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Regenwetter

Unter der Erde herrscht extreme Dürre

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Frankfurter Forstchefin wünscht sich noch mehr Niederschlag – und einen verregneten Sommer. Das würde dem Wald aus mehreren Gründen helfen.

Täglich grüßt die Wettervorhersage-App: Regen und Schneefall, so weit die Prognosen reichen. Fast scheint es, als wolle es nie wieder aufhören. Und doch: Die Natur hat noch lange nicht genug. Vor allem die Bäume können viel mehr Wasser gebrauchen, als wir bisher hatten.

„Für den Wald ist das Wetter sehr, sehr gut“, sagt Tina Baumann, die Leiterin der Abteilung Stadtforst im Frankfurter Grünflächenamt. Sie ist, was einst Oberförsterin genannt wurde, und sie versichert: „Da darf gern noch mehr kommen.“ Der Boden, von harten Sommern ausgetrocknet, ausgehungert, brauche Wasser, viel Wasser. „Zu nass kann’s für den Wald im Moment gar nicht sein.“

Der Niederschlag erreicht die Bäume und dringt nach und nach tiefer in den Boden ein – jedenfalls an den meisten Stellen. „Es gibt aber Bereiche, da können wir uns nur wundern“, sagt Baumann. In Schwanheim etwa lägen unter der morastigen Deckschicht, wie sie zurzeit überall anzutreffen ist, oftmals nur zehn bis zwanzig Zentimeter feuchter Boden: „Und dann wird’s schon wieder trocken.“ Das komme aber ganz auf den Standort an; der sandige Boden in Schwanheim sei ein Sonderfall. Generell gilt für die Forstleute: Eine Laubschicht ist wasserdurchlässiger als Nadelstreu.

Die oberen Bodenschichten in weiten Teilen Hessens seien mittlerweile zwar „gesättigt bis übersättigt“, sagt auch der Agrarmeteorologe des Deutschen Wetterdienstes, Andreas Brömser. Allmählich komme das Wasser in unteren Schichten an, „aber sehr langsam“.

Nässe schadet Schädlingen

Das belegen die Daten des Wetterdienstes und des Dürremonitors beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung: Oberflächlich ist die Erde nass. In die tieferen Schichten, gar ins Grundwasser, ist der Dauerniederschlag aber noch nicht weit genug vorgedrungen. In 1,80 Meter Tiefe zeigt der Dürremonitor stellenweise nach wie vor „extreme“ bis „außergewöhnliche Dürre“.

In diesen tieferen Bereichen wirkt der Sommer laut Brömser noch nach. Bei durchgetrockneten Böden dauere es länger, bis sie wieder Wasser aufnehmen können. „Die Böden waren soweit ausgetrocknet und die Wasserspeicher soweit geleert“, sagt Brömser. Auch die relativ nassen Winter aus diesem und dem vergangenen Jahr hätten nicht gereicht, um die Speicher wieder aufzufüllen.

Während Brömser dem Boden nach den ergiebigen Schauern nun gern eine Pause gönnen würde, zum Versickern und Durchatmen, hält die Frankfurter Forstchefin davon nichts. Aber schadet der Dauerregen denn nicht irgendwann der Standfestigkeit der Bäume? Können die sich im weichen Boden noch festhalten? „Das macht erst einmal nichts“, sagt Tina Baumann. „Probleme könnten wir erst bekommen, wenn es Sturm gibt.“ Dann könnte der Wind tatsächlich Bäumen etwas anhaben, deren Wurzeln zu locker geworden sind. Und wenn man vom Teufel spricht – es ist ja momentan durchaus starker Wind angesagt. „Da müssen wir die Luft anhalten“, formuliert Baumann treffend.

Eine andere Wetterwirkung könnte vielleicht sogar etwas Positives bringen: Langanhaltende Nässe macht Schädlingen das Leben schwer, weil die Feuchtigkeit Pilze bildet, die wiederum Käfernachwuchs befallen.

Außerdem haben erholte, gut gewässerte Bäume genug Widerstandskraft, um sich etwa gegen Borkenkäfer zu wehren. Sie schwemmen mit ihrem Harz die Eindringlinge regelrecht weg. „Dafür hatten sie zuletzt gar keine Energie mehr“, sagt Tina Baumann. Sie rechnet damit, dass die Borkenkäfer auch in diesem Jahr wiederkommen, denn es fehlt der große Frost, der Schädlinge auch im Boden dezimieren könnte. Doch wenn es lang genug regnet, seien die Bäume hoffentlich gewappnet.

Eine Garantie dafür kann aber auch das nasseste Regenfrühjahr nicht bieten. Kommt ein trockener Sommer wie die drei zurückliegenden, kommen auch die Probleme für den Wald wieder. Insofern: „Ein verregneter Sommer würde uns gut tun“, sagt die Forstchefin. Und letztlich meint sie damit nicht nur die Bäume, sondern uns alle. mit dpa

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