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Der Glockenturm der Schule am Landgraben soll auch nachts läuten.

Bergen-Enkheim

Unterschriften für Glockengeläut

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Anwohner wollen, dass die stillgelegte Uhr der Schule am Landgraben auch nachts wieder erklingt. Aber: Anders als bei religiösem Geläut ist der Lärm der Schulglocke nicht vom Grundrecht auf freie Religionsausübung geschützt.

Manch Frankfurter würde sich wohl über weniger Lärm in der Nacht freuen. Nicht so in Bergen-Enkheim: Dort wollen Ortsbeirat und Anwohner die Glocken aus der Turmuhr in der Schule am Landgraben Tag und Nacht läuten lassen. In der Sitzung am Dienstagabend verabschiedete der Ortsbeirat 16 (Bergen-Enkheim) einen entsprechenden Antrag.

Seit 106 Jahren läutet die Glocke im alten Gebäude der Grundschule zu jeder Viertelstunde – und das 24 Stunden am Tag. Genauer: Sie läutete. Denn im Moment ist die Schuluhr zum Schweigen verdammt. Dabei sei die Glocke über die Jahre zu einem „unverzichtbaren, identitätsstiftenden Bezugspunkt der Bewohner geworden“, heißt es in dem Antrag.

Im Stadtteil kursierte das Gerücht, die Uhr würde wegen der Beschwerden eines Anwohners ruhiggestellt. Doch ganz so ist es nicht. Zwar habe sich ein Anwohner über den Lärm beschwert, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Reiß. Momentan schweige die Glocke aber, weil sie gewartet werde. Für die Zeit danach stehe ein Kompromiss im Raum: Statt der bisherigen 24 Stunden, solle sie nur noch zwischen 6 und 22 Uhr läuten.

Das für die Wartungsarbeiten zuständige Baudezernat bestätigte diese Version der Geschichte gegenüber der FR. Die Glocke zwischen 6 und 22 Uhr läuten zu lassen, bezeichnete Dezernatssprecher Günter Murr als „vernünftigen Kompromiss“. Das finden die Ortsbeiratsmitglieder nicht. Die Stadt müsse die Uhr wieder im „gewohnten 24-Stunden-Rhythmus“ in Betrieb setzen lassen, fordern sie.

Anwohner sammeln Unterschriften

Auch Anwohner sammelten im Vorfeld der Sitzung Unterschriften für das nächtliche Gebimmel. Rund 450 Menschen unterzeichneten eine Liste. Um dem Antrag Nachdruck zu verleihen, wird die Unterschriftenliste jetzt angehängt. „Wir möchten, dass die Schuluhr 24 Stunden am Tag schlägt“, sagte die Überbringerin der Liste in der Bürgersprechstunde der Ortsbeiratssitzung.

Nur die Grünen hätten sich mit dem Kompromiss anfreunden können. „Aber wir haben auch verstanden, dass die Bevölkerung damit ein Problem hat“, sagte deren Fraktionsvorsitzender Dimitrios Bakakis. Schlussendlich stimmte auch seine Partei dem Antrag zu.

Dezernatssprecher Murr gab im Gespräch mit der FR vorsichtig Entwarnung: Man werde den Antrag berücksichtigen und nichts gegen den Willen des Ortsbeirats unternehmen. Allerdings sei noch unklar, wann die Wartungsarbeiten abgeschlossen sind. Geht es nach dem Ortsbeirat, sollte es die Stadt im Zweifel auf einen Rechtsstreit ankommen lassen. „Der Regelbetrieb soll auch im Konfliktfall verteidigt werden“, heißt es in dem Antrag. Es gebe in der Stadt scheinbar die Linie, juristischen Konflikten aus dem Weg zu gehen, kritisierte Rainer Lehmann (Linke).

Wenn es soweit kommt, wäre die Lautstärke der Glocke entscheidend. In Wohngebieten liegen die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmgrenzwerte nachts bei 40 und tagsüber bei 55 Dezibel. Anders als bei religiösem Geläut wäre der Lärm der Schulglocke nicht vom Grundrecht auf freie Religionsausübung geschützt.

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