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Am Jahresende wird es bei der Onyx-Baustelle im Westend noch einmal richtig laut – und niemand unternimmt etwas.

Onyx-Hochhaus

Keiner hört den Notruf

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Erboste Nachbarn im Frankfurter Westend beschweren sich vergeblich im Römer über den unerträglichen Baulärm des Onyx-Hochhauses. Das städtische Planungsdezernat ist erst ab Montag wieder besetzt. Bei der Hotline läuft nur ein Band.

Es wummert und dröhnt. Wegen des Lärms der großen Maschine, die den Sand zu Estrich verarbeitet, kann das Gespräch mit den Arbeitern nur schreiend geführt werden. Wo ist der Bauleiter? Schulterzucken. Ausgerechnet in der vermeintlich stillen Zeit zwischen den Jahren treibt die Baustelle für das Onyx-Hochhaus, Oberlindau 76-78 im Westend, die Nachbarn wieder auf die Barrikaden – wegen unerträglichen Baulärms.

Das Messgerät von Helga Schön, die im Haus Oberlindau 83 auf der anderen Straßenseite wohnt, zeigt 93 Dezibel. Die zulässige Lärm-Obergrenze im Wohngebiet, das hatte die städtische Bauaufsicht schon im Februar 2015 festgehalten, liegt bei 70 Dezibel.

Damals hatte die Stadt die Baustelle zum zweiten Mal stillgelegt – wegen „Gesundheitsgefährdung“ durch den Lärm. Doch jetzt ist die Zeit zwischen den Jahren – und in der städtischen Bauaufsichtsbehörde ist niemand zu erreichen. „Am 22. Dezember hatte ich kurz Kontakt mit einem Sachbearbeiter – der hat gesagt: Ich rufe zurück“, berichtet Schön. Der Rückruf sei nie gekommen.

Seit Tagen telefonieren die erbosten Anwohner nur mit Anrufbeantwortern. Das städtische Planungsdezernat ist erst ab Montag, 4. Januar, wieder besetzt. Die Bauaufsichtsbehörde verfügt allerdings für dringende Notfälle über eine „Hotline“ unter der Rufnummer 069 / 212 335 67.

Flucht nicht möglich

Wer dort anruft, hört eine freundliche Frauenstimme: „Sehr geehrte Damen und Herren, die Bauaufsichtsbehörde ist vom 24. Dezember bis zum 3. Januar nicht erreichbar. Wir wünschen Ihnen schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.“

Das Onyx-Hochhaus, ursprünglich ein Büroturm aus den 70er Jahren, wird seit März 2014 zum exklusiven Luxus-Wohnturm umgebaut. Die wütenden Nachbarn der Baustelle sammeln sich am Dienstag auf der Straße. „Dieser Lärm ist Kalkül“, mutmaßt Uwe Timm. Die Bauherren wüssten genau, dass es zwischen den Jahren keine Baustellen-Aufsicht der Stadt gebe: „Die überschreiten jetzt deshalb alle Lärmgrenzen.“

Morgens kurz nach 7 Uhr beginne der Lärm und dauere bis abends 17.30 Uhr. „Wenn ich vor zwei Jahren gewusst hätte, was uns bevorsteht, wären wir weggezogen“, sagt Helga Schön. Im Sommer ist die Schulbuch-Autorin mit ihrem Ehemann immer wieder in die Gartenhütte geflohen, das geht jetzt im Winter nicht mehr. Auch zu Freunden in andere Wohnungen sind die Schöns ausgewichen.

Auch beim Bauherren des Onyx, der KSW Verwaltungs GmbH, läuft nur der Anrufbeantworter. Mit einem Preis von bis zu 14.000 Euro pro Quadratmeter sollten im Onyx die teuersten Eigentumswohnungen Frankfurts entstehen. Doch diese Spitzenmarke ist mittlerweile von anderen Projekten überholt worden.

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