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Peter Oehler packt an.

Frankfurt-Ostend

Urlaub in der Suppenküche

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Peter Oehler hat sich zum zweiten Mal ehrenamtlich in Griechenland engagiert und Essen an Bedürftige verteilt. Die Verhältnisse dort sind nach Einschätzung des Frankfurters noch schlimmer geworden.

„Die Medien zeigen ein verzerrtes Bild von Griechenland“, sagt Peter Oehler. Da die Medien nur zu anstehenden Rettungen der Staatsfinanzen berichten würde, entstehe der Eindruck, es würde schon laufen. „Aber das stimmt nicht. Die Verhältnisse sind noch schlimmer geworden“, sagt Oehler. „Katastrophal.“

Wie die Zustände in Griechenland wirklich sind, davon hat sich der 53-Jährige Elektrotechniker selbst ein Bild gemacht. Seit 1994 bereist er das Land, zwölfmal ist er dort gewesen, als Tourist auf dem Fahrrad. Doch seit vergangenem Jahr hilft er auch, die Verhältnisse ein wenig zu verbessern. Zunächst half er in Thessaloniki in der Apotheke einer Klinik aus (wir berichteten), im vergangenen Sommer war er dann in der Hauptstadt Athen.

Über einen Monat hinweg hat er Essen an Bedürftige verteilt. Dreimal pro Woche kocht die Gruppe „Solidarität von Piräus“ auf einem öffentlichen Platz für Menschen, die sich keine warme Mahlzeit leisten können. Gegen 13 Uhr kommen etwa 120 Leute auf den Platz, um sich in eigenen Gefäßen Essen abzuholen, meistens Suppen oder Reis mit Fleisch.

Buchprojekt geplant

Die Kunden seien nicht nur Obdachlose, sondern auch Menschen, die kürzlich ihre Arbeit verloren hätten, sagt Oehler. „Viele der Helfer sind in einer ähnlich prekären Situation und nehmen sich selbst ein Essen mit.“ Der Frankfurter unterstützte die Gruppe beim Aufbau des Standes und in der Küche. Die Lebensmittel sind Spenden von Wochenmärkten oder von Supermarktkunden.

„In Griechenland herrscht große Ratlosigkeit“, sagt Oehler. Kurz vor dem Referendum hätten sich viele gefragt, wie es mit dem Land weitergehen soll. Auch falle es vielen Griechen schwer, eine Perspektive für sich zu sehen.

Mitverantwortlich für die prekäre Lage macht Oehler, der am Osthafen wohnt, seinen Nachbarn, die Europäische Zentralbank. Am 18. März habe er friedlich an den Blockupy-Protesten gegen diese Finanzpolitik teilgenommen. Von der EZB gehe eine indirekte Gewalt aus, sagt er. Trotzdem, betont er, legitimiere das die Ausschreitungen nicht.

Seine Eindrücke aus Griechenland will Peter Oehler in einem Buch zusammenfassen. Es soll aber weder ein Reisebuch noch ein Roman werden, sondern eine Sammlung von Prosaskizzen, wie er sagt. Seit 2003 schreibt er daran, zuletzt sogar „mit Hochdruck“, denn demnächst soll es fertig werden. Parallel sucht er einem Verlag. Im nächsten Jahr will Oehler wieder nach Griechenland fliegen. Wohin, steht noch nicht fest.

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