Erinnerung

Unsere Nummer Sieben

Die unerträgliche Stille in der Redaktion

Es war eine E-Mail, die mir von Deinem Tod berichtet hat. „Liebe Kolleginnen und Kollegen, gestern Abend ist Felix Helbig gestorben...“ Für einen Scherz war der Text viel zu ernst, für die Wahrheit viel zu unwirklich. Ich saß in der S-Bahn, war auf dem Weg ins Büro und starrte wie versteinert auf mein Handy. Wie jeden Morgen würde ich an Deinem Tisch vorbeilaufen, Dich mit einer Kaffeetasse in der Hand durch den Newsroom schreiten sehen, zu den Kollegen Krieger und Behr vor der Tür zum Rauchen. Die Stille bei meiner Ankunft war unerträglich.

In meinem Kopf höre ich immer noch deine aufgesetzte harsche Stimme, die Du mit einem schelmischen Grinsen versahst: „Du hast jetzt genug geladen“, wenn du mein Telefon vom Ladekabel gestöpselt hattest und Dein eigenes anschließen wolltest.

Im Gegenzug musstest Du dir blöde Sprüche anhören: „Unsere Nummer Sieben“ wurdest Du vom Behr, Majic und mir genannt, als Du vom Medium-Magazin zu den 30 wichtigsten Journalisten unter 30 Jahren gewählt worden bist. „Der zukünftige Chefredakteur“, scherzten wir. Ich hatte keinen Zweifel, dass es irgendwann einmal so kommen würde: Felix Helbig, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Dass du dazu die Chance nicht mehr bekommen wirst, finde ich unendlich traurig.

Leider gibt es im Leben Dinge, auf die wir Menschen keinen Einfluss haben.

Timur Tinç

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