+
Evelyn Österreich vom Stand Flowers First (Ministry of Flowers) im My Zeil mit einem Teddybär aus Kunstrosen.

Frankfurt

Valentinstag in Frankfurt: „Vakuumierer oder lieber einen Vibrator?“

  • schließen

In Frankfurt gibt es Teddybären aus Kunstrosen bis hin zu sexy Perlenketten-Höschen. Und es wird alles gekauft - schließlich ist Valentinstag.

Das Kitschi-Kitschi-Level kennt kaum Grenzen: ein rosa Schlüssel-Kuscheltieranhänger namens „Die große Liebe“, ein Parfüm in Form eines roten oder blauen Highheels oder vielleicht lieber eine Gebäckmischung, auf der steht: „Schön, dass es dich gibt“. Wirklich merkwürdig ist das Badeset, das inklusive eines weißen Metall-Vogelkäfigs (kein Witz!) verkauft wird. Da will man doch nur noch eins sagen: „Schön, dich kennengelernt zu haben, ich muss ganz schnell weiter.“

Seit Tagen wird man überall in der Stadt, in Katalogen, auf Plakaten, sozialen Medien daran erinnert. Es gibt keine Möglichkeit mehr, es komplett auszublenden: Heute ist Valentinstag. Und Geschenk Nummer eins bleiben am Tag der Liebe, na klar, Blumen.

„Rote Rosen sind immer noch der Renner zum Valentinstag“, erzählt Jacqueline Reul, Mitarbeiterin von „Alice im Blumenland“ im Frankfurter Stadtteil Gallus. Jedes Jahr gewinne der Valentinstag mehr an Bedeutung für die Menschen, und das mache sich dann auch am besseren Umsatz für die Blumenhändler bemerkbar. „Schon die Woche vor Valentinstag gehen die Preise für Rosen steil nach oben“, sagt Reul.

Jacqueline Reul vom Blumengeschäft „Alice im Blumenland“ im Gallus. Sie sagt: „Rosen sind immer noch der Renner am Valentinstag.“

„Je nach Sorte kostet eine Rose bei uns normalerweise zwischen 2,50 und 3 Euro. Aber jetzt liegt der Preis zwischen 5 und 6,50 Euro. Die Preise bestimmen aber nicht wir, sondern der Blumen-Großhandel“, so Reul. Viele Männer bereiteten sich auf den Valentinstag vor. „Für andere kommt er hingegen immer ganz überraschend, und sie kommen am Abend noch schnell in den Laden“, sagt Reul. Viele verschenkten eine einzelne rote Rose, andere einen großen Strauß. „Oft sind es die Männer, die etwas gutmachen müssen, die den größten Strauß kaufen“, sagt Reul und lacht. Zur Kategorie „Vorbildlich vorbereitet“ gehören die Offenbacher Kumpel Rolando (23) und Vino (24). Sie sind gemeinsam zwei Tage vor dem Tag der Liebe auf der Zeil. „Wir unterstützen uns mit Ratschlägen, was wir unseren Freundinnen schenken“, sagt Vino. Und Rolando betont: „Valentinstaggeschenke sind eine schöne Sache. Gerade, wenn man wie ich erst acht Monate in einer Beziehung ist.“ Und um seine Gefühle mit viel Bling-Bling auch ausdrücken zu können, hat er bei Swarovski für 220 Euro seiner Liebsten ein Armband, eine Kette und passende Ohrringe gekauft. Aber das reicht ihm nicht: Außerdem will Rolando sein Herzblatt noch „superschön“ zum Essen ausführen.

„Und dann kaufe ich ihr gleich noch einen Teddybär aus Rosen. Eine Rose bekommt jede. Aber ein Teddybär aus Rosen, wer hat das schon?“, so Rolando. Diesen gibt es im MyZeil am Stand von Flowers First (Ministry of Flowers) im Erdgeschoss. Der kleine Teddy aus Kunstrosen kostet 74,95 Euro: Den gibt es übrigens ganzjährig. Aber extra zum Valentinstag gibt es ein großes Kunstrosen-Herz für 150 Euro. Auf diesem steht: „Love you“.

Sandra Maravolo, Besitzerin von „Inside Her“ mit dem Vibrator to go in Lippenstiftform.

In Frankfurt sollen übrigens die Leute am Tag der Liebe einen durchschnittlichen Warenkorbwert von 66 Euro in die Geschenke investieren. „Damit geben sie fast dreimal so viel aus wie die sparsamen Dortmunder mit 23 Euro“, so ein Zitat aus der von „geschenke-idee.de“ in Auftrag gegebenen Studie. Am großzügigsten seien mit 78 Euro die Münsteraner. Aber nicht jeder mag Valentinstag feiern: „Ich hasse Valentinstag. Das ist doch totaler Quatsch. Ein von der Kommerz-Industrie erfundener Tag“, sagt die 28-jährige Philine. Und die Frankfurterin betont: „Liebe ist ganzjährig, nicht nur an einem Tag.“

Eine Geschenk-Anregung für ihren Liebsten sucht hingegen Sevil (27). Und zwar am extra aufgestellten Valentinstags-Tisch bei Hugendubel. Dort gibt es Bücher wie „Gedichte zum Verlieben“ oder „Warum Liebe weh tut“, aber auch Tassen mit Herzchen. Sevil sagt: „Mein Freund schenkt mir immer einen Blumenstrauß, einen Teddybär und noch was Kleines.“ Aber eigentlich würde sie sich viel mehr über etwas Selbstgemachtes freuen: „Das habe ich ihm auch gesagt.“

Sie selbst habe ihm vergangenes Jahr eine Box gefüllt mit Süßigkeiten und Liebes-Zitaten geschenkt. Witzig ist die Idee, bei Hugendubel ein in rotes Geschenkpapier verpacktes Buch zu kaufen #liebeaufdenerstensatz. Das ist so eine Art Blind Date, weil man nicht weiß, welcher Titel es ist. Es wird nur ein Satz des Buches vorne auf das Geschenkpapier geklebt. Einer lautet „Und er dachte gerade, dies sei der schönste Mond, den er je gesehen habe, als er diesen Mann umfuhr.“

Bei Palmers auf der Fressgass zeigt Modeberaterin Jelena Kocetkova das Valentins-Set.

Bei WMF gibt es zum Valentinstag 14 Prozent auf Brühsiebset bis Wokpfanne. „Ich habe meiner Frau einen Vakuumierer gekauft, damit unsere Lebensmittel schön frisch bleiben. Ich weiß, ich bin nicht so affin mit Geschenken. Aber den braucht sie. Hat sie neulich gesagt“, erzählt ein Herr.

Vielleicht hätte sie sich mehr über hübsche Unterwäsche gefreut. Im Valentinstags-Monat gibt es bei Palmers auf der Fressgass ein extra Wäsche-Set: „In diesem Jahr ist die Valentinsfarbe pink-rot: Den BH gibt es mit oder ohne Push-up, dazu das passende Höschen und Negligee“, erzählt Filialleiterin Stefanie Heitmann. Sie betont: „Wir verkaufen am Valentinstag ein bisschen mehr als sonst. Aber wir sind noch fern von USA-Verhältnissen. Da drehen die Leute richtig durch.“

Jörg Hildebrandt-Dein ist Store Manager der größten europäischen Douglas-Filiale auf der Zeil. Er sagt: „Für viele Menschen ist der Valentinstag mittlerweile extrem wichtig. Das merken wir Händler auch.“ Der Klassiker, den Frauen wie Männer verschenken, sei weiterhin Parfüm. „Aber auch Gutscheine für den Friseur, die Kosmetikkabine und Maniküre im Haus sind beliebt“, sagt er. Und doch sei Valentinstag „nicht so groß wie Weihnachten oder Ostern“.

Douglas-Auszubildene Irina Balke mit dem Parfüm „Good Girl“ von Carolina Herrera.

Wer einen sexy Valentinstag haben möchte, wird bei „Inside her - Erotisches für Frauen“ in der Stiftstraße fündig. Inhaberin Sandra Maravolo sagt, ein tolles Geschenk für die Frauen seien Spitzenhöschen mit echten schwarzen Perlen in der Mitte. „Die sehen nicht nur sexy aus, sondern fühlen sich auch gut an, wenn man sie trägt.“ Zwischen 59 und 84 Euro kosten sie. Frauen kauften für den gemeinsamen Spaß in der Valentinsnacht gerne Paar-Vibratoren oder für sich eben erotische Unterwäsche ein.

Sehr gut komme auch der Vibrator to go namens „Womanizer“ an. Er sieht aus wie ein Lippenstift. Nur größer. In pink und grün kostet er zum Valentins-Special statt 159 nur 69 Euro. Maravolo betont: „Dieser Vibrator ist für Frauen das Größte, vertrauen Sie mir.“

Weitere Ideen: Was es noch gibt

Nicht nur Rosen und Parfüms sind am Valentinstag angesagt. Michelle Weise von den Frankfurter Stadtevents sagt, das Angebot sowie die Nachfrage an Valentinstagsveranstaltungen steige von Jahr zu Jahr stetig. „Unsere Teilnehmer lassen sich gerne von unseren Events inspirieren und sind sehr happy darüber, dass sie sich nicht mehr so viele Gedanken machen müssen.“ Besonders beliebt seien die Kombinationen aus Lesung und Vortrag wie auch Führung mit anschließendem Drei-Gänge-Menü in Frankfurter Restaurants. Die Events seien innerhalb kürzester Zeit ausgebucht gewesen.

Auch im Angebot ist die Tour d’amour – das Valentinstags-Segway-Spezial für Pärchen. Die romantische Cruise-Tour durch Frankfurt kostet 99 Euro pro Paar.

Neu sei laut Weise, dass viele Frankfurter Hotels den Valentinstag für sich entdeckt hätten. Beim Hotelrestaurant Grand Seven gibt es ein Vier-Gänge-Menü begleitet von Alfred McCrary, der schon mit Stars wie Diana Ross auftrat. Er singt und spielt am weißen Flügel. Das Paket für zwei Liebende kostet 99 Euro.

Seit Tagen ausgebucht sind die beiden Restaurants des Steigenberger Frankfurter Hof. Der Chefkoch kreiere immer ein neues Menü. „Valentinstag läuft besser als Muttertag. Man geht wohl lieber mit seiner Partnerin essen als mit seiner Mutter“, sagt Andre Burkhard, der Marketingleiter. Das Vier-Gänge-Menü in der Brasserie Oscar’s kostet 75 Euro pro Person. Im Sternerestaurant Français gibt es ein Sieben-Gänge-Menü für 139 Euro pro Person.

Wer noch was oder jemanden sucht, könnte noch bei Badias-Schirncafé heute Abend Glück haben. „The Love Night Dinner & Disco“ kostet 45 Euro pro Person. Und auch Singles können kommen. Denn für die gibt es einen großen Single-Tisch, um Leute kennenzulernen. Reservierung unter: schirn@badias.de oder Telefon 069 / 986 699 69. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare