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Margurit Aßmann.

Unterliederbach

Unterliederbach: Trauer um eine große Kämpferin

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Die streitbare Christin Margurit Aßmann, genannt „Maggi“, ist am Freitagabend an Krebs verstorben. Unermüdlich engagierte sich die Caritasbeauftragte viele Jahre im Pfarrgemeinderat von St. Johannes Apostel (Frankfurt-Unterliederbach).

Wenn ihr die Sache wichtig war, ging Margurit Aßmann keinem Streit aus dem Weg. Dann konnte ihr Zorn auch den Papst treffen. Doch die Frau mit dem herzerfrischenden Lachen konnte verzeihen, und sie war keinem lange gram. Tief in ihrem christlichen Glauben verwurzelt, hat sie dort angepackt, wo sie Not sah. Dabei konnte es ihr oft nicht schnell genug gehen. „Ratzfatz“, das war ihr Lieblingswort.

Fahrt nahm ihr soziales Engagement 1993 auf, als der Pfarrgemeinderat der katholischen Gemeinde St. Johannes-Apostel beschloss, dem sozialen Brennpunkt Unterliederbach-Ost entgegenzutreten und die Arbeit der gemeindlichen Caritas neu zu strukturieren. Zusammen mit engagierten Gemeindemitgliedern und mit der Unterstützung des Caritasverbands entstanden in Unterliederbach eine Allgemeine Lebensberatung (1995), der Kinder-Kleider-Korb (1995), der Verein „Caritas der Gemeinde“, das „Hilfenetz“ (2000), die Second-Hand-Initiative „Kleider im Werkhof“ (2001) und der Kleiderladen am Alleehaus (2009).

Sie engagierte sich über Gemeindegremien hinaus etwa im Beirat „Soziale Stadt“ und wirkte mit, um bauliche Veränderungen und soziale Herausforderungen in Unterliederbach zu meistern. Die Unterliederbacher wurden zum Vorbild für andere; das „Hilfenetz“ etwa gibt es auch in Sindlingen und Zeilsheim. Margurit Aßmann lief den Unterliederbacher „Caritas-Pfad“, der die sozial-karitativen Einrichtungen verbindet, mit Interessierten aus dem In- und Ausland, so auch mit Bischof Georg Bätzing.

Margurit Aßmann war in ihrer Unterliederbacher Gemeinde fest verwurzelt, aufgewachsen nicht im „alten Ort“, sondern am Sossenheimer Weg. Nach dem Abschluss an der Elisabethenschule in Hofheim lernte sie im Hofheimer Krankenhaus den Beruf der Krankenschwester. Im Höchster Klinikum arbeitete sie später unter anderem in der Frauenklinik.

Ihr ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde St. Johannes-Apostel geht auf das Jahr 1973 zurück, als sie begann, sich im Zeltlager der Gemeinde um Kinder zu kümmern. Drei eigene Kinder, dazu ihr Engagement als Elternbeirätin: „Glück, eine gute Partnerschaft und Menschen, die viel zulassen“ – das, so sagte sie einmal, seien die Voraussetzungen ihres Engagements gewesen. Sie hat dafür das Bundesverdienstkreuz erhalten. Von 1991 bis 2004 und von 2008 bis 2018, bis zum Werden der Großpfarrei, war sie Vorsitzende des Pfarrgemeinderats von St. Johannes-Apostel; danach wurde sie Vorsitzende des Ortsausschusses. Sie wollte Gemeinde gestalten. Neue Pfarrer hörten von ihr den Satz „Sie gehen ja irgendwann – wir bleiben.“

Am Abend des 13. Dezember ist Margurit Aßmann im Höchster Klinikum gestorben. „In den Tagen hatten noch viele von ihr Abschied nehmen können“, sagt Barbara Wieland für den Ortsausschuss der Gemeinde. Denn „Maggi“ war am Puls der Zeit, daher auch auf Facebook, und alle, die ihr daüber in der Woche vor ihrem Tod zu ihrem Geburtstag gratulieren wollten, hatten erfahren, wie es um sie stand.

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