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Dr. med. Barbara Klein (Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin) in ihrem Arztzimmer im Klinikum Höchst.

Hilfsangebot

Kinderärztin in Unterliederbach: Ganz gelassen Leben retten

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Kinderärztin Barbara Klein aus Unterliederbach baut eine Epilepsie-Ambulanz in Kamerun auf. 

Barbara Klein hat die richtige Entscheidung getroffen. Sie ist Ärztin geworden, genauer Kinderärztin. Mit 13 Jahren hat die heute 41-Jährige das beschlossen. „Der menschliche Körper hat mich fasziniert.“ Klein wollte wissen, wie das alles funktioniert. Gut, sie hätte auch Bio studieren können. „Aber darunter konnte ich mir damals nichts vorstellen.“

Heute ist sie dankbar, dass sie Menschen helfen kann. Sie tut das in der Ambulanz der Kinderklinik in Höchst. Die Ärztin wird ihr Tätigkeitsfeld aber vergrößern. Klein baut eine Epilepsie-Ambulanz für Kinder in Kamerun auf. Standort ist die Millionenmetropole und ehemalige Hauptstadt Duala, im Westen des Landes. Barbara Klein kennt sich aus. Sie hat in das Land eingeheiratet. Ihren Mann hat sie im Studium kennengelernt, seit 20 Jahren sind sie liiert. Interesse am Kontinent hat sie vorher bereits entwickelt.

„Ich komme aus einer 30 000-Seelen-Stadt, da gab es keine Ausländer.“ Dann taucht doch einer auf, ein Ghanaer, der Barbara Klein nach dem Weg fragt. Der Schülerin fällt auf, dass sie nichts weiß über die große Welt. Sie beschließt, das zu ändern, hält ein Referat über Ghana. Später, im Studium, macht sie auch ein Praktikum dort.

Inzwischen ist Duala, Kamerun, so etwas wie ihre zweite Heimat. Sie bewundert die Gelassenheit und Lebensfreude der Menschen dort, „obwohl alles schwierig ist“. Die Kameruner „leben von Tag zu Tag, sind nicht so kopflastig“. Was in der Beziehung mit ihrem Mann zuweilen auch schwierig sei, scherzt sie.

Das Projekt Kamerun ist Teil des Vereins Partnerschaft Gesunde Welt – Klinikverbund Südwest. Das Projekt Kamerun sammelt Geld, um eine Epilepsie-Ambulanz vor Ort einrichten zu könne. Die medizinische Leitung übernimmt die Frankfurter Kinderärztin Barbara Klein (von der Kinderklinik Höchst). Kontakt über Telefon: 0151 / 67 79 04 05, E-Mail: kontakt@ projekt-kamerun.de

Spendenkonto: Partnerschaft Gesunde Welt Klinikverbund Südwest e.V. / Vereinigte Volksbank AG / BIC: GENODES1BBV / IBAN: DE76 6039 0000 0443 7390 05 / Verwendungszweck „Projekt Kamerun“ sky

So schlimm kann es nicht sein, Klein ist eine Person, die Dinge ändert, die sie wirklich stören. Etwa die medizinische Versorgung in Kamerun. Lediglich einen Kinderneurologen gebe es im ganzen Land, sagt sie und schüttelt den Kopf. Dabei sei die Behandlung der Epilepsie mit einem sogenannten EEG-Gerät, ein paar Medikamenten und dem richtigen Know-how bei etwa 50 Prozent der Fälle wirksam.

Vor drei Jahren ist Klein mit Mann und den drei Söhnen in den Stadtteil gezogen. St. Aposteln unterhält bereits eine Kooperation mit Kamerun. „Die Bereitschaft ist groß, zu helfen“, sagt sie. Auch ihre Kollegen unterstützen sie. Ihre Chefin hat einen Batzen Geld für das Projekt gespendet. Die Krankenschwester Katrin Elliesen hat sich bereit erklärt, mit nach Kamerun zu fahren und dort Pflegepersonal zu schulen.

Im Haus ihrer Schwiegermutter hat sie Praxisräume renoviert. Jetzt muss sie sie einrichten. 20 000 Euro benötigt sie. „Damit könnte ich schon viel machen.“ Ein EEG-Gerät zum Beispiel anschaffen. Klein würde vor Ort behandeln und Mitarbeiter schulen. „Alle halbe Jahr“ wäre sie da, um ein Team aus Ärzten und Pflegepersonal aufbauen.

Dafür sammelt sie Spenden. Klein hat vor Ort einen Verein gegründet, in Frankfurt eine Initiative, die am Verein „Partnerschaft Gesunde Welt – Klinikverbund Südwest“ angeschlossen ist. Für 12. Juni plant die Ärztin einen Benefiz-Filmabend in der St. Apostel-Gemeinde in Unterliederbach. Zu sehen ist die Doku „Yves’ Versprechen“ von Melanie Gärtner.

Den Film hat sie Anfang Februar im Filmmuseum gesehen. „Er zeigt die Situation in Kamerun recht gut.“ Die „unfassbare Armut“, die Korruption. Beziehungen und die Familie sind unheimlich wichtig. Yves, der Protagonist im Film, verlässt das Land Richtung Europa. Er geht aber nicht für sich selbst weg, sondern für die Familie. „Das ist kein Mensch, der sich bereichern will“, sagt Klein. Ihrem Mann ist es ähnlich ergangenen. Das erste, was er machen musste, ist seinem Bruder ein Studium in Frankreich ermöglichen.

Auch Schwiegertochter Klein will mehr zum Wohl der Familie beitragen. Eine Behandlung beim Facharzt können sich die wenigsten in Kamerun leisten. Die Löhne seien katastrophal niedrig. Pflegekräfte richten Ambulanzen ein, neben ihrem Job im Krankenhaus, ersetzen den Arzt. Barbara Klein wird keine horrenden Honorare aufrufen, sagt sie. Nur die Kosten will sie einspielen, für Wasser, Strom. Wichtiger ist ihr, dass die Patienten ihre Medikamente über einen längeren Zeitraum finanzieren können. Sie möchte Ärztin sein, die sich die Menschen leisten können.

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