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Uwe Becker (CDU): „Die Verkehrswende gehört für mich dazu“

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Von: Florian Leclerc

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Uwe Becker (53), hier an der Hauptwache, startet mit Vorschlägen etwa zu Geothermie in den OB-Wahlkampf.
Uwe Becker (53), hier an der Hauptwache, startet mit Vorschlägen etwa zu Geothermie in den OB-Wahlkampf. Rolf Oeser © Rolf Oeser

Der Frankfurter Oberbürgermeister-Kandidat Uwe Becker (CDU) will den offenen Drogenkonsum im Bahnhofsviertel stoppen und Schulen sanieren. Ein Interview.

Uwe Becker, Europastaatssekretär der hessischen Landesregierung und Oberbürgermeister-Kandidat der CDU, kommt zum Interview ins trubelige Café Hauptwache. Ein Bekannter grüßt Becker und bietet ihm seinen ruhigen Platz in einer Ecke an. Zum Dank lädt Becker den Mann auf dessen Tee ein.

Herr Becker, ich stelle Ihnen zu Beginn ein paar Entweder-Oder-Fragen. Sie können sich entscheiden: Manfred Kanther oder Petra Roth?

Petra Roth.

Thomas Mann oder Kim de L’Horizon?

Thomas Mann.

Jesus Christus oder Buddha?

Beide.

Autofahren oder Verkehrswende?

Vernünftig Autofahren in der Verkehrswende.

Manuela Rottmann oder Mike Josef?

Uwe Becker.

Was würden Sie besser machen als Peter Feldmann?

Ich würde den Oberbürgermeister als Diener der Stadt sehen und mich um die Stadt und die Interessen der Menschen kümmern.

Peter Feldmann hat einige soziale Projekte unterstützt: die kostenlose Betreuung der Drei- bis Sechsjährigen im Kindergarten, den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche in städtische Museen. Wie stehen Sie dazu?

Bei den kostenfreien Kindergärten trägt das Land einen Teil mit. Den freien Eintritt für junge Menschen in Museen habe ich als Kämmerer unterstützt.

Beides bleibt, falls Sie OB werden?

Ja.

Für den Schulbau haben Sie in ihrer ersten Wahlkampfrede 100 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr angekündigt. Als früherer Kämmerer wissen Sie, dass das Stadtparlament darüber entscheiden muss, nicht der OB.

Wenn mir die Frankfurterinnen und Frankfurter deutlich das Vertrauen aussprechen, werde ich mit dieser Legitimation auf die Koalition zugehen und diese Dinge für Frankfurt einfordern.

Sehen Sie einen drohenden Konflikt, wenn Sie als Oberbürgermeister quasi aus der Opposition heraus Politik machen?

Ich möchte mit der Koalition zusammen Politik machen, sie zum Arbeiten führen und mit dem Votum der Menschen ein besseres Frankfurt gestalten.

Das Bahnhofsviertel ist ein weiterer Schwerpunkt Ihres Wahlkampfprogramms. Sie haben angekündigt, gegen den offenen Drogenkonsum vorgehen zu wollen. Wie stellen Sie sich das vor?

Meine Vorstellung lehnt sich an das Züricher Modell an, aber ich möchte ein Frankfurter Modell daraus machen. Es braucht Hilfen, aber es braucht auch die nötige Repression.

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Das Züricher Modell erlaubt den Handel mit Kleinstmengen an Drogen in den Einrichtungen. Die umliegenden Kommunen leisten Hilfen. Trifft das Ihre Vorstellung?

Ich möchte dafür sorgen, dass die Ausstiegsorientierung mehr zum Tragen kommt. Die vermisse ich in der Diskussion. Sich nur darum zu kümmern, wie wir die Menschen im Bahnhofsviertel versorgen, reicht aus meiner Sicht nicht aus. Es gibt Angebote, die den Ausstieg auch außerhalb der Szene in Frankfurt realisieren. Darauf müssen wir stärker setzen. Wenn ich die Süchtigen immer wieder ins Bahnhofsviertel und damit in die Szene führe, werde ich Menschen, die den Ausstieg wollen, nicht erreichen.

Sind Sie für eine Legalisierung des sogenannten Ameisenhandels mit Kleinstmengen?

Ich bin dafür, dass wir offen darüber reden, die Vor- und Nachteile, auch mit der Polizei, abwägen.

Wie wollen Sie die umliegenden Kommunen zur Kooperation bewegen?

Die Situation wirkt sich am Ende negativ auf die Region aus, wenn das Bild entsteht, dass Dinge außer Kontrolle geraten. Ich werbe für das Verständnis, dass es nur gemeinsam geht. Das wird am Ende auch der Region helfen. Ich werde auf die Region zugehen, um sie zu überzeugen.

Der Klimawandel ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Frankfurt hat sich vorgenommen, klimaneutral zu werden. Welches Angebot machen Sie den Bürgerinnen und Bürgern?

Mein Ziel ist, dass die Frankfurterinnen und Frankfurter ab 2030 ihre Energie nur noch aus erneuerbarer Energie beziehen. Dazu möchte ich mit Mainova und den übrigen großen Energieunternehmen in der Region gemeinsam in Themen wie Geothermie und die Wasserstoffanbindung nach Rhein-Main investieren. Darin liegt eine große Chance, diese Region klimaverträglich umzubauen und die Energiepreise selbst stärker beeinflussen zu können, damit die Menschen bezahlbaren Strom haben.

In der Verkehrspolitik haben Sie mit Blick auf den Radweg auf der Berliner Straße gesagt, dass sei Ideologie. Halten Sie Menschen, die freiwillig aufs Auto verzichten und den Radweg auf der Berliner Straße gerne nutzen, für Ideolog:innen ?

Nein, überhaupt nicht. Ich möchte auch den Radverkehr weiter ausbauen, genau wie ich für den öffentlichen Nahverkehr ringe. Nur muss das planvoll geschehen. Mir geht es darum, dass die Verkehre in Frankfurt nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern, dass man miteinander plant. Der Radverkehr muss vernünftig ausgebaut werden. Der Autoverkehr soll nicht in den Stau geplant werden. Der ÖPNV muss attraktiver werden, und wir müssen an die Fußgängerinnen und Fußgänger denken. Die fallen häufig hinten runter in der Diskussion.

Macht ein OB Becker den Radweg auf der Berliner Straße wieder rückgängig?

Vielleicht ist eine Führung über Bethmann- und Braubachstraße oder die Mainuferstraße klüger als eine Führung über die Berliner Straße.

Bei der Bürgerbeteiligung zum Masterplan Mobilität bestand der Wunsch nach mehr Bus und Bahn, Rad- und Fußverkehr und weniger Autos. Tragen Sie das mit?

Wir müssen uns grundsätzlich darum kümmern, wie wir den öffentlichen Raum aufteilen und zu einem gesünderen Verkehr kommen. Da bin ich dabei. Wir müssen uns aber auch um den Wirtschaftsverkehr und die Pendlersituation kümmern.

Sind Sie ein Freund der Verkehrswende?

Die Verkehrswende gehört für mich dazu. Man muss sie aber gestalten und nicht nur rote Farbe auf die Straße malen.

Ihr Lebensmotto lautet: Das Leben ist zu kurz, um es nur an sich selbst zu verschwenden. Ist das mehr Buddha oder Jesus Christus?

Das speist sich am Ende aus beidem, aus der gesunden Haltung, dass wir nicht nur für uns selbst auf der Welt sind, sondern der Gesellschaft, in der wir leben, von der wir ein Teil sind, etwas zurückgeben sollten.

Wie wollen Sie die Menschen erreichen, die heute noch sagen, bloß nicht CDU?

Ich will sie damit erreichen, dass ich ein Oberbürgermeister für alle bin, dass ich mich um alle Fragen kümmere, alle Sorgen der Menschen ernst nehme. Das heißt nicht, dass ich es am Ende allen recht machen kann. Aber ich sehe mich in der Verantwortung für alle Menschen in der Stadt

Interview: Florian Leclerc

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