+
Aktivisten gegen Steinigung an der Hauptwache am Samstag, 28. August.

Steinigungen im Iran

Unterschriften gegen die Barbarei

  • schließen

Die Demonstration gegen die Steinigung von Sakineh Ashtiani fällt wegen des Wetters eher klein aus

Gut hörte sich das an, ein Aufruf an die Weltbürger: 100 cities around the world against stoning, eine Hundertschaft an Metropolen, in denen sich die Menschen unmissverständlich gegen das Steinigen von verurteilten Straftätern im Allgemeinen und die Exekution der Iranerin Sakineh Ashtiani durch ihre Regierung im Besonderen aussprechen. Frankfurt sollte eine dieser Metropolen sein.

Tatsächlich wurde auch am Samstagnachmittag an der Hauptwache gegen die geplante Steinigung Ashtianis protestiert. Aber nur kurz. Und nur von wenigen. Kurz, weil nach schon 40 Minuten ein Platzregen die Demo auseinandertrieb. Zum Protest versammelten sich vielleicht 60 interessierte Umstehende. Unter den 13000 Menschen, die sich statistisch gesehen während der Geschäftszeit zu jeder Stunde auf der Zeil einfinden, wirkte die Gruppe etwas verloren.

„Hast Du das gesehen? Steinigung!“ „Jaja, komm!“ Die Halbwüchsige zieht ihren kleinen Bruder weiter. „Hey, bleibt doch mal stehen. Da geht’s um ’ne Steinigung.“ Der Ruf der jungen Frau kümmert ihre männlichen Begleiter nicht, sie gehen blicklos weiter. Das sind die, die zwar nicht auf den ausgebreiteten Stoffbahnen gegen die barbarische Strafe unterschreiben. Die aber zumindest mitbekommen, wie mit einer Freiwilligen die Tötung sinnbildlich inszeniert wird.

Das für die Demonstration verantwortliche „International Commitee Against Stoning“ hatte zudem schon zwei beschriebene Bahnen mitgebracht, wenige Menschen nur nutzten die leeren für ihren Protest. Auch das Abspielen vornehmlich ostdeutscher oder kommunistischer Protestsongs tat der Sache keinen sonderlichen Dienst. Zudem fehlte die bei Anti-Iran-Demos sonst verlässliche Abordnung des persischen Exils.

Aber Eindruck machte die Demonstration für das Leben von Sakineh Ashtiani trotz alledem. Weil diejenigen Aktivisten, die dort waren, optisch so extrem kontrastierten mit dem weltweit verbreiteten Bild Ashtianis, dem einer typisch verhalten blickenden Iranerin in Schwarz, dass kaum einem Beobachter der Unterschied zwischen den beiden Staatsformen Demokratie und Theokratie verborgen bleiben konnte.

Solidarität mit dem iranischen Exil
Der Fall Mostafaei

Kampagne gegen Steinigungen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare