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Uwe Beckers Wahlplakate: Eine Frage der Ehre

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Von: Thomas Kaspar

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Uwe Becker.
Uwe Becker. © Rolf Oeser

Der Frankfurter CDU-Kandidat Uwe Becker nennt sich bereits „Ihr Oberbürgermeister“. Dabei nimmt er es an anderer Stelle mit der Sprache sehr genau. Der Kommentar.

Stil ist in der Politik immer wichtig, im Oberbürgermeisteramt der Stadt Frankfurt kommt ihm überragende Bedeutung zu. Neben der Verurteilung wegen Vorteilsnahme war es vor allem sein Stil, mit dem Peter Feldmann nahezu jede und jeden gegen sich aufgebracht hat, bis er schließlich abgewählt wurde. Das will hier niemand mehr erleben müssen.

Diese Stadt schaut also derzeit besonders genau hin, wie sich die Bewerberinnen und Bewerber für die Nachfolge des Vielgerügten präsentieren. Mehr als eine Kleinigkeit ist deswegen, dass Uwe Becker als CDU-Kandidat nahezu an jeder Straßenecke auf Plakaten mit dem Slogan „Ihr Oberbürgermeister“ wirbt, noch bevor der eigentliche Wahlkampf begonnen hat. Uwe Beckers Behauptung ist etwas anderes, als wenn zum Beispiel „Veganes Würstchen“ auf Packungen von Pflanzenprodukten steht. Beim Würstchen kann man trefflich streiten, ob das Verbrauchertäuschung ist – immerhin bekommt man etwas für sein Geld, wird satt und schont die Umwelt.

Auf seinen Plakaten wirkt Uwe Becker siegessicher.
Auf seinen Plakaten wirkt Uwe Becker siegessicher. © privat

Bei „Ihr Oberbürgermeister“ ist die Täuschung kaum sichtbar und deshalb wesentlich gravierender und dreister. Unbedarfte könnten meinen, sie hätten den Wahlkampf verpasst, der Urnengang sei gelaufen und da hänge das Bild des künftigen OB. Vor solchen psychologischen Manipulationen schützt Verbraucherinnen und Verbraucher der Gesetzgeber – die Wählerschaft muss ein Aufschrei der Entrüstung vor dieser unfassbaren Amtsanmaßung bewahren.

Man kann nicht sagen, dass es Uwe Becker mit der Sprache nicht sehr genau nimmt. Das merkt, wer sich unbedacht zu den Kernthemen des hessischen Antisemitismusbeauftragten äußert. Da kann es passieren, dass der CDU-Politiker eine Lawine des Zorns über Falschformulierenden entfesselt. Auch bei Feldmann war der Konservative bei der Kritik über dessen Äußerungen nicht gerade zimperlich.

Die erste Visitenkarte, die Becker nun der Stadt Frankfurt an die Straßen gehängt hat, ist deshalb umso verwunderlicher. Wenn „Ihr Oberbürgermeister“ eine bewusste Kommunikationsmanipulation ist, was sagt das über die Führungskultur, falls Becker ins Amt käme? Ist es kein gewollter Trick, was verrät das darüber, wem Becker seinen Wahlkampf und damit die Außendarstellung des wichtigsten Amts der Stadt anvertraut?

Wenn Uwe Becker also jemals wieder den Stil der Konkurrenz kritisieren will. Wenn Uwe Becker je wieder die Sprache anderer auch nur thematisieren will. Wenn er also selbst auf Lücken in der politischen Kultur hinweisen will. Ja, dann bleibt Uwe Becker nur eines übrig: Jedes Plakat, mit dem er die Stadt täuschend echt, aber unwahr mit „Ihr Oberbürgermeister“ zugepflastert hat, einzeln wieder zu entfernen. Es ist nicht nur eine Frage des Stils, es ist eine Frage der Ehre.

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