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Unternehmen zur Ukraine-Krise: Messe sagt Russlandgeschäft ab

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Von: Florian Leclerc

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In Frankfurt haben am Samstag, 26. Februar, tausende Menschen für den Frieden in der Ukraine demonstriert.
In Frankfurt haben am Samstag, 26. Februar, tausende Menschen für den Frieden in der Ukraine demonstriert. © Monika Müller

Die Messe Frankfurt veranstaltet in diesem Jahr keine Messen in Russland. Bei der IHK Frankfurt gehen derzeit viele Anfragen von Unternehmen zur Ukraine-Krise ein.

Die Messe Frankfurt wird in diesem Jahr keine Veranstaltungen in Russland abhalten. Wie die Messe-Geschäftsführung mitteilte, werden die Veranstaltungen der Tochtergesellschaft Messe Frankfurt RUS bis auf weiteres ausgesetzt.

„Die russische Invasion in der Ukraine bedroht auf nie dagewesene Weise das friedliche Zusammenleben in Europa. Die Messe Frankfurt unterstützt alle Sanktionsmaßnahmen der Bundesregierung“, teilte die Messe-Geschäftsführung mit.

Ursprünglich waren 17 Veranstaltungen mit rund 3900 Aussteller:innen und 155 000 Besucher:innen in Russland geplant, darunter fünf internationale Fachmessen zu Konditorei, Werkzeugbau, Beleuchtung, technischen Textilien und Raumausstattung. Kurz nach Kriegsbeginn war Geschäftsführer Detlef Braun noch davon ausgegangen, die Veranstaltungen könnten wie geplant stattfinden. Diese Position hat die Geschäftsführung nun revidiert.

Auswirkungen der Sanktionen und des Krieges

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt auch die Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet mit Beziehungen zu Russland und in die Ukraine. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt, die eine Servicehotline eingerichtet hat, seien zahlreiche Anfragen eingegangen, berichtet Paul Schmitz, Referent im Geschäftsfeld International der IHK Frankfurt.

In erster Linie sorgten sich die Unternehmen mit Geschäftspräsenz in der Ukraine um die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sagte er. Vereinzelt suchten Firmen nach Möglichkeiten, ukrainische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an anderen Unternehmensstandorten in Deutschland oder in der EU weiterzubeschäftigen. Oft gehe es um Fragen der Durchlässigkeit der ukrainischen Grenze für den Warenverkehr oder sogar schon um Rücktransporte wichtiger Anlagen. Die Fragen zur Lieferfähigkeit beträfen auch das Russlandgeschäft. Natürlich versuchten die Unternehmen auch, die Lieferfähigkeit nach Ausfall der ukrainischen Kapazitäten aufrechtzuerhalten.

Beispielhaft nannte Schmitz ein Unternehmen, dass bislang Kund:innen in Russland per Luftfracht und auf dem Landweg belieferte. Wegen der gegenseitigen Sperrung der Lufträume zwischen Russland und der Europäischen Union bleibe momentan nur noch der Landweg, so dass sich Lieferzeiten mitunter verlängerten.

Der Absturz des Rubels könne sich negativ auf die Ergebnisse deutscher Unternehmen in Russland auswirken, sagte er. Der durch diese Entwicklung erhöhte Leitzins werde das Zinsniveau in Russland ansteigen lassen und die Finanzierung von Investitionen erheblich verteuern. Darüber hinaus müssten die Unternehmen die Kapazitätsausfälle in eigenen ukrainischen Standorten oder bei ukrainischen Lieferanten kurzfristig ausgleichen; andernfalls seien Umsatzziele oder Kundenverträge betroffen.

Zur ukrainischen Business Community im IHK-Bezirk Frankfurt zählten rund 200 Unternehmen. Die russische Community sei mit etwa 300 Unternehmen vertreten. Das Handelsvolumen zwischen Hessen und der Ukraine betrug den Angaben zufolge 2021 etwa 307 Millionen Euro; mit Russland waren es demnach 5,5 Milliarden Euro. Damit nimmt Russland den neunten und die Ukraine den 28. Rang unter den europäischen Handelspartnern Hessens ein.

Nach Angaben der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK Russland) sind noch 3651 Unternehmen aus Deutschland in Russland aktiv. Die Deutsch-Ukrainische Industrie- und Handelskammer (AHK Ukraine) listet rund 2000 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in der Ukraine auf.

Schmitz verwies in dem Zusammenhang auf das Zitat von DIHK-Präsident Peter Adrian: „Ein Krieg ist keine Basis für wirtschaftlich tragfähige Beziehungen“, sagte Adrian. In der deutschen Wirtschaft gebe es großes Verständnis dafür, dass die Politik mit harten und wirksamen Sanktionen gegen die Verursacher reagieren müsse. In Europa müsse man friedlich leben und wirtschaften können.

Hotline der IHK Frankfurt zum Russland- oder Ukrainegeschäft unter Telefon 069 / 219 714 36.

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