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Die Expertenrunde (v.l.): Yossi Maaravi, Jochen Siegert, Thomas Funke und Andreas Hackethal mit Moderator Daniel Cronin.

Startup

Unternehmergeist aus Tel Aviv

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Die Goethe-Uni wirbt für Finanzinnovation am Standort Frankfurt. Einen Eindruck vom neuen Unternehmensbrutkasten machte sich auch der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir (Grüne).

Wie ein frischer Wind verteilt sich Euphorie im Casino-Gebäude der Goethe-Universität. Es ist die Vorfreude auf das, was Frankfurt werden könnte, wenn die Stadt dem Beispiel Tel Avivs folgt. Seit Jahren schon rangiert die israelische Stadt unter den besten zehn Standorten für Startups weltweit. Hoffnungen darauf, dass Frankfurt die deutsche Hauptstadt der Finanztechnologie wird, machen die Runde. Das Modewort Fintech, was so viel bedeutet wie „technologisierte Finanzdienstleistungen“, hat längst auch die Goethe-Uni erreicht.

Mit einer ganztägigen Konferenz, der „Tech Ecosystems Dialogue“, feierte die Goethe-Universität nicht nur 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sowie 35 Jahre Frankfurter Städtepartnerschaft mit Tel Aviv, sondern auch die Eröffnung eines neuen Inkubator-Programms. Neben dem bisherigen Gründerzentrum namens Unibator fördert die Universität nun auch spezialisierte Fintech-Gründer.

Ein Unternehmensbrutkasten

Wie im älteren Programm an der Senckenberganlage werden auch im neuen Inkubator im IKB-Gebäude an der Holzhausenstraße Räume zur Verfügung gestellt. Schon jetzt seien sie fast vollständig ausgebucht, sagt der Programmleiter Sebastian Schäfer. Intensives Mentoring und umfassender Austausch mit der Finanzindustrie sollen Gründungen zukünftig zu schnellem Wachstum verhelfen.

Einen Eindruck vom neuen Unternehmensbrutkasten machte sich am Dienstagabend auch der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir (Grüne). „Frankfurt habe alles zu bieten, um ein wachsender Fintech-Standort zu werden“, sagte der Minister. Tatsächlich gebe es trotz aller Bemühungen der Universität und der Wirtschaftsförderung auch eine Lücke, die es zu schließen gelte, räumte er am Rande der Konferenz ein. Noch immer scheitern Ideen an mangelnder Kapitalisierung in den frühen Phasen. An diesem Thema gelte es noch zu arbeiten.

Doch auch in Eigeninitiative bemühten sich Serien-Unternehmer, Wissenschaftler und Juristen auf den Podiumsdiskussionen, des Rätsels Lösung zu finden. Derzeit ist Frankfurt nämlich – trotz der Nähe zur Finanzbranche – weit davon entfernt, mit Top Fintech-Regionen Silicon Valley, Stockholm oder Tel Aviv zu konkurrieren.

„Was wir brauchen, um ein Ökosystem für Startups zu schaffen, ist mehr Mut zum Scheitern“, sagte die aus Israel angereiste Juristin und Fintech-Expertin Hili Cohen. In der verpflichtenden Armeeausbildung würden junge Menschen in Israel die Möglichkeit erhalten, sich in IT-Projekten zu beweisen, in einem sicheren Umfeld zu scheitern und von vorne zu beginnen.

Inwiefern israelische Startups anders arbeiten, können Teilnehmer des neu gegründeten Fintech Labs in Zukunft selbst herausfinden. Wie das Startup Fino werden junge Gründer zukünftig Schnupperaufenthalte im Tel Aviver Universitätsinkubator absolvieren können.

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