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Die Bahn zwischen Königstein und Höchst ist zu Spitzenzeiten überfüllt. 

Unterliederbach

Unterliederbach: Verkehrsinfarkt vermeiden

Der Westen des Stadtteils wächst, nicht nur Häuser entstehen, auch Schulen, womöglich ein Gewerbegebiet. Straßen und Züge sind aber heute schon überlastet.

Die Stadt will Straßen- und Schienenverbindungen im Westen von Unterliederbach untersuchen. Und zwar „vertieft“, mit dem Ziel, die Erschließung zu verbessern. Selbst die fast schon eingemottete Westumgehung als Entlastung für Unterliederbacher und auch Zeilsheimer Straßen kehrt auf den Schreibtisch der Planer zurück. Das kündigt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an.

Immerhin steht dort eine „größere strukturelle Siedlungsentwicklung“ an. 2018 haben sich Stadt und Industriepark auf neue Abstandsregelungen geeinigt. Das macht den Weg frei zur Entwicklung der Parkstadt. Und für einen neuen Bildungscampus für Berufsschulen an der Hermann-Waibel-Allee.

Beide Projekte will die Stadt voran treiben. Das neue integrierte Stadtentwicklungskonzept 2030-plus sieht dort nicht nur Wohnbau vor, sondern auch die „Neuentwicklung von urbanen Stadtquartieren“ und nördlich der Autobahn gar Gewerbestandorten vor. Und der Bildungsausschuss hat gerade erst den neuen Schulentwicklungsplan von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) beschlossen. Darin ist besagter Campus für mehr als 3000 Berufsschüler an der Hermann-Waibel-Allee beschrieben.

Auf dem bisher unbebauten Gelände, das zum größeren Teil Infraserv und zum kleineren Teil der Stadt gehört, sollen die Paul-Ehrlich- und Ludwig-Erhard-Schule neue Gebäude erhalten. Die Paul-Ehrlich-Schule mit ihrem chemisch-biologisch-technisch orientierten Publikum, würde aus Höchst zuziehen. Die Ludwig-Erhard mit ihrem kaufmännischen Schwerpunkt, sitzt bislang an der Legienstraße.

Einen „Meilenstein“ nennt das Hubert Schmitt, der bildungspolitische Sprecher der SPD im Römer. „Bei beiden Schulen besteht schon länger hoher Sanierungsbedarf.“ Andere sind nicht begeistert. Vor allem die Anwohner beklagen, dass die Stadt die letzte Frischluftschneise des Stadtteils verbauen möchte. Und das sind nicht nur Ökos oder Hippies. Selbst CDU-Urgestein Hans Georg von Freyberg ist in die jüngste Sitzung des Ortsbeirats 6 gekommen, um sein Unbehagen auszudrücken.

Von Freyberg verweist auf ein Vorhaben aus dem Jahr 2005, als die Stadt das Areal an der Hermann-Waibel-Allee bereits mit dem wohlklingenden Titel „Grünzug Unterliederbach“ zum Baugebiet mit etwa 200 Wohneinheiten machen wollte – um die „Ortsstruktur in zentraler Lage“ zu schließen, brachliegende Flächen zu revitalisieren und öffentliche Grünflächen zu schaffen. Indes legte die Stadt das Vorhaben damals auf Eis. Das landschaftsplanerisch-ökologische Gutachten bemängelte, dass mit einer Verschlechterung des lokalen Klimas zu rechnen sei, wenn der Grünstreifen schmaler als 50 Meter breit werden sollte.

Derweil sorgt sich der Ortsbeirat auch um die Verkehrsbelastung im Stadtteil. Auf Antrag der CDU hat das Gremium jüngst einstimmig beschlossen, dass die Stadt die Planung „der verkehrlichen Infrastruktur“ vorstellen möge. Für das mögliche Gewerbegebiet zwischen A 66 und Schmalkaldener Straße wie für den Berufsschulcampus. Schon zuvor hatte das Gremium eine bessere Planung angemahnt. Vorschläge gab es. Etwa eine Seilbahn zu bauen oder den S-Bahnhalt „Farbwerke“ besser an das Neubaugebiet anzubinden.

Laut Oesterling schauen sich die Verkehrsexperten tatsächlich „alle Möglichkeiten zur Erschließung“ an. Der „schienengebundene, öffentlichen Personennahverkehr“ stehe dabei im Vordergrund, sagt Oesterling. Ohnehin haben der Dezernent und auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wiederholt angekündigt, prüfen zu lassen, ob die Tramlinie 11 nicht zu verlängern wäre. Bis 2028 soll sie bis zum Höchster Bahnhof rollen, vielleicht, irgendwann, auch darüber hinaus in Richtung Unterliederbach, Ballsporthalle, Jahrhunderthalle, sogar Zeilsheim.

Die Eisenbahnlinie zwischen Höchst und Königstein, via Unterliderbach und Kelkheim, ist ebenfalls am Ende ihrer Kapazitäten angelangt. Zumindest im Berufsverkehr. Die Fahrgäste klagen über Verspätungen, Zugausfälle und überfüllte Waggons. Abhilfe soll ein 15-Minuten-Takt schaffen. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat eine entsprechende Studie beauftragt. Im Sommer 2020 soll feststehen, was nötig wäre, die sogenannte K-Bahn öfter fahren zu lassen.

Etwa, ob auf der eingleisigen Strecke zwischen Kelkheim und Höchst die Ausweichstellen für entgegenkommende Züge verändert werden müssen. Das würde umfangreiche Planungen und Investitionen in Millionenhöhe erfordern. Längere Züge haben die Planer bereits auf der Strecke eingesetzt.

Aber auch die sogenannte Westumgehung von Unterliederbach stehe „in Varianten“ zur Untersuchung, sagt Oesterling. Teile des Ortsbeirats 6 fordern die neue Straße recht vehement ein.

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