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Mit eigenen Gläsern kauft man bei Grammgenau ein.

Unverpackt-Laden

Eigene Dose mitbringen und Plastikmüll vermeiden

Plastikfrei einkaufen geht inzwischen nicht nur in Unverpackt-Läden. 

Mit ihren eigenen kleinen Stoffbeuteln in der Tasche geht Martina Rosa im Frankfurter Unverpackt-Laden „grammgenau“ einkaufen. „Ich achte beim Einkauf sehr darauf, Plastikmüll zu vermeiden“, so Rosa. Auch bei der Kosmetik sucht sie nach Alternativen. „Ich benutze schon länger Seife statt Duschgel“, sagt die Frankfurterin. Eine geeignete Haarseife hat Martina Rosa für sich allerdings noch nicht gefunden. „Bisher hat mich weder der Geruch noch das Ergebnis nach dem Waschen überzeugt“, sagt die Frankfurterin.

Wer plastikfrei einkaufen möchte, muss aber nicht zwingend in einen Unverpackt-Laden gehen. Von der Haarseife über Shampoo bis hin zum „Coffee to go“-Becher: Unnötiger Plastikmüll lässt sich an vielen Stellen vermeiden.

Für einen selbst mitgebrachten Kaffeebecher bekommt man sogar bei Ketten wie Starbucks oder McDonald’s 10 bis 30 Cent Rabatt auf den Kaffee. Doch auch in Supermärkten kann man plastikfrei einkaufen: Bio-Supermärkte bieten ausschließlich Papiertüten für Obst und Gemüse an. Bei Supermärkten wie Rewe können Kunden ein Obst-Mehrwegnetz kaufen. Grundsätzlich ist es in jedem Supermarkt aber auch möglich, loses Obst und Gemüse auf das Kassenband zu legen. Problematisch ist nur, dass beispielsweise in Plastik verpackte Paprikas weniger kosten. Eine lose Paprika kostet manchmal fast so viel wie drei in Plastik eingeschweißte.

Die eigenen Behältnisse können Kunden nun auch bei Bio-Supermärkten einsetzen. Seit mehr als zwei Jahren hat beispielsweise Basic eine Unverpackt-Station eingerichtet. Das Prinzip funktioniert wie bei den Unverpackt-Läden: Auf einer Tara-Waage werden die eigenen Behältnisse gewogen, sodass letztlich nur die Ware abgerechnet wird. Und dann können Kunden ihre Behälter befüllen. Wer keine eigenen Behältnisse dabei hat, kann Messbecher oder Einmachgläser kaufen. „Wir arbeiten immer noch an der Perfektion“, sagt Katharina Heinicke, Filialleiterin des Frankfurter Basic in der Bergerstraße. Künftig sollen neben Nudeln, Getreide, Nüssen, Hülsenfrüchten, Gummibärchen oder Schokodrops dort auch Produkte wie Öl oder Waschmittel unverpackt erhältlich sein.

Eigene Dosen für Wurst und Käse mitbringen

Die Reformhäuser Freya aus Frankfurt hatten vor mehr als zehn Jahren mit loser Ware und Milch zum Abfüllen in der eigenen Glasflasche angefangen. Aber das kam nicht an. „Da waren wir der Zeit voraus“, sagt Roland Fiedler, Geschäftsführer der Reformhäuser Freya. Den Kunden sei es zu umständlich gewesen. Für die Läden, die sich ausschließlich auf Unverpackt konzentrieren, sei dies logistisch leichter umzusetzen. Heute können sich Kunden bei den Reformhäusern Feinkost wie Frikadellen oder Salate in die eigene Tupperdose füllen lassen.

Eigene Dosen für Wurst, Käse und Backwaren an der Frischetheke können Kunden auch bei Bio-Supermärkten wie Denn’s oder Basic, aber auch bei Tegut mitbringen. Die Behältnisse müssen leer, unzerbrechlich und sauber sein. Der Kunde nimmt den Deckel der Dose ab, stellt diese auf ein Tablett und erhält anschließend den befüllten Behälter mit Kassenzettel.

Und was ist mit Kosmetika? Die Kosmetikkette Lush wirbt damit, dass rund 70 Prozent ihres Sortiments verpackungsfrei sind. Von der Haarmaske über Spülung bis zur Zahnpasta sind die Artikel frei von Plastikmüll erhältlich.

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Jetzt fehlt nur noch die passende Zahnbürste. Hersteller bieten Bambus- oder Holzzahnbürsten an. Doch nicht bei jeder vermeintlichen plastikfreien Zahnbürste sind auch die Borsten kompostierbar. „Die Frage ist, was ist die Alternative? Es gibt Wurzelholz, auf dem man herumkaut. Das ist für mich aber kein Zähneputzen“, sagt Stephanie Silber, Redakteurin des Naturkostmagazins „Schrot und Korn“, beim Einkaufen im Bio-Laden. Bei der Drogeriekette DM gibt es komplett kompostierbare Bambus-Zahnbürsten. Zudem kann man bei Drogerieketten bis Bioläden zwischen Bambus- oder Papierschacht bei Wattestäbchen wählen.

Kundinnen können dort auch wiederverwendbare Menstruationstassen kaufen. Doch wer möchte solche Produkte benutzen? „Ich bin kurz davor, die Menstruationstasse auszuprobieren. Benutze allerdings gerade noch Baumwolltampons“, sagt Stephanie Silber.

von Lilian Schmitt 

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