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Bernardo Sprung auf dem Bolzplatz des Sieringparks.

Unterliederbach

Unterliederbach: Brückenbauer auf zwei Rädern

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Der neue Quartiersmanager Bernardo Sprung ist am liebsten per Pedale unterwegs. Er möchte die Nachbarn miteinander in Kontakt bringen.

Mit dem Fahrrad kommt Bernardo Sprung täglich aus Hofheim zu seinem Arbeitsplatz im östlichen Unterliederbach. Auf zwei Rädern, manchmal auch zu Fuß, erkundet der Caritas-Quartiersmanager auch am liebsten sein Viertel rund um die Sieringstraße und die angrenzende Siedlung Engelsruhe.

Bei diesen Touren durch den Stadtteil treffe er häufiger auf Bewohner, die ihn mit einem Anliegen ansprechen würden. „Viele Gespräche führe ich auf dem Weg von A nach B“, sagt der 40-Jährige. Vor rund einem halben Jahr hat er den Posten des Quartiersmanagers von Marja Glage übernommen. Was mit dem Fußballplatz im Emil-Siering-Park sei, hätten ihn etwa schon mehrmals Jugendliche gefragt. Für den Bolzplatz wünschen sie sich einen neuen Belag, außerdem Fangnetze hinter den Toren. Und Toiletten und Sitzbänke auf dem Spielplatz.

Sprung erklärt den Jugendlichen dann, dass das Grünflächenamt miteinbezogen sowie ein Plan für eine Finanzierung eingereicht werden muss. Dem ehemaligen Schulsozialarbeiter, der in der Jugendhilfe für die Caritas in Niederrad und Höchst gearbeitet hat, ist es wichtig, junge Leute in demokratische Prozesse einzubeziehen und zur Beteiligung zu motivieren. Zudem will er als „Brückenbauer und Vermittler“ agieren, wenn es etwa um die Lautstärke im Sieringpark geht. Die Balkone der Senioren-Wohnanlage zeigen Richtung Park, ältere Menschen beschweren sich über Lärm. Mit den Bewohnern hat Sprung die Idee entwickelt, „Park-Paten“ einzusetzen, die „moderierend“ tätig werden.

Zentral für ihn sei es ohnehin, dass die Nachbarn miteinander ins Gespräch kommen. „Wenn man sich kennt, nimmt man auch mehr Rücksicht“, sagt er. Der Begriff „Barrierefreiheit“ schließe nicht nur Wege ohne Hindernisse ein, sondern auch „Kontaktmöglichkeiten“ unter den Stadtteilbewohnern.

Als Ansprechpartner ist er wöchentlich an zwei Stellen anzutreffen: Neben seinem Büro in der Sieringstraße, das die Caritas vor eineinhalb Jahren in der Senioren-Wohnanlage des Frankfurter Verbands eingerichtet hat, weilt Sprung auch noch einmal wöchentlich für Sprechstunden im Bewohnertreff der Siedlung Engelsruhe.

Nach fünf Jahren Engelsruhe ist das Quartiersmanagement weiter südlich in die Sieringstraße gezogen, um für die dortigen Bewohner eine „niedrigschwellige Anlaufstelle“ zu bieten. Sprung denkt über Siedlungs- und Stadtteilgrenzen hinweg. Er habe „für alle ein offenes Ohr“ und wolle „Verbindungen herstellen“.

Schon als Kind habe der gebürtige Hofheimer aus dem Auto heraus die Hochhäuser am Cheruskerweg gesehen, die direkt an die Autobahn 66 gebaut worden sind. Ohne Bewertung habe er sich gefragt, wer dort wohne. „Ich hatte nie viel mit Unterliederbach zu tun und hätte nie gedacht, dass ich da mal stehen werde“, sagt der Vater zweier junger Söhne heute. In dem zunächst für ihn anonym wirkenden Quartier sei er auf „nette und offene“ Bewohner gestoßen. „Kein bisschen anonym“ gehe es zu, berichtet er.

„Ich war positiv überrascht und wurde total gut aufgenommen“, sagt Sprung. Künftig will er die „gut funktionierenden Strukturen der einzelnen Einrichtungen“ nutzen und mehr Nachbarn mit den gleichen Interessen zusammen bringen.

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