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„Unzerbrechliche Seelen“ erklären im Frankfurter Galli-Theater die Ukraine

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Von: George Grodensky

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Vier Frauen stehen auf der Bühne, eine hat im Hintergrund die Musik komponiert. Galli-Theater
Vier Frauen stehen auf der Bühne, eine hat im Hintergrund die Musik komponiert. Galli-Theater © Galli-Theater

Das Stück ist zweisprachig und dreht sich um die Liebe und den Kampf. Fünf Ukrainerinnen haben es gemeinsam geschrieben und auch Lieder dazu getextet.

Es beginnt wie eine Führung, wird zum Konzert, und dann folgt die Erschütterung, die alles auf den Kopf stellt. Es geht um die Ukraine, sagt Kristina Yaroshenko. Also das Theaterstück, von dem hier die Rede ist. Aber natürlich auch die Erschütterung; in „Unzerbrechliche Seelen“ spielt sie eine entscheidende Rolle.

Das Stück vereint Geschichte und Gegenwart, Musik und Sprechtheater, Heiteres und Ernstes. Fünf Frauen aus der Ukraine haben es konzipiert. Zwei Schauspielerinnen, zwei Sängerinnen, eine Musikerin. Vier von ihnen sind aus der Heimat geflüchtet. Eine, Kristina Yaroshenko, ist schon etwas länger in Deutschland. Sie hat zuletzt die Hauptrolle in der ZDF-Produktion „Das bleibt unter uns“ gespielt, die voraussichtlich im Herbst gesendet wird.

In den vergangenen sechs Monaten habe vieles rund um die Ukraine Bewunderung und Interesse geweckt, finden die Frauen. Ihr Eindruck ist aber auch, dass manche womöglich gar nicht so viel über das Land wissen, über das „die ganze Welt“ spreche. Um das zu ändern, treten sie nun mit ihrem zweisprachigen Stück im Galli-Theater auf die Bühne.

Aufführungen

Premiere von „Unzerbrechliche Seelen“ ist am Samstag, 10. September, 20 Uhr. Weitere Termine: 17. 9., 20 Uhr, 18. 9., 19 Uhr, 2., 3. und 24. Oktober, 19 Uhr. Karten kosten zehn Euro (ermäßigt fünf). Dauer: 80 Minuten. sky

Spielort ist das Galli-Theater in Frankfurt-Bockenheim, Hamburger Allee 45. www.galli-frankfurt.de

Heitere Kleinigkeiten präsentieren sie. Etwa die Frage, warum und wofür man(n) in der Ukraine einen Kürbis erhält. Drei mögliche Antworten präsentiert Yaroshenko kokett: Erstens könnte es die Vorbereitung auf Halloween sein. Das aber, weiß der Zeitungsredakteur, ist keine ukrainische Tradition. Also zweite Möglichkeit: Es geht um die reine Sättigung. Könnte sein, wäre aber zu naheliegend. Drittens: Es ist das, was in Deutschland ein Korb ist. Richtig. Eine Frau gibt einem Mann, der um sie wirbt, der ihr aber nicht gefällt, einen Kürbis. Damit muss der arme Kerl durchs Dorf laufen und sich auslachen lassen.

Weniger heiter ist die Erklärung, warum die Menschen in der Ukraine eigentlich so gut russisch sprechen: Weil der Konflikt mit dem mächtigen Nachbarland nicht gerade neu ist. Seit Jahrhunderten plage man sich mit Übernahmeversuchen herum, sagt Yaroshenko. Etliche Zaren hätten schon die ukrainische Sprache verboten und dafür die russische vorgeschrieben. „Aber wir haben uns immer unsere Identität bewahrt.“ Das soll im Stück auch deutlich werden – „die Unbezwingbarkeit“ ihrer Heimat. Yaroshenko ist schließlich nicht nur Schauspielerin, sondern auch geschichtsbegeistert. In Lemberg und Odessa habe sie Stadtführungen angeboten, eine eigene Agentur dafür betrieben, erzählt sie.

Die Gruppe hat auch eigene Lieder komponiert und getextet. Die wechselt sie mit traditionellen Stücken ab. Darin geht es um die Liebe und den Kampf. „Die kennen alle in der Ukraine.“ Denn was tun Ukrainer:innen, wenn es ihnen gut geht? Sie singen! Und was tun Ukrainer:innen, wenn alles so schlimm ist, dass es nicht mehr schlimmer werden kann? Singen!

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