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Reisende auf dem Weg nach Marokko stranden in Frankfurt.
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Reisende auf dem Weg nach Marokko stranden in Frankfurt.

Frankfurter Flughafen

Ferienstart: Wenn der Sommer-Urlaub bereits am Flughafen in Frankfurt endet

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Die Reise endete für einige Menschen bereits am Flughafen Frankfurt, weil in Lissabon das Bodenpersonal streikt. Die Gestrandeten erhalten ihr Geld zurück, oder einen alternativen Flug in zwei Wochen.

Frankfurt - Vernetzte Welt: Am Flughafen Lissabon streikt das Bodenpersonal. Das bedeutet Arbeit für die Bundespolizei in Frankfurt. Zahlreiche Fluggäste hängen dort am Samstag in Abfertigungshalle B des Terminals 1 fest. Seit den frühen Morgenstunden schon. Entsprechend genervt sind die meisten.

Amina Oulghazi hat Tränen in den Augen. Seit 2 Uhr morgens ist die Hanauerin mit ihrer Familie am Frankfurter Airport. Lissabon soll nur ein Zwischenstopp sein auf dem Weg nach Agadir in Marokko. Aber der Flieger hebt ohne sie ab. Die Fluggäste mit Endziel in Portugal oder Spanien dürfen mit, wer nach Marokko möchte, nicht.

Frankfurt Flughafen: Familien kommen nicht mehr weg, die Kommunikation läuft nicht gut

Etwa 70 Menschen haben es sich vor dem Check-in von TAP Portugal so gemütlich wie möglich gemacht. Es sind Familien mit Kindern, das jüngste ist ein Jahr alt. Manche dösen, liegen in den sogenannten Umpackstationen, Nischen in der Wand mit Kofferauflage. Dabei haben sie sich so auf die Reise gefreut. Manche haben seit Jahren ihre Familie nicht mehr gesehen. „Fliegen wir heute noch?“, fragt ein kleines Mädchen mit großen Augen treuherzig.

Die Kommunikation läuft nicht gut. Die Menschen wissen nicht genau, warum das Flugzeug weg ist und sie nicht. „Es gibt wohl Streik“, sagt eine Frau, die sich dazugesellt. Tränen hat sie keine in den Augen, eher eine geballte Faust in der Tasche. Die Fluggesellschaft hat ihr angeboten, das Geld zu erstatten. „Aber wir haben ein Hotel gebucht und einen Mietwagen, das können wir nicht mehr stornieren.“ Und obendrein noch für die ganze Familie Corona-Tests bezahlt.

Streik am Flughafen in Lissabon weitet sich bis nach Frankfurt aus

TAP Portugal bietet den Fluggästen auch Ausweichflüge an. Doch die Auswahl ist nicht so groß. Das beste Angebot lautet: am 1. August. Andere Passagiere haben Offerten für den 6. oder 9. August erhalten. „Wir sind auf die Schulferien angewiesen“, sagt eine Frau gereizt, „haben Jobs, können nicht einfach den Urlaub verlängern.“

Um 10.30 Uhr informiert die Fluglinie offiziell über den Streik. Zumindest erhalten einige Wartende eine entsprechende SMS. Am 17. und 18. Juli muss TAP Flüge annullieren. Die Menschen fühlen sich vergessen und verloren. Nicht einmal ein Getränk oder einen Snack habe die Airline oder auch die Hausherrin des Flughafens, die Fraport, angeboten. Das Mindeste wäre, wenn jemand von der Fluggesellschaft käme und den Schlamassel erklären würde, fordern die Wartenden.

Frankfurt: Fraport bemüht sich um Schadensbegrenzung am Flughafen

Die Fraport versucht es, sie schickt eine Mitarbeiterin, die sich kümmern soll. Viel anbieten kann die aber nicht. Am dringendsten benötigt werden Flüge, die hat die Fraport nicht, sie stellt den Fluggesellschaften nur den Hafen zur Verfügung. TAP Portugal selbst ist nicht da. Den Check-in und die Abfertigung hat sie delegiert – an die Fraport-Tochter „Passenger Services“.

Ferienbeginn am Frankfurter Flughafen. Es füllt sich.

Gegen 11.15 Uhr hat der Passenger Service den TAP-Schalter wieder besetzt. Am Samstag gehen noch weitere Flüge nach Lissabon – eigentlich. Wieder gibt es das Problem, dass es nicht genügend Verbindungen gibt, um den Menschen einen adäquaten Ersatz anbieten zu können. „Wegen der Corona-Pandemie ist der Flugverkehr nach Marokko ohnehin eingeschränkt“, sagt ein Fraport-Sprecher.

Gegen 11.30 Uhr spitzt sich vor dem TAP-Schalter die Lage zu. Die Menschen in der Schlange sind schon ein paar Kilometer auf den Beinen. Sie kommen aus Wuppertal, Aachen, Hanau, der Schweiz. Jetzt den Flug sausen zu lassen und umzudrehen, ist für sie nicht so einfach. Sie wollen sich wehren. Bereits am frühen Morgen waren sie laut, hatten kurz „Fliegen, fliegen!“ skandiert und geklatscht. Die Bundespolizei musste sie beruhigen. Jetzt ist es wieder so weit. Die Beamten gehen besonnen vor, aber auch bestimmt. Sie greifen sich den lautesten der Männer raus, das Sprachrohr, separieren ihn von der Gruppe, reden eindringlich auf ihn ein. „Ich wäre auch total sauer, wenn das mein Urlaub wäre“, sagt einer der Beamten. Die Reisenden sollten aber doch bitte Abstand halten und die Damen am Schalter nicht so bedrängen.

Flughafen Frankfurt: Abstand halten wegen Corona?

Abstand am Flughafen, vor Corona hätte man laut gelacht. An diesem Morgen sieht es in den Hallen meist tatsächlich aus wie in einem Flughafenkatalog. Nur ab und zu staut es sich. Vor dem Check-in für einen Flug nach Griechenland hat sich ein Lindwurm gebildet. Die meisten Wartenden sind jung und tragen ein blaues T-Shirt. Es handelt sich um eine Freizeit der Evangelischen Jugend Gelnhausen. „Zum Glück kann man Jugendlichen endlich wieder etwas anbieten“, ruft der Leiter, dann eilt er an den Schalter.

Sich beeilt hat auch eine Familie aus der Wetterau, jetzt steht sie ganz entspannt draußen vor dem Tor. Nach früheren Erfahrungen mit Check-in-Schlangen ist sie diesmal überpünktlich angereist, also viel zu früh. Da bleibt mehr Zeit, sich auf die Tage auf Teneriffa zu freuen, auf den „fantastischen Vulkan“, den die Eltern ihrer Tochter zeigen möchten. Es bleibt aber auch Zeit, sich Sorgen zu machen - über Corona-Inzidenzen.

Frankfurt Flughafen: „Als wir vor sechs Wochen gebucht haben, war noch alles ruhig“

„Als wir vor sechs Wochen gebucht haben, war noch alles ruhig“, sagt der Vater. Inzwischen gelten Spanien und die Kanaren als Risikogebiet. „Es gab aber keine Reisewarnung“, berichtet die Mutter. „Wir konnten also nicht kostenlos stornieren.“ Dennoch überwiege bei ihnen die Vorfreude. Die Eltern sind geimpft. Nur die Tochter muss nach der Rückkehr womöglich in Quarantäne. Ganz sicher wissen sie es nicht, Corona-Lage und Regeln ändern sich ja ständig.

Darum geht Sieglinde Asselin auf Nummer sicher. Sie ist gerade aus Kanada gelandet, reist mit dem Zug weiter zum 100. Geburtstag ihrer Mutter. Den Zwischenstopp am Airport nutzt die Auswanderin, um sich am Corona-Testcenter im Obergeschoss der Halle B über die derzeitig gültigen Regeln und Testmöglichkeiten am Flughafen zu informieren - für die Rückreise.

Im Erdgeschoss sind um 14 Uhr nur noch wenige der verhinderten Marokko-Urlauber da. Die meisten haben aufgegeben. Amina Oulghazi und Familie harren noch aus, ein Fünkchen Hoffnung glimmt wohl noch. „Für die Leute, die nach Brasilien wollen, ist die Lufthansa mit einem Direktflug eingesprungen“, sagt Oulghazi. (George Grodensky)

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