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Nicht nur Mütter, auch Väter nehmen Elternzeit. 

Elterngeld

Väter nehmen häufiger Elternzeit

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In Hessen steigen die Zahlen der männlichen Elterngeldbezieher kontinuierlich. Davon können auch Unternehmen profitieren.

Seit mehreren Jahren zeichnet sich in Deutschland ein Trend ab: Immer mehr Väter nutzen die Möglichkeit des Elterngeldes und bleiben für ein paar Monate bei ihrem Kind. Auch in Hessen spiegeln sich diese steigenden Zahlen wieder. 2014 bezogen 7776 Väter Elterngeld. Vier Jahre später, 2018, waren es schon 31 934. Besonders signifikant war der Sprung von 2016 auf 2017, als die männlichen Elterngeldbezieher um 60 Prozent stiegen.

Auch bei den Müttern nimmt die Zahl der Frauen, die das Elterngeld beziehen, stetig zu. Das Elterngeld Plus, 2015 durch eine Gesetzesänderung eingeführt, wird bei den Eltern immer beliebter. Es ermöglicht zum einen die bezahlte Zeit mit dem Kind zu verlängern, allerdings bei nur der Hälfte des Elterngeldes pro Monat. Zum anderen ermöglicht es eine flexiblere Gestaltung der Elternzeit und dem zweiten Elternteil die Chance am Großwerden des Kindes teilzuhaben, ohne dass dem anderen Elternteil Elternzeit abgezogen wird.

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Dass viele Männer bei der Elternzeit trotz allem zögern, hat auch damit zu tun, dass sie negative Auswirkungen auf Ihre Karriere fürchten, wie Umfragen zeigen. Väter, die die Chance nutzten, berichten von einer unvergesslichen Zeit und vielen positiven Erfahrungen. Auf der anderen Seite kann es für ein Unternehmen förderlich sein, wenn es männlichen Mitarbeitern nicht nur ermöglicht, in Elternzeit zu gehen, sondern sie sogar bestärkt. Dies hat Kristin Pogorzelski, Absolventin Wirtschaftspsychologie, Leadership und Management an der SRH Fernhochschule Riedlingen in ihrer Masterarbeit ergründet. Pogorzelski führte 15 Interviews mit Männern, die ihre Berufstätigkeit für mindestens zwei Monate Elternzeit unterbrochen hatten. Die Väter kamen aus verschiedenen Berufen – vom Piloten über Assistenzarzt bis zum Sozialarbeiter.

Unternehmen empfehlen die Bestimmung eines Väterbeauftragten

„Wie lange Männer Elternzeit nehmen, ist abhängig von den vermuteten Reaktionen des betrieblichen Umfelds. Positive Erlebnisse stärken das Verbundenheitsgefühl mit dem Unternehmen, während negative Erlebnisse zu Distanzierung oder Kündigung führen“, erklärt Pogorzelski. Die Wirtschaftspsychologin empfiehlt Unternehmen die Bestimmung eines Väterbeauftragten, der zusammen mit den Vätern und den direkten Vorgesetzten den Schritt in die Elternzeit und den Wiedereinstieg danach plant.

Das Unternehmen profitiere bei einem positiven Umgang mit der Elternzeit der Männer von einer größeren Arbeitsmotivation, Loyalität und einer gesteigerten Reputation gegenüber der Öffentlichkeit.

Welche Nachteile eine einseitige Elternzeit nach sich ziehen kann, verdeutlicht Michael Rudolph, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Hessen-Thüringen. Mutterschaft sei ein wesentlicher Grund für den Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, da Frauen aufgrund von Mutterschaft in der Regel weniger verdienten, so der Gewerkschafter. Mütter von zwei Kindern hätten in Deutschland bis zum Alter von 45 Jahren bis zu 58 Prozent weniger verdient, als kinderlose Frauen. Hinzu käme noch eine Lohndiskriminierung, da nach wie vor Vollzeit arbeitende Mütter weniger Akzeptanz erfahren.

„Vor allem längere Elternzeiten reduzieren die Löhne von Frauen beträchtlich. Elternzeit bringt Frauen laut den Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung zehn Prozent weniger Lohn“, sagt Rudolph. Die Studie erklärt, dass die Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit zu einer Entwertung des Wissens und der Fähigkeiten führe. Wer also nicht am Arbeitsplatz ist, habe weniger Fortbildungen und weniger Arbeitserfahrung – und werde schließlich schlechter bezahlt. Auch die Signalwirkung einer längeren Abwesenheit nach der Geburt spiele eine Rolle. Demnach werde Müttern eine geringere Karriereorientierung unterstellt.

Der hessische DGB-Vorsitzende fordert von der Landesregierung deshalb, endlich die Vereinbarkeitsprobleme von arbeitenden Müttern zu beseitigen.

Gewerkschaft kritisiert Nachteile für Mütter

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