurt muss insbesondere den Rad-, aber auch den Fußverkehr viel stärker fördern.

Besonders weitreichend war dabei die Sperrung der Hauptwache für den Autoverkehr im Jahr 2009. Gerade Wirtschaftsverbände, aber auch die FDP im Römer hatten vorhergesagt, dass dadurch der Verkehr in der Innenstadt zusammenbrechen werde. Doch derartige Prognosen stellten sich als falsch heraus. Wohl auch von diesen Erfahrungen geprägt, stimmten CDU und FDP vor einigen Monaten für die probeweise Sperrung des nördlichen Mainufers.

Wie Siefert war Sikorski Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Römer. Er blieb es 17 (!) Jahre lang – was im Wesentlichen an den „vier Schweinen“ lag. Denn eigentlich hätte er 1993, nach vier Jahren an der Spitze des Verkehrsausschusses, zum Dezernenten gewählt werden sollen. Doch vier Abgeordnete der damals amtierenden rot-grünen Koalition stimmten gegen ihn. Bis heute ist nicht geklärt, wer die vier Abgeordneten waren, die der damalige Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) mit Tiernamen bedachte. So folgte Sikorskis Wechsel ins Dezernat erst 2006, als die Grünen erstmals mit der CDU regierten.

Für Siefert stehts Sikorskis Vermächtnis fest: Die Frage, „ob“ Frankfurt die Verkehrswende einleite, sei lange beantwortet. Nun gehe es um das „Wie“, um „Straßen zum Leben der 2020er Jahre“. Nötig dafür sei vor allem eines: den von Sikorski entworfenen Gesamtverkehrsplan endlich fortzuschreiben.

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