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Mustafa Kurnaz, Leiter des Sportjugendhauses.
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Mustafa Kurnaz, Leiter des Sportjugendhauses.

Frankfurt-Rödelheim

„Unsere Arbeit hat sich ausgezahlt“

  • Sonja Thelen
    VonSonja Thelen
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Früher hatte das Jugendhaus Rödelheim einen schlechten Ruf. Dann hat die Sportjugend Frankfurt die Leitung des Jugendhauses übernommen. Seitdem gibt es ein Sportangebot und der Sporttrainer und Sozialberater Mustafa Kurnaz setzt auf die Vermittlung von Werten wie Disziplin und Toleranz. Mustafa Kurnaz

Früher hatte das Jugendhaus Rödelheim einen schlechten Ruf. Es gab Probleme mit Gewalt, Pöbeleien oder Drogen. Im Sommer 2003 hat aber die Sportjugend Frankfurt die Leitung übernommen. Das neue Team setzt auf ein Sportangebot und die Vermittlung von Werten wie Disziplin und Toleranz. Der lizensierte Sporttrainer und studierte Sozialberater Mustafa Kurnaz (44) leitet die Einrichtung seit 2003.

Herr Kurnaz, hat sich durch Ihre Arbeit das Verhalten, vor allem der männlichen Jugendlichen und jungen Männer verändert?
Ja. Vor allem, weil sich seither einiges im Jugendhaus geändert hat. Die Besucher damals waren andere. Viele hatten keine Perspektive. Das Konzept war nicht auf sie eingestellt. Unser Ansatz war und ist der Sport in Kombination mit einem pädagogischen Angebot.

Wie hat sich nun seither die Klientel geändert?
Es hat ein Generationenwechsel stattgefunden. Die Besucher haben verstanden, dass das Respektieren von Regeln bei uns das A und O ist. Früher herrschten harte Töne. Viele spielten sich sehr auf. Zudem hat sich das Einzugsgebiet geändert: Die meisten kommen zwar aus Rödelheim, aber auch aus anderen Stadtteilen. Früher wurden nur Rödelheimer toleriert. Durch den Sport hat sich hier einiges geändert.

Was zum Beispiel?
Gegenseitiges Zuhören, Respekt, Toleranz und Disziplin können wir so den Jugendlichen vermitteln. Viele haben einen Migrationshintergrund. Seit neuestem kommen auch Jugendliche aus EU-Ländern, die hier aufgewachsen sind. Die wären früher nicht geduldet gewesen. Unsere Arbeit hat sich ausgezahlt. Im Sportbereich haben wir Azubis, Studenten oder Hauptschüler. Bildung und Schulabschluss ist vielen heute wichtiger als früher. Denn sie merken: Wie im Sport braucht man Disziplin und Geduld, um weiter zu kommen.

Wie unterscheidet sich Ihre Einrichtung von Fitnessstudios?
Wir kombinieren Sport etwa mit dem pädagogischen Mittagstisch. Wir wollen den sportinteressierten Jugendlichen eine gesunde, ausgewogene Ernährung vermitteln. Wir entwickeln ein Trainingsprogramm, damit sich die Jugendliche körperlich nicht überfordern, und bauen eine Vertrauensbasis auf. Dann fällt es dem Jugendlichen später leichter, mit uns über seine Probleme zu sprechen.

Ihr Fokus liegt auf den männlichen Besuchern. Inwieweit nutzen Mädchen und junge Frauen das Sportjugendhaus?
Die fühlen sich bei uns wohl. Dienstags ist der Sportbereich von 14 bis 16.30 nur für Mädchen zugänglich. Dann gibt es einen Mädchenraum. Donnerstags ist von 13 bis 20 Uhr Girls Day. Durch unsere langfristige Arbeit hat sich unsere Wahrnehmung im Stadtteil geändert. Viele Eltern haben gemerkt, dass das Sportjugendhaus für Mädchen ein geeigneter Ort ist – auch für muslimische. Hinzu kommen Vernetzungen mit der Michael-Ende-Schule und der TSG Vorwärts.

Wie reagieren Sie, wenn Sie beobachten, dass sich muslimische Besucher Ihres Hauses radikalisieren?
Ich bin selbst Moslem. Ich checke das schneller. Es gab mal einen Vorstoß von einer Gruppe, die sich bei uns treffen und über den Islam sprechen wollten. Das habe ich gleich unterbunden. Wir sind für Menschen jedweder Religion und Nationalität da. Natürlich versuchen wir mitzubekommen, was in den Köpfen der jungen Leute vor sich geht. Aber Gottlob haben wir bislang noch kein Problem mit Salafisten.

Interview: Sonja Thelen

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