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Gemüse statt Beton: Dort, wo 1000 Wohnungen entstehen sollen, vermieten die Christians Parzellen zum Gärtnern.
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Gemüse statt Beton: Dort, wo 1000 Wohnungen entstehen sollen, vermieten die Christians Parzellen zum Gärtnern.

Unterliederbach

Neubaugebiet Parkstadt: Saisongärten auf begehrtem Acker

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Biobauern verpachten im geplanten Neubaugebiet der Parkstadt Parzellen, um zu zeigen, wie wertvoll der Boden ist. Die Stadt plant in dem begehrten Gebiet 1000 Wohnungen.

Wenn Dieter Christian von dem Acker erzählt, auf dem er steht, gerät er ins Schwärmen. „Hier gibt es sechs Meter tiefe, steinfreie Parabraunerde“, sagt der Bio-Landwirt aus Unterliederbach und nimmt ein Stück der „erstklassigen und einzigartigen Erde“ in die Hand. Denn sie sei ertragreich und habe die Fähigkeit, Wasser lange zu speichern: ein wichtiger Faktor, weil der Acker in einem Trockengebiet liege. „So ein Boden braucht eine Million Jahre, um zu entstehen. Wenn er bebaut wird, ist er irreversibel verloren“, sagt Christian und berichtet, dass „sich Bauern schon seit 25, 30 Jahren gegen eine Versiegelung wehren“.

1000 Wohnungen sollen in dem begehrten Gebiet südlich der Autobahn 66 und nördlich des Unterliederbacher Neubaugebiets, der sogenannten Parkstadt, entstehen. Deshalb verpachtet Christian „Saisongärten“ auf der Ackerfläche, die ab Mai bewirtschaftet werden. „Mit den Gemüsegärten demonstrieren wir, wie wertvoll dieses Gebiet ist“, sagt der 58-Jährige, der seinen Hof in fünfter Generation führt.

Sohn Leif zeigt, was auf der etwa 2000 Quadratmeter großen Fläche wachsen soll. Als Erstes haben sie Kartoffeln gepflanzt. Weitere auf dem Hof vorgezogene, kälteempfindliche Pflänzchen wie Auberginen, Paprika, Karotten und Zwiebeln kommen im Mai in die Erde. Auch Salat und Kräuter werde es geben und es sollen Blühstreifen für Insekten wachsen. „Wir wollen das Know-how aus unserem landwirtschaftlichen Betrieb einbringen“, sagt Leif Christian. Neben der Wasserversorgung steuern er und sein Vater zwei Drittel der Pflanzen bei. Ein Drittel können die Hobby-Gärtner:innen nach ihrem Geschmack anbauen.

„Für Städter gibt es zu wenige Möglichkeiten, zu erfahren und zu lernen, wo ihr Essen herkommt“, sagt Christian Haak vom BUND-Ortsverband West, der eine Bebauung ebenfalls ablehnt. „Bestes Ackerland“ für Wohnungsbau zu opfern, hält er für „Unsinn“ und weist darauf hin, dass die 18 Hektar Acker und Wiesen laut „Klimaatlas“ als „Kaltluftentstehungsgebiet“ dienen.

Tanja Wiemers hat nicht gezögert, eine der Saisonparzellen, die monatlich 50 Euro kosten und bis Oktober genutzt werden können, zu pachten. „Ich freue mich schon auf die Ernte“, sagt die 56-jährige gebürtige Unterliederbacherin, die mit Mann und Katze seit sieben Jahren in der wenige Hundert Meter entfernten Parkstadt wohnt. Sie zeigt in Richtung Reihenhäuser. Dort habe sie nur einen kleinen Garten. „Über Kräuteranbau bin ich bisher nicht hinausgekommen“. Besonders gefalle ihr an dem Konzept, dass die Christians an Wochenenden zeigen wollen, wie der Gemüseanbau funktioniert. Als „kleine Oase“ bezeichnet sie das Gebiet zwischen kaum zu hörender Autobahn und dem Höchster Industriepark, aus dessen Schloten der aufsteigende Rauch zu sehen ist. „Käuzchen“, Nachtigallen und Füchse habe sie schon gehört.

Auch Fasane, Bussarde und Hasen seien dort beheimatet, berichtet Andreas Borchert. Er will mit seiner Familie ebenfalls einen der 50 Quadratmeter großen Saisongärten bewirtschaften und ist wie seine Frau Susanne Mitglied der Initiative „Plantarium statt Parkstadt II“. Neben der Nahversorgung – „regionaler kann man nicht sein“ – hebt der 59-Jährige den Charakter der Naherholung hervor. Die Initiative berichtet, dass Zeilsheim und Unterliederbach pro Einwohner:in deutlich weniger Grünflächen zur Verfügung hätten als der Frankfurter Durchschnitt. Daneben verweist sie auf eine „unzureichende Durchsetzung der EU-Richtlinie Seveso III“, weil „bei einer Bebauung zusätzlich Menschen einem Gesundheitsrisiko durch die Nähe zum Industriepark ausgesetzt seien“. Susanne Borchert sagt: „Wir haben eine Vision, was hieraus werden könnte.“ Beim Gärtnern solle etwa das benachbarte Kinderzentrum der Johanniter „Jokiz“ sowie der geplante „Bildungscampus“ miteinbezogen werden, „damit Kinder erleben, ein kleines Pflänzchen groß zu ziehen“. Tochter Karlotta ist schon auf eine besondere Anpflanzung gespannt: „Melone finde ich interessant“, sagt die 15-Jährige. In der Tat sollen auch Honigmelonen auf dem Unterliederbacher Feld wachsen. Dieter Christian ist optimistisch. Denn bei einem Experiment im Vorjahr hätten sie bereits ihre ersten Melonen geerntet.

Wer einen der zehn Saisongärten in Unterliederbach, nördlich des Hortensienrings pachten möchte, kann Bio-Landwirt Dieter Christian telefonisch unter: 069 / 30854575 oder per Mail an: info@best-farm.de kontaktieren

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