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Uraufführung in Frankfurt: Eine neue Bach-Passion

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Von: Andreas Hartmann

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Der Windsbacher Knabenchor singt am 17. Dezember 2022 das Weihnachtsoratorium in der Alten Oper.
Der Windsbacher Knabenchor singt am 17. Dezember 2022 das Weihnachtsoratorium in der Alten Oper. © Frankfurter Bachkonzerte

Das Programm der Frankfurter Bachkonzerte ist gewohnt vorzüglich - Überraschung inklusive: Der Musiker Alexander Grychtolik hat das Werk aus Fragmenten rekonstruiert.

Wer die Musik von Johann Sebastian Bach liebt, den dürfte die Ankündigung des Vereins „Frankfurter Bachkonzerte“ elektrisieren. Versprochen wird da nicht weniger als eine Uraufführung - und das nicht für ein kleines Kantatenfragment oder ein zweiminütiges Orgelstück, sondern für eine ganze Passion. „Ich freue mich schon sehr darauf“, sagt der Vereinsvorsitzende Nikolaus Reinhuber.

Reinhuber und alle Bach-Fans müssen sich allerdings noch eine ganze Weile gedulden: Das mutmaßlich exquisite Stück soll am 1. April 2023 in der Alten Oper Frankfurt erstmals zu hören sein. Das ist dann hoffentlich auch kein sehr, sehr früher Aprilscherz. Der Musiker Alexander Grychtolik hat das Werk aus Fragmenten rekonstruiert und vervollständigt, er führt „BWV Anh. 169“ gemeinsam mit dem Barockorchester Il Gardellino hier auf und geht dann mit der musikalischen Rarität ersten Ranges auf Tournee.

Eigentlich hätte die Bach’sche Passion am Karfreitag 1725 in der Leipziger Thomaskirche erstmals erklingen sollen, wurde aber von Bachs Vorgesetzten wohl wegen des nicht genehmen Textes abgelehnt. Nun ist die Uraufführung einer Bach-Passion, ob rekonstruiert oder nicht, wohl kaum noch zu übertrumpfen, der Frankfurter Verein, der jetzt zusammen mit Alte-Oper-Chef Markus Fein sein neues Programm für die Saison 20222/23 vorgestellt hat, hat aber auch noch einige weitere Kostbarkeiten im Angebot.

Aufwendigstes Stück dürfte Bachs h-Moll-Messe sein (BWV 232), die am 18. April 2023 aufgeführt wird, von keinem Geringeren als der Klassik-Legende Sir John Eliot Gardiner mit dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists (übrigens zwei Tage vor Gardiners 80. Geburtstag). Das Konzert sei ein „finanzieller Kraftakt“, den der Verein nur mit größter Mühe stemmen könne, betont Reinhuber. „Aber wir werden es hinbekommen“, sagt er begeistert.

Und auch sonst ist das kleine, feine Programm - zehn Konzerte, sorgfältig ausgewählt - erstaunlich. Da kommt am 18. Dezember dieses Jahres der große Pianist András Schiff mit den Bach-Konzerten für Klavier und Orchester, und am Vortag singt der Windsbacher Knabenchor Bachs Weihnachtsoratorium (Kantaten I-III und VI), die bekannten Geigerinnen Julia Fischer (12. Februar 2023) und Antje Weithaas (2. März 2023) sind ebenso zu Gast wie die Sopranistin Dorothee Mields, die die Saison am 30. Oktober eröffnen wird, nicht nur mit Bach, sondern auch mit Telemann.

Nun kommt das Programm der Frankfurter Bachkonzerte so leichtfüßig daher, doch sind auch hier die Veranstalter gebeutelt von den beiden vergangenen Jahren. Viele Konzerte mussten teils ganz kurzfristig abgesagt werden, teils wegen der hohen gesetzlichen Pandemie-Auflagen, teils wegen kurzfristiger Corona-Erkrankungen in den Ensembles. Das sei sehr schwierig gewesen, berichtet Reinhuber. Manches Konzert wurde dreimal verschoben, auch in der kommenden Saison sind einige Nachholtermine für ausgefallene Konzerte.

„Aber wir sind doch mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt er. „ 90 Prozent unserer Abonnenten haben auf eine Erstattung verzichtet, so dass wir einige Musiker und Orchester finanziell unterstützen konnten.“ Es sei ihm aber doch schwer gefallen, meint der Vereinsvorsitzende, in Pandemie- und Kriegszeiten sein Vorwort zum neuen Programmheft zu schreiben. Es ist ungewöhnlich nachdenklich geworden. Doch er ist überzeugt: „Jedes einzelne Konzert wird uns guttun!“ Der Vorverkauf beginnt am 2. Mai.

Star zu Besuch: Sir John Eliot Gardiner dirigiert am 18. April 2023 die h-Moll-Messe.
Star zu Besuch: Sir John Eliot Gardiner dirigiert am 18. April 2023 die h-Moll-Messe. © Frankfurter Bachkonzerte

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